Prozess gegen einen 44-jährigen Ochtruper
Schwarzfahrer verurteilt

Ochtrup -

50 Tagessätze zu je zehn Euro lautete das Urteil gegen einen 44 Jahre alten Mann aus Ochtrup, der sich am Dienstag wegen mehrfacher Nutzung der Bahn ohne einen gültigen Fahrschein verantworten musste. Am Rande des Prozesses informierte der Richter noch über eine interessante Diskussion in Sachen Schwarzfahren.

Mittwoch, 14.03.2018, 09:03 Uhr

Ein Ticket konnte ein 44-jähriger Ochtruper mehrfach nicht vorzeigen, als er in der Bahn kontrolliert wurde.
Ein Ticket konnte ein 44-jähriger Ochtruper mehrfach nicht vorzeigen, als er in der Bahn kontrolliert wurde. Foto: dpa

Die Staatsanwaltschaft warf dem 44-jährigen Ochtruper vor, im November des vergangenen Jahres innerhalb weniger Tage ohne Fahrkarte von Enschede nach Ochtrup und von Ochtrup nach Burgsteinfurt gefahren zu sein. Damit habe er sich eine kostenlose Beförderung erschlichen, die nach derzeitiger Rechtslage eine Straftat sei, die vor einem Gericht verhandelt werden müsse, auch wenn der entstandene Schaden vergleichsweise gering sei.

Der arbeitslose Angeklagte räumte die gegen ihn erhobenen Vorwürfe in vollem Umfang ein. Er habe seinen Bruder in Burgsteinfurt und seine Eltern in Enschede besucht. Der Sozialfahrschein habe in einer Hose gesteckt, die sich während dieser Zeit in der Wäsche befand. Diesen Ausführungen vermochte der Richter jedoch keinen Glauben schenken, zumal der Angeklagte zugab, in Enschede Betäubungsmittel konsumiert zu haben. Für ein einmaliges Vergessen hätte er Verständnis aufbringen können, sagte der Richter. Aber da der 44-Jährige gleich drei Mal ohne gültigen Fahrschein angetroffen wurde, wertete er dies als Schutzbehauptung des Angeklagten.

Trotz eines umfangreichen Strafregisters wegen Diebstahls und Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz und mehrerer verbüßter Gefängnisstrafen war der An-geklagte nicht einschlägig vorbestraft. Wegen jeder Straftat könnte eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 30 Euro verhängt werden, führte die Staatsanwaltschaft aus. Da der Angeklagte aber die Taten zugegeben habe, er nicht einschlägig vorbestraft sei und nur ein geringwertiger Schaden entstanden sei, fasste die Staatsanwältin die Straftaten zusammen und beantragte eine Gesamtstrafe von 50 Tagessätzen zu je zehn Euro. Genauso urteilte auch der Vorsitzende Richter, der dem Angeklagten aus Ochtrup eindringlich mit auf den Weg gab, nicht wieder straffällig zu werden.

Am Rande der Verhandlung informierte der Richter die im Saal Anwesenden, dass derzeit auf verschiedenen politischen und berufsständischen Ebenen diskutiert werde, das Schwarzfahren aus dem Strafregister zu streichen und zu einer Ordnungswidrigkeit herabzustufen. Eine Straftat müsse immer vor einem Gericht verhandelt werden. Befürworter einer solchen Gesetzesänderung führten an, dass die Justiz erheblich von „Bagatelldelikten“ entlastet werden könnte. Mit der Verhängung eines empfindlichen Bußgeldes würde der gleiche Effekt mit weniger Aufwand erreicht werden. Gegner wiesen darauf hin, dass das Unrechtsbewusstsein bei solchen Vergehen schwinden würde, was nicht im Sinne des Gesetzgebers sein könne.

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