Zu wenige Saisonkräfte
Erdbeerbauern fehlen Pflücker

Münsterland -

Große Früchte, süße Früchte, rote Früchte: Die Erdbeerernte wird in dieser Saison offenbar ziemlich gut. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte lautet: Immer mehr Bauern klagen darüber, dass ihnen Saisonkräfte fehlen, die die Erdbeeren von den Feldern holen. Warum die Erntehelfer nicht ins Münsterland kommen:

Dienstag, 05.06.2018, 06:45 Uhr

Erntehelfer sind Mangelware
Erntehelfer sind Mangelware Foto: dpa

„Wir haben in diesem Jahr bestimmt 20 Prozent weniger Helfer“, sagt der Vorsitzende des Landes verbandes Obstbau Westfalen- Lippe, Stefan Kraeger , aus Telgte. Die Folgen sind teilweise dramatisch: Die Früchte vergammeln auf den Feldern, weil zu wenig fleißige Hände da sind, sie zu pflücken.

Jeder Tag ein Kampf

Einer, der derzeit quasi rund um die Uhr mit dem Problem zu tun hat, ist ­Detlef Licht von Bäcker‘s Erdbeer- und Spargelhof in Münster. „Wir kämpfen jeden Tag“, sagt er.

Früher sind es vor allem Polen gewesen, die sich während der Ernte als Helfer verdingten. Rumänen und Bulgaren kamen später dazu. Doch die Zeiten sind vorbei. In vielen Ländern des Ostens brummt die Wirtschaft. In der Folge sind immer weniger Menschen bereit, für drei Monate nach Deutschland zu kommen und für 8,84 Euro Mindestlohn Spargel zu stechen oder Erdbeeren zu ernten. Sie verdienen zu Hause vielleicht etwas weniger, können dafür aber bei ihren Familien bleiben. Und wenn sich osteuropäische Ar­­­beiter trotzdem auf einen Job in der Ernte einlassen, dann nicht unbedingt in Deutschland. In Belgien oder den Niederlanden ist der Mindestlohn mit 9,50 bis 9,70 Euro deutlich höher.

Bei Paketdiensten oder auf dem Bau

Hinzu kommt: Diejenigen, die nicht nur in den Beinen mobil sind, sondern auch im Kopf, finden auch hierzulande andere Jobs. „Die arbeiten dann bei Paketdiensten oder auf dem Bau“, sagt Kraeger. Dort lockt nicht nur ein ­besserer Lohn, sondern oft auch eine dauerhafte Beschäftigung.

Die Folge des Personalmangels für den Erdbeerhof Bäcker: Licht lässt rund 1,5 der zehn Hektar Erdbeerfelder nicht abernten. „Wir konzentrieren uns auf die Flächen mit den größten Früchten.“

Vorwiegend Rumänen auf den Feldern

Flächendeckend ist das Personalproblem aber noch nicht. Aber auch diejenigen, die in dieser Saison noch ausreichend Helfer anwerben konnten, blicken sorgenvoll in die Zukunft. Wie Martin Breuer, Betriebsleiter des Erdbeerhofs Lütke Zutelgte in Telgte. 100 Saisonkräfte sind dort derzeit beschäftigt. Seit ein paar Jahren arbeiten hier vorwiegend Rumänen. „Es wird zu­sehends schwieriger, Ar­beits­kräf­te zu gewinnen“, sagt Breuer.

An verschiedenen Stellen wird derzeit schwer daran gear­beitet, Leute aus der ­Ukraine oder aus Weißrussland zu gewinnen.

Stefan Kraeger

Um Abhilfe zu schaffen, werben beispielsweise der Zentralverband Gartenbau oder die Bundesfachgruppe Obstbau inzwischen dafür, au­ßereuropäischen Helfern befristet den Weg auf die deutschen Felder zu ebnen. „An verschiedenen Stellen wird derzeit schwer daran gear­beitet, Leute aus der ­Ukraine oder aus Weißrussland zu gewinnen“, sagt Kraeger vom Landesverband Obstanbau Westfalen-Lippe.

Niedrige Verkaufspreise

Es ist aber längst nicht nur der Personalmangel, der die Erdbeerbauern unter Druck setzt. Weil der Mindestlohn steigt und der Lebensmittelhandel die Preise niedrig hält, stellt sich für viele Landwirte die Frage, wie lange sie überhaupt noch konkurrenzfähig die süßen roten Früchte anbauen können. „Wenn der Mindestlohn bei zwölf oder 13 Euro ankommt, brauchen wir hier keine Erdbeeren mehr anbauen“, sagt Breuer. „Das lohnt sich dann nicht mehr.“

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