Plattform Enyway
Andreas Stegerhoff verkauft Windenergie über eine Online-Plattform

Borken/Bonn -

Die Eier vom Bauern um die Ecke schmecken besser als die aus der Legebatterie. Die Lampe überm Küchentisch leuchtet aber nicht heller, nur weil Ökostrom aus der Steckdose kommt. Trotzdem ist Strom nicht gleich Strom.

Montag, 28.01.2019, 11:38 Uhr aktualisiert: 28.01.2019, 12:07 Uhr
Andreas Stegerhoff vor einem seiner Windräder. Der Borkener verkauft Strom über eine Online-Plattform.
Andreas Stegerhoff vor einem seiner Windräder. Foto: Wilfried Gerharz

Menschen wie Carsten Exner machen sich Gedanken darüber, woher die Energie stammt, die sie verbrauchen. „Ich habe die Berichte rund um den Hambacher Forst und den Braunkohle-Ausstieg verfolgt. Deshalb habe ich nach Alternativ-Strom gesucht“, berichtet der Familienvater aus Bonn.

Bei seiner Internetrecherche stieß Exner auf die Plattform Enyway . „Ökostrom aus deiner Region und direkt vom Erzeuger deiner Wahl“ – so lautet der Slogan. Das überzeugte den auch sonst alternativ und ökologisch denkenden Exner. Dass er damit den großen Energiekonzernen die kalte Schulter zeigt, „das war nicht geplant. Aber mir gefällt, dass ein leicht anarchistischer Gedanke hinter all dem steckt“, gibt er schmunzelnd zu.

Regionale Stromverkäufer

Enyway ist eine Online-Plattform, auf der sich Verbraucher nach Sympathie, Region oder Preis ihren Stromanbieter aussuchen können. Mit kurzen Profilen und Fotos stellen sie sich und ihre Energieerzeugung vor. Bei dem Pulk von Anbietern eine Entscheidung zu fällen, sei nicht leicht gewesen, berichtet Exner. Seit dem 1. Dezember 2018 bezieht Familie Exner ihren Strom nun von Andreas Stegerhoff aus Borken.

„Alles war ganz unkompliziert und kostete wenig Zeitaufwand. Am Telefon habe ich Enyway den Zählerstand durchgegeben und sie haben mir anschließend den Vertrag zugeschickt“, beschreibt Exner das Szenario. Mit Stegerhoff hatte er bisher keinen Kontakt. „Außer, dass er uns ein Paket Kaffee geschickt hat“, erzählt Exner und lacht. Damit wirbt Stegerhoff auf Enyway – jeder Neukunde bekommt Kaffee, der mit Windenergie geröstet wurde.

Stromerzeuger verkauft seine übrigen Kilowattstunden

Der Borkener war der erste Vertragspartner, der bei Enyway unterschrieben hat. Seit 2017 ist der Unternehmer dabei. Vor 30 Jahren baute er auf seinem Grundstück die erste Windkraftanlage. Heute betreibt Stegerhoff zwei Photovoltaik- und zwei Windenergieanlagen. Die Energieerzeugung läuft aber nur so nebenbei. Eigentlich ist er Inhaber einer Werkzeugschleiferei und Kaffeerösterei. Die Energie für die Firma und sein Wohnhaus bezieht Stegerhoff aus seinen Energieanlagen. Die übrigen 600.000 Kilowattstunden (kWh), die er jährlich produziert, bietet er auf Enyway zum Verkauf an.

170 Kunden hat er. Viele davon kommen aus dem Kölner und Bonner Raum. Aber auch aus Hamburg und vom Bodensee. Je nach Region sind die Kosten unterschiedlich. „Das liegt an den Durchleitungssystemen der Netzagenturen“, erklärt Steger­hoff. So bezahlt ein Kunde aus Borken für seinen Strom bei Andreas Stegerhoff 27 Cent pro kWh. Ein Warendorfer nur 24 Cent pro kWh. Kapazitäten für mehr Kunden hat er nicht – der steger­hoffsche Strom ist ausverkauft. Das könne sich aber schnell wieder ändern, erklärt der Unternehmer. Jeder Kunde hat eine Kündigungsfrist von 14 Tagen.

Der Geldbeutel freut sich

Carsten Exner ist zufrieden mit seinem neuen Stromanbieter. Und sein Geldbeutel freut sich auch. „Vorher hatte ich den Basistarif der Bonner Stadtwerke. Jetzt bin ich einfach günstiger dran.“

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