Blickpunkt der Woche
Tiefgarage als Fass ohne Boden: Viele Fragen – wenig Antworten

Gronau -

Es kommt nur selten vor, dass mich in dieser Stadt noch etwas aus der Fassung bringt. In dieser Woche hat eine Zahl das allerdings geschafft: 6,7 Millionen Euro. Diese Summe müsste in Umbau und Sanierung der städtischen Tiefgarage investiert werden, um das marode Parkloch fit zu machen für den Paarungsakt mit Drio III und die Zukunft.

Samstag, 08.12.2018, 06:00 Uhr
Ob das gutgeht?
Ob das gutgeht? Foto: Heinrich Schwarze-Blanke

Mir ist klar, dass das Zahlenwerk hinter den 6,7 Millionen Euro nur eine Analyse ist, die gebraucht wird, um die nächsten Schritte zu planen. Aber ich weiß auch, wie dicht in dieser Stadt bisweilen Sinn und Wahnsinn beieinander liegen. Und, was soll ich sagen: Ich wurde nicht enttäuscht. Denn im Bauausschuss wurde am Mittwoch entschieden: „Der Ausschuss für Bauen, Planen und Denkmalschutz beschließt den Umbau und die Sanierung der Tiefgarage am Paßweg anhand der vorliegenden Planung“. Meinen die das ernst oder war der Beschluss nur ein falscher Fehler? Offen gestanden: Ich weiß es nicht.

Natürlich fließen nicht morgen die 6,7 Millionen in das Projekt. Natürlich gilt die Bauausschuss-Entscheidung nur unter der Voraussetzung, dass der Vertrag mit den Drio-Investoren überhaupt zustande­ kommt. Und, ja: Es soll auch noch ermittelt werden, was es kostet, wenn Drio III zwar mitten aus der Tiefgarage heraus auf den Schumacher-Platz wächst, das Tiefgaragen-Loch ringsum aber mit Sand oder Beton verfüllt wird.

Erwartet hätte ich von der Politik trotzdem ein klares Signal, statt des jetzt getroffenen „Macht-mal-weiter-Beschlusses“. Soll heißen: Erst gehören alle Zahlen und Fakten auf den Tisch, dann wird entschieden – und bis dahin gibt es keinen Beschluss. Diese Reißleine hat im Ausschuss aber keiner gezogen. Das habe ich vermisst.

Zufall oder System?

Unverständlich ist für mich auch, warum die Verwaltung – die den Job an ein Ingenieurbüro vergeben hat – bei einem Vorgang von solch finanzieller Tragweite nicht von sich aus verschiedene Alternativüberlegungen in den Fokus nehmen ließ und der Politik als ganzes Paket zur Entscheidung vorlegt? Stattdessen lapidar darauf zu verweisen, dass es für Alternativbetrachtungen keinen Auftrag gab, würde mich als Ratsmitglied richtig sauer machen. Denn: Der Auftrag ist das eine, gesunder Menschenverstand das andere. Viele Fragestellungen liegen – das hat die Ausschuss-Debatte gezeigt – in Sachen Tiefgarage doch auf der Hand – nur die Antworten der Fachleute darauf leider nicht vor.

Kritische Töne verdient auch die Tatsache, dass die Instandhaltung der Tiefgarage in der Vergangenheit offenbar so vernachlässigt wurde, dass die Bude jetzt ein Fass ohne Boden zu werden droht. Wem das bekannt vorkommt – ja, es stimmt: der selbe Vorwurf muss den Verantwortlichen der Stadt auch mit Blick auf das Rathaus, die „Brücke“ und die Feuerwache gemacht werden. Zufall oder System?

Gänzlich losgelöst von Fehlern der Vergangenheit läuft es mir als Bürger aktuell kalt den Rücken runter, wenn ich zusammenrechne, was in kommenden Jahren in Parkflächen investiert werden soll. Denn: Falls Drio kommt, will/muss diese Stadt nicht nur mindestens 6,7 Millionen Euro (bei gleichzeitiger Halbierung der Stellplätze) in die Hand nehmen, um den unterirdischen Parkhaus-Bunker aus der Zeit des Kalten Krieges auf modern zu pimpen. Knapp 100 Meter entfernt soll zusätzlich noch ein Parkdeck für weitere schlappe 9,4 Millionen gebaut werden. Macht bei insgesamt rund 460 Parkplätzen knapp 37.000 Euro pro Abstellfläche. Steht das noch in irgendeiner Relation zu anderen wichtigen Aufgaben, die diese Stadt vor der Brust hat?

Gibt es andere Lösungen?

„Was rauchen die da eigentlich im Bauausschuss?“ Diese Frage stammt nicht von mir, sondern von Martin Dust. Der CDU-Mann ahnte im Bauausschuss offenbar, dass viele Bürger sich angesichts der horrenden Kosten, die just für das schnöde Abstellen von rollendem Blech aufgerufen werden, diese Fragen stellen.

Ja, lieber Martin Dust: Diese Fragen stellen viele Bürger in der Tat. Und genau deshalb müssen Antworten auf den Tisch: Was kostet der Rückbau der Tiefgarage – mit und ohne Drio-III-Realisierung? Wo und zu welchen Kosten ließe sich der Wegfall der Parkplätze kompensieren? Durch zusätzliche Tiefgeschosse des neuen Parkdecks auf dem Schlossplatz? Durch ein Parkdeck auf dem Rathaus-Parkplatz, auf dem Berliner-Platz oder dem Eberle-Platz? Gibt es andere Lösungen? Ich habe am Mittwoch im Bauausschuss nicht vernommen, dass ein solch umfassender Auftrag an die Verwaltung erteilt wurde.

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Und vielleicht wäre es – ausgehend von den Parkplatz-Problemen – auch eine gute Idee, in diesem Zusammenhang schon mal ein paar Gedanken daran zu verschwenden, was eigentlich passiert, wenn das Drio-Projekt den Bach runtergeht? An Innenstadtentwicklung ist dann vermutlich vorerst nicht mehr zu denken. Dafür wäre – jetzt mal ganz böse formuliert – das Parkplatzproblem gelöst: Die gäbe es dann nämlich auf der ehemaligen Hertie-Fläche bis zum Abwinken. Ob sie allerdings unter diese Prämisse noch einer braucht, steht freilich auf einem anderen Blatt.

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