„Jeder tut, was er kann!“
Inklusives Musical „Katharina“ in der Konzerthalle Coesfeld

Dülmen -

Nonnen, Bäuerinnen, Kommissare und ein Dichter: Hinter der Bühne im Konzerttheater Coesfeld waren viele Menschen in bunten Kostümen anzutreffen, kurz bevor am Samstag das Musical „Katharina“ erstmals auf großer Bühne aufgeführt wurde.

Montag, 30.04.2018, 11:04 Uhr

Gemeinsam viel Spaß: Beim integrativen Musical „Katharina“ stehen Menschen mit und ohne Behinderung zusammen auf der Bühne des Konzerttheaters Coesfeld.
Gemeinsam viel Spaß: Beim integrativen Musical „Katharina“ stehen Menschen mit und ohne Behinderung zusammen auf der Bühne des Konzerttheaters Coesfeld. Foto: Wilfried Gerharz

Sie könnten unterschiedlicher nicht sein, nicht nur ihre Rolle betreffend, sondern auch abseits des Scheinwerferlichts: Jung und Alt, Menschen mit und ohne Behinderung haben sich für dieses Projekt zusammengefunden, das vom Anna-Katharinenstift Karthaus unter der Regie von Georg Breitkopf ins Leben gerufen wurde und unter anderem vom Verein Emmerick-Bund Dülmen unterstützt wird.

Wir sind hier wie eine große Familie und ich bin traurig, wenn es bald vorbei ist.

Darstellerin Carolin Ewering

Starker Zusammenhalt

Erst wollte Carolin Ewering nicht mitmachen, zu groß war die Sorge, sich den Text nicht merken zu können, aber „jetzt bin ich froh, dass Georg mich überredet hat“, bekräftigt die Bewohnerin der Einrichtung für Menschen mit Behinderung in Karthaus, die sich besonders über den starken Zusammenhalt im Ensemble freut: „Wir sind hier wie eine große Familie, und ich bin traurig, wenn es bald vorbei ist.“ Die Atmosphäre ist trotz des Lampenfiebers gelöst, die Stimmung super. Das schätzt auch Juliane Felgner, die schon zum zweiten Mal im Rollstuhl auf der Bühne unterwegs ist: „Es macht riesig Spaß in der Gruppe und keinen Unterschied, ob man mit oder ohne Behinderung dabei ist.“

Inklusion als Selbstverständlichkeit

Dass so sogar die Kinder – die jüngste Schauspielerin ist erst zwei Jahre alt und bei Mutter Silvia Schuster auf dem Arm unterwegs – ganz selbstverständlich lernen können, was Inklusion bedeutet und wie gut sie funktionieren kann, das ist das Ziel von Regisseur Georg Breitkopf, der als Pädagoge und Leiter des Freizeitbereiches auf Karthaus tätig ist und aus dessen Feder sämtliche Lieder und Texte stammen. Über ein Jahr lang hat er elfmal in der Woche mit einzelnen Gruppen, die jeweils aus Menschen mit und ohne Behinderung bestehen, geprobt. Dabei wurden die Rollen auf jeden der Schauspieler individuell zugeschnitten: „So konnten sich alle gegenseitig unterstützen und wie man an diesem Beispiel sieht, klappt es. Das macht Spaß!“, wirbt Breitkopf für den inklusiven Gedanken.

Inklusives Musical „Katharina“ in Bildern

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  • Beim integrativen Musical „Katharina“ stehen Menschen mit und ohne Behinderung zusammen auf der Bühne des Konzerttheaters Coesfeld.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Schon die Kleinsten sind dabei: Die jüngste Schauspielerin ist erst zwei Jahre alt.

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  • Auch die Mitarbeiter der Einrichtung sind auf der Bühne eingebunden.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Jede Rolle ist individuell auf die Schauspieler zugeschnitten. So können sich alle gegenseitig unterstützen.

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  • Das Ziel des Regisseurs ist es, dass jung und alt lernen, was Inklusion bedeutet und wie gut diese funktionieren kann.

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  • Über ein Jahr wurde elf mal in der Woche von verschiedenen Gruppen geprobt.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Juliane Felgner ist bereits zum zweiten Mal im Rollstuhl auf der Bühne.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Nicht nur hinter, sondern auch auf der Bühne wird Nächstenliebe gelebt.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Inklusives Musical „Katharina“ in Bildern Foto: Wilfried Gerharz
  • Inklusives Musical „Katharina“ in Bildern Foto: Wilfried Gerharz
  • Inklusives Musical „Katharina“ in Bildern Foto: Wilfried Gerharz
  • Inklusives Musical „Katharina“ in Bildern Foto: Wilfried Gerharz
  • Inklusives Musical „Katharina“ in Bildern Foto: Wilfried Gerharz
  • Inklusives Musical „Katharina“ in Bildern Foto: Wilfried Gerharz
  • Inklusives Musical „Katharina“ in Bildern Foto: Wilfried Gerharz
  • Inklusives Musical „Katharina“ in Bildern Foto: Wilfried Gerharz
  • Inklusives Musical „Katharina“ in Bildern Foto: Wilfried Gerharz
  • Inklusives Musical „Katharina“ in Bildern Foto: Wilfried Gerharz

Für jeden die richtige Rolle

Auch die Mitarbeiter der Einrichtung sind auf der Bühne eingebunden. Hendrik van Lendt (Clemens Brentano) ist ehrenamtlich engagiert und stolz, nach vier Aufführungen auf Karthaus mit dem Ensemble auch in Coesfeld auftreten zu dürfen. „Das ist natürlich eine besondere Auszeichnung für uns.“ Und: „Jeder tut hier, was er kann. Georg kennt uns alle mit unseren Stärken und passt die Rollen dementsprechend an. Wir gehen hier immer offen und ehrlich miteinander um, dadurch sind auch die Menschen ohne Erfahrung mit Inklusion ganz schnell in die Gruppe hereingewachsen.“

Eine passende Botschaft

Nächstenliebe wurde nicht nur hinter, sondern auch auf der Bühne gelebt. Breitkopf hatte es sich zum Ziel gesetzt, das Leben der gottesfürchtigen Nonne Anna Katharina Emmerick (Susanne Duzinski), der Namensgeberin der Einrichtung, von einer anderen Seite zu beleuchten. „Wir wollen das Leid, das sie durch ihre Krankheit erfahren musste, nicht aussparen, wollen aber auch die fröhliche und humorvolle Seite ihrer Lebensgeschichte erzählen.“ Eine passende Botschaft für ein überaus gelungenes Stück, das in der ausverkauften Konzerthalle mit Standing Ovations gefeiert wurde.

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