Landwirte fordern von Agrarministern Reformen
„Wir brauchen eine Perspektive“

Münster -

Drei offensichtlich muntere Schweine suhlen sich am Freitagvormittag leise schmatzend im Schatten des münsterischen Doms im Stroh. 

Freitag, 20.04.2018, 18:04 Uhr

Gregor Kaiser, AbL-Landesvorstand NRW, fordert die Agrarministerkonferenz auf, Perspektiven für die Landwirte aufzuzeigen.
Gregor Kaiser, AbL-Landesvorstand NRW, fordert die Agrarministerkonferenz auf, Perspektiven für die Landwirte aufzuzeigen. Foto: Gerharz

„Wenn sie genug Platz und Beschäftigung haben, dann beißen sie sich auch nicht gegenseitig die Ringelschwänze ab“, kommentiert Martin Schulz , Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), die ungewöhnliche Szenerie. Die Interessenvertretung wirbt im Vorfeld der in Münster stattfindenden Agrarministerkonferenz von Bund und Ländern (25. bis 27. April) unter anderem für bessere Rahmenbedingung einer artgerechten Tierhaltung in der Landwirtschaft.

Die Liste mit konkreten Forderungen an die Politik umfasst jedoch weit mehr. Sie reicht von einer Umverteilung der Agrarsubventionen nach Qualitätskriterien über eine neue Ackerbaustrategie, die auf den Einsatz von Glyphosat verzichtet, bis hin zur Etablierung einer aussagekräftigen und verlässlichen Kennzeichnungspflicht für Fleisch.

Eine Kennzeichnung sei auch für Milcherzeugnisse wünschenswert, wie Ottmar Ilchmann , AbL-Vorsitzender aus Niedersachsen, betont. Die Verbraucher seien durchaus bereit, Qualität entsprechend zu bezahlen. Nicht nur auf dem Markt, sondern auch im Discounter. „Die Menschen müssen nur klar erkennen, was sie kaufen. Bei Eiern haben wir gesehen, dass es funktioniert“, sagt Ilchmann.

Die Milchbauern, die sich im vergangenen Jahr gerade von einem starken Einbruch der Milchpreise erholt haben, stünden schon wieder gehörig unter Druck: „Steigende Milchmengen sorgen seit Beginn des Jahres wieder für einen starken Rückgang der Preise“, erklärt er. „Deshalb müssen wir uns für ein europaweites Mengenreduzierungsprogramm einsetzen.“ Auch die Molkereien würde die AbL gerne stärker in die Pflicht nehmen. Dies könne durch vertraglich fixierte Preise und Lieferumfänge gelingen, wie sie in anderen EU-Staaten bereits üblich sind.

Gregor Kaiser, AbL-Landesvorstand NRW, appelliert an den Mut der Politik, dringend notwendige Reformen endlich anzugehen. „In den vergangenen 13 Jahren haben bis zu 120 000 bäuerliche Betriebe ihre Höfe geschlossen. Wir brauchen eine agrarpolitische Perspektive“, mahnt er.

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