Kaiser-Denkmal an der Porta Westfalica ist saniert
Der standfeste Wilhelm

Porta Westfalica -

Von weitem mächtig, von nahem prächtig: Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica ist nach wie vor imposant. Seit mehr als 100 Jahren grüßt der bronzene Monarch an der Grenze der früheren Preußen-Provinz. Und steht nach nunmehr 72 wackligen Jahren endlich wieder auf festem Grund. 16,5 Millionen Euro hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), dem das Monument gehört, in die Sanierung gesteckt. In dem Betrag inbegriffen: Der Bau ei­nes Informationszentrums und einer Gastronomie. Beides raffiniert versteckt im alten Denkmal-Sockel. Eindeutig getoppt wird all das architektonisch Feine aber vom atemberaubenden Blick ins Wesertal.

Montag, 02.07.2018, 17:20 Uhr

Ein imposanter Bau, ein atemberaubender Blick: Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica wurde restauriert und um ein Infozentrum im Sockel erweitert.
Ein imposanter Bau, ein atemberaubender Blick: Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica wurde restauriert und um ein Infozentrum im Sockel erweitert. Foto: dpa

An diesem Montag reihen sich unter die wenigen Besucher und Handwerker eine paar Gäste, die dadurch auffallen, dass die trotz hochsommerlicher Temperaturen und gleißendem Licht dunkle Anzüge tragen und Krawatten. LWL-Chef Matthias Löb ist da, der Leiter der LWL-Bauabteilung Matthias Gundler, der Bürgermeister Porta Westfalicas, Bernd Hedtmann, und Peter Bastian, der Architekt, der all das ersann. Nach fast zwei Jahren Bauzeit wird das Denkmal des nun wieder standfesten Wilhelm I. am Freitag wiedereröffnet. Zu ei­nem Fest am Sonntag haben sich Tausende Besucher angesagt.

Gerade ein Kaiserdenkmal, das den Besucher mit sich und der alten Zeit alleine lässt, das geht gar nicht. Dachte Löb schon vor zehn Jahren, da war er noch Baudezernent beim LWL. Und wenn schon ein Infozentrum, warum dann nicht gleich auch eine nahe Gastronomie als Ersatz für das altbackene Gasthaus am entfernten Parkplatz? Gut gedacht, aber viel zu teuer. Die Pläne verschwanden im Aktenkeller.

Der Kaiser stand auf wackligen Füßen

„Und dann gab es zwei Zufälle“, erzählt der LWL-Direktor bei der gestrigen Vorbesichtigung. Neue Bodenun­tersuchungen ergaben, dass der Ringsockel vorm Monument akut abrutschgefährdet war. Zu den Füßen des Kaisers hatten die Nazis einst Stollen gebuddelt und die Produktion kriegswichtiger Güter in den Berg vergraben. 1946 jagten die Briten die Anlage kurzerhand in die Luft, ein Teil des Denkmalvorplatzes stürzte ein – und blieb bis vor zwei Jahren sich selbst überlassen. Seitdem stand der Kaiser auf wackligen Füßen.

Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta Westfalica

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  • Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta Westfalica wurde restauriert.

    Foto: dpa
  • Letzte Arbeiten werden auf der Besucherterrasse vom Kaiser-Wilhelm-Denkmal durchgeführt.

    Foto: dpa
  • Porta Westfalica: Feier am Kaiser-Wilhelm-Denkmal, um 1925.

    Foto: LWL-Medienzentrum für Westfalen
  • Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta Westfalica wurde restauriert.

    Foto: dpa
  • Neue Ausstellung im Besucherzentrum vom Kaiser-Wilhelm-Denkmal.

    Foto: dpa
  • Entwurf des LWL-Besucherzentrums

    Foto: Dr. Ulrich Hermanns
  • Foto: dpa
  • Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal

    Foto: WLV, Münster
  • Betonschalung an den Außenwänden der Küche

    Foto: Holger Bosch/ WLV
  • Entwurf des LWL-Besucherzentrums

    Foto: Dr. Ulrich Hermanns
  • Luftbild der Baustelle

    Foto: Fa. Kögel
  • Freilegung der Ringmauer

    Foto: Holger Bosch/ WLV
  • Kaiser Wilhelm I. (1797-1888, reg. ab 1858/1861 bzw. 1871-1888).

    Foto: LWL-Landesmuseum für Kunst und Kultur/ Hanna Neander
  • Historisches Foto der Errichtung des Denkmals, ca. 1895.

    Foto: LWL-Medienzentrum für Westfalen
  • Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta Westfalica wurde restauriert.

    Foto: dpa
  • Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta Westfalica wurde restauriert.

    Foto: dpa
  • Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta Westfalica wurde restauriert.

    Foto: dpa

Der Bund hat die Arbeiten gefördert

Saniert werden musste also allemal. Als sich der Bund schließlich bereiterklärte, „aus seinem Förderprogramm für nationale bedeutsame Denkmäler 5,8 Millionen Euro beizusteuern, sagte auch die LWL-Politik ja“, erzählte Löb.

Neues Infozentrum

Die alte Infozentrum-Idee nebst neuer Gastronomie wurde wachgeküsst, ein Ar­chitekturwettbewerb durchgeführt – danach machte die Wirklichkeit allen Beteiligten das Leben schwer. Um „dem Hang die nötige Standfestigkeit zu geben, mussten wir 270 Betonpfähle bis zu 30 Meter tief in den Boden versenken“, erzählt Gundler. Allein für die Pfahlgründung waren über 3800 Tonnen Zement fällig. „Indem der historische Sockel rekonstruiert wurde“, sei das Denkmal quasi neu aufgestellt worden, ergänzte Bastian. Die Kunst sei es gewesen, „heute so zu denken, wie es damals geplant worden war“.

Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta Westfalica

Historische Einordnung

Ein altes Kaiser-Monument im Jahr 2018 für viele Millionen Euro an exponiertester Lage wieder auf Vordermann zu bringen? Das hat nichts mit falscher Verklärung zu tun. „Es geht nicht darum, dem Kaiser zu alter Herrlichkeit zu verhelfen“, sagte Löb. Wichtig sei es, den Besuchern endlich die Möglichkeit zu bieten, „das Denkmal historisch einordnen zu können“ und wieder Touristen in die Region zu locken. In Spitzenjahren besuchen schließlich bis zu 200 000 Gäste die Spitzenlage am Eingang Westfalens.

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