Verkehrsprojekt
In Borken sollen autonom fahrende Busse getestet werden

Menden -

Im Münsterland wird das Thema Mobilität schon lange diskutiert. Es gab große Verkehrskonferenzen, aber vor allem sich kompetenzrangelnd verändernde Zuständigkeiten. Passiert ist dementsprechend wenig. Bislang.

Freitag, 18.05.2018, 07:05 Uhr

Gehört Roboter-Autos, die keinen Fahrer mehr benötigen, die Zukunft? Auf vielen Teststrecken wird das autonome Fahren jedenfalls getestet.
Gehört Roboter-Autos, die keinen Fahrer mehr benötigen, die Zukunft? Auf vielen Teststrecken wird das autonome Fahren jedenfalls getestet. Foto: dpa

Stauschau in der Stadt, der ländliche Raum sprichwörtlich abgehängt: Mobilität muss neu gedacht werden, um Stadt wie Land als Lebensorte attraktiv zu halten. Neu ist diese Erkenntnis nicht. Interessant ist aber, wie un­terschiedlich damit umgegangen wird.

Im Münsterland wird das Thema schon lange diskutiert. Es gab große Verkehrskonferenzen, kleine Mobilitätsrunden und sich kompetenzrangelnd verändernde Zuständigkeiten. Passiert ist dementsprechend wenig. Erfolgreich etabliert wurden ein paar Bürgerbus-Linien und einige Knotenpunkte, in denen sich Bus, Bahn und Bike treffen, mehrere wichtige Ausbauprojekte im Bundesverkehrswegeplan und einige Visionen. Beispielsweise die, irgendwann einmal stressfrei in die Innenstadt Münsters gelangen zu können. Noch ist da viel wollen und wenig sein.

Teststrecke zwischen Soest und Iserlohn

Südwestfalen ist da deutlich weiter. Dort haben Un­ternehmen, Hochschulen, Po­litik und Verwaltung unter der Regie der Stadtwerke Arnsberg und Menden ein „Netzwerk Zukunftsmobilität Südwestfalen“ gegründet. Ganz praktisch, ganz konkret. Auf einer rund 60 Kilometer langen Teststrecke zwischen Soest und Iserlohn – die Au­to­bahn­abschnitte, Bundes- sowie Landstraßen umfasst – „wollen wir ab 2019 Erkenntnisse über das automatisierte und vernetzte Fahren speziell im ländlichen Raum gewinnen“, sagt Bernd Reichelt, Geschäftsführer der Stadtwerke Menden, auf Nachfrage. Spätestens ab 2025 sollen die Au­tos fahrerlos über die gesamte Teststrecke rollen.

Über das Projekt wird längst überregional ge­sprochen. Südwestfalen mit seiner starken Au­tomo­tive-Bran­che hat damit etwas geschafft: ein Thema gesetzt und po­sitiv besetzt.

Zugang zu millionenschweren Fördertöpfen

Auch in Ostwestfalen steht das Thema Mobilität groß auf der To-do-Liste, die Region ist aber noch nicht so weit wie der südliche Nachbar. Dafür hat OWL wie Südwestfalen die Möglichkeiten der Regionale im Rücken. 2022 findet sie in Ostwestfalen statt, 2024 in Südwestfalen. „Das Thema Mobilität wird eine Säule unserer Regionale sein“, sagt Lars Bökenkötter, Sprecher der Ostwestfalen-Lippe GmbH. Das Charmante daran: Regionalen erleichtern den Zugang zu millionenschweren Fördertöpfen. Hinzu kommt: Ostwestfalen hat mit seiner „It’s OWL“-Kampagne bewiesen, dass es konzertierte Aktionen beherrscht.

Autonom fahrende Busse in Borken

Im Münsterland passiert jetzt offenbar auch endlich etwas. Im Juli soll ein Projektbüro gegründet werden, das all das, was an Mobilitätsideen in der Region vorhanden ist, bewertet, bündelt und wo möglich in konzertierte Projekte gießt. Beteiligt ist angeblich das Land mit dem Zukunftsnetz Mobilität NRW, Münsterland e.V., der Zweckverband Schienen personen-Nahverkehr und der Regionalverkehr Münsterland für die Bus-Sparte.

Die Projekte sollen im Konzert mit den Bürgermeistern experimentell auf Radweg, Straße und Schiene gebracht werden. Geplant ist un­ter anderem ein Modellvorhaben – man höre, man staune – mit autonom fahrenden Bussen in Borken. Bisher scheitert die Umsetzung noch an den Anforderungen. „Wenn wir eine separate, abgesicherte Strecke bereitstellen müssen, ist der Aufwand zu hoch“, sagt der Erste Beigeordnete Norbert Nießing. Das Potenzial sei aber groß genug, Mobilität im ländlichen Raum neu zu denken.

Westfalen macht also mobil. Bleibt eine Frage: Warum fahren die Regionen nicht gemeinsam, sondern wieder einmal nebeneinanderher?

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