„Who is who“ der Rettungsdienste
Reform des Gesetzes zur Ausbildung von Rettungskräften fordert Hilfsdienste heraus

Gronau/Heek/Schöppingen -

Rettungshelfer, Rettungssanitäter, Rettungsassistent, Notfallsanitäter (NFS) – den Menschen in Not kümmert es wenig, welche Aus- oder Fortbildung derjenige hat, der ihm hilft. Die Hilfsdienste selbst aber stehen vor der Aufgabe, ihre Kräfte fortzubilden, weil der Bund die entsprechenden Gesetze geändert hat. Die Kosten sollen die Krankenkassen tragen. Doch die weigern sich größtenteils und haben geklagt. In einer Art „Notruf in eigener Sache“ hat die Johanniter-Unfallhilfe in der vorigen Woche Alarm geschlagen: Es drohe „ein erheblicher Mangel an Rettungskräften.“

Mittwoch, 20.02.2019, 09:00 Uhr
Eine Rettungssanitäterin steht vor einem Rettungswagen des Deutschen Roten Kreuzes.
Eine Rettungssanitäterin steht vor einem Rettungswagen des Deutschen Roten Kreuzes. Foto: Bernd Weissbrod/dpa

Was heißt das für die Rettungsdienste und die Menschen in Gronau und den umliegenden Gemeinden?

►  Die Feuerwehr

Bei der Berufsfeuerwehr in Gronau gibt es Entwarnung. „In Gronau haben wir das Problem nicht“, erklärt Carsten Thien . Der Fachbereichsleiter beim Kreis Borken ist zuständig für den Rettungsdienst im Kreis. „18,67 Notfallsanitäter“, rechnet Thien den mit einem Schlüssel anhand der Einsatzfahrzeuge ermittelten Bedarf vor. „Je nach Fahrzeug müssen die mit einem Notfallsanitäter besetzt sein.“ Um dies 24 Stunden täglich zu gewährleisten, brauche man also 19 Mitarbeiter mit der neuen Ausbildung. Aktuell sei man bei 17, außerdem würden noch in diesem Jahr zwei weitere nachqualifiziert. Fazit: „Wir werden die gesetzliche Frist nach aktuellem Stand frühzeitig erfüllen.“

Der Kreis habe 2015 damit begonnen, Rettungsassistenten zu NFS nachzuqualifizieren. Die Kosten dafür hole er sich indirekt von den Kassen. „Wir rechnen das über die Rettungsdienstgebühren ab.“ Sebastian Thiemann von den Johannitern zeigt sich „begeistert“ über dieses Vorgehen. „Die Kreise Borken und Steinfurt sind da in NRW Leuchttürme.“

►  Das Deutsche Rote Kreuz

Beim Roten Kreuz in Gronau gibt es ebenfalls Entwarnung: „Für uns ist das nicht so ein großes Problem“, sagt DRK-Vorsitzende Sandra Cichon, „weil wir keine Einsätze fahren.“ Unter den 40 Aktiven seien viele Rettungssanitäter, die etwa zum Sanitätswachdienst an Karneval eingesetzt werden. Außerdem sind unter den Ehrenamtlichen einige Rettungshelfer. Einen Rettungsassistenten hat das DRK auch in den eigenen Reihen, weil er Berufsfeuerwehrmann ist.

►  Der Malteser Hilfsdienst

In Schöppingen ist der Malteser Hilfsdienst mit Jugendgruppe und etwa 40 Ehrenamtlichen aktiv, darunter sind zwei Notfallsanitäter, ein Rettungsassistent und einige Rettungssanitäter und -helfer. Damit sind die Schöppinger eine der größten Maltesereinheiten im Kreis. Die ehrenamtliche Prägung mache es unmöglich, die Vollausbildung zum NFS zu absolvieren, erklärt der Kreisbeauftragte Michael Frenzel. Aus der Historie heraus unterstützen die Malteser die Feuerwehr, eine eigene Wache unterhalten sie nicht. Diese besonders im ländlichen Bereich häufige „Verzahnung“ bei Einsätzen aus haupt- und ehrenamtlichen Diensten werde durch die neue Gesetzeslage aufgebrochen, meint Thomas Fecker, Leiter der Notfallversorgung bei der Diözesan-Geschäftsstelle der Malteser in Münster. „Diese Vermischung wird es binnen zehn Jahren nicht mehr geben“, so seine Prognose. Hier sehe er eines der Probleme der neuen Vorgaben: eine Lücke in der Versorgung. „Wir werden ehrenamtlich die Lücke nicht mehr füllen können“, sagt er. „Aber irgendjemand wird es tun müssen. Das werden perspektivisch die Kreise sein.“ Unbestritten ist aus seiner Sicht aber auch, dass die Entwicklung hin zu einer „immer besseren Ausbildung und immer besserem Gerät“ unumkehrbar ist. Er kenne aus eigener Anschauung den Unterschied zwischen Rettungseinsätzen vor 20 Jahren und aktuell. „Heute machen wir draußen auch richtig Intensivmedizin“, so Fecker. „Da muss alles andere mitwachsen.“

►  Die Johanniter-Unfallhilfe

Die Johanniter unterhalten in Heek eine Lehrrettungswache. Im Internet suchen sie für diese zu sofort einen Rettungssanitäter. Vier Mitarbeiter in Heek müssten noch die Qualifikation zum Notfallsanitäter erwerben, „damit sie weiterhin vollumfänglich einsetzbar sind“, so Sebastian Thiemann, Pressesprecher der Johanniter-Unfallhilfe im Regionalverband Münsterland/Soest. Aktuell gebe es an der Rettungswache Heek fünf Notfallsanitäter und drei Rettungsassistenten. Hinzu kommt ein NFS-Azubi, „ein weiterer wird folgen“, so Thiemann.

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