Experte Robert Tüllinghoff
Der „Typ“ und seine Vögel

Kreis Steinfurt -

Die Vogelwelt verändert sich - auch im Münsterland. Einer, der sich damit auskennt, ist Robert Tüllinghoff von der der Biologischen Station Steinfurt. Welche Vögel fühlen sich hier wohl, welche wollen weg? Ein Besuch im Vogelschutzgebiet in Emsdetten.

Donnerstag, 25.04.2019, 11:58 Uhr
Robert Tüllinghoff im Emsdettener Vogelschutzgebiet.
Robert Tüllinghoff im Emsdettener Vogelschutzgebiet. Foto: Marion Fenner, Robert Tüllinghoff (3)

Das rote Auto von Robert Tüllinghoff kennen die Vögel auf den Wiesen am Max-Clemens-Kanal im Vogelschutzgebiet in Emsdetten. „Sie denken, da kommt schon wieder der Typ, der uns immer stört“, sagte Tüllinghoff augenzwinkernd. Dabei will der Mitarbeiter der Biologischen Station Steinfurt doch nur ihr Bestes. Jetzt im Frühjahr hat der Vogelexperte viel zu tun: Er kennzeichnet die Nester des Großen Brachvogels, der Uferschnepfe und des Kiebitz. Die Nester der Bodenbrüter sollen nicht aus Versehen von Landmaschinen überrollt werden.

„Früher gab es diese Vögel in unseren Regionen sehr zahlreich. Doch heute sind sie selten geworden“, sagt Tüllinghoff. Eine Ursache sei die Veränderung in der Landwirtschaft, vor allem die Entwässerung der Moore. Er will das nicht verteufeln: „Landwirte wollen auch leben, aber diese Vögel brauchen feuchte Wiesen und sumpfige Gebiete. Sie leben von Würmern und Insekten, die sie aus dem Boden picken.“

Kooperation mit Landwirten

Um diesen Tieren einen Lebensraum zu geben, sei eine enge Kooperation mit den Landwirten erforderlich und die klappe in der Regel sehr gut, betont der Vogelschützer. Tüllinghoff freut sich über jeden einzelnen dieser seltenen Vögel, die er entdeckt. Insbesondere der Große Brachvogel fühle sich im Kreis Steinfurt mittlerweile wieder sehr wohl. „Hier gibt es den größten Bestand dieser Vögel in Nordrhein-Westfalen. Wir übernehmen damit eine besondere Verantwortung für die Tiere und unternehmen alles, damit es ihnen gut geht.“

Die 15 häufigsten Gartenvögel in Deutschland

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  • Der Naturschutzbund (Nabu) lässt regelmäßig Vögel in Gärten zählen und erstellt daraus eine Statistik. Die Top 15:

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  • Platz 1: Haussperling

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  • Platz 2: Amsel

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  • Platz 3: Kohlmeise

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  • Platz 4: Star

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  • Platz 5: Feldsperling

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  • Platz 6: Blaumeise

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  • Platz 7: Elster

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  • Platz 8: Mehlschwalbe

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  • Platz 9: Ringeltaube

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  • Platz 10: Mauersegler

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  • Platz 1: Grünfink

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  • Platz 12: Buchfink

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  • Platz 13: Rabenkrähe

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  • Platz 14: Rotkehlchen

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  • Platz 15: Rauschwalbe

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Nachbarschaftsstreit bei den Großen Brachvögeln

Die großen Vögel mit dem auffällig gebogenen Schnabel – das perfekte Werkzeug, um Insekten und Würmer aus weichem Untergrund zu picken – leben paarweise in einem großen Revier. Am liebsten mit einer sichtbaren Grenze, plaudert Tüllinghoff aus den Nähkästchen des Privatlebens der Vögel.

Einmal habe ein Landwirt eine Hecke gestutzt, die offensichtlich als Grenze zum Revier eines anderen Brachvogelpaares diente. „Es kam zu einem handfesten Nachbarschaftsstreit unter den Brachvögeln“, erzählt Tüllinghoff. Erst als der Bauer ein paar Stöckchen in die Erde steckte, seien die Vogelnachbarn wieder friedlich gewesen.

Winterurlaub lieber getrennt

Die Paare der größten Schnepfenvögel Deutschlands sind sich in der Regel treu, verbringen aber den Winterurlaub getrennt. Beim Brüten wechseln sich die Vögel ab, das männliche Tier übernimmt die gefährlicheren Nachtschichten, in denen das Nest auch schon einmal von Füchsen, Mardern oder Waschbären bedroht wird. Das Weibchen kümmert sich tagsüber um das Gelege.

Sind die Küken geschlüpft, teilen sich die Elterntiere die Fürsorge. Für eine kurze Zeit, bevor die Jungtiere flügge werden, übernimmt der Vater als Alleinerziehender die Betreuung, und die Mutter reist nach anstrengenden Wochen früher Richtung England in das Winterquartier.

Kibitze werden knapp

Der Kiebitz ist in den Vogelschutzgebieten im Kreis Steinfurt immer seltener anzutreffen. „Wir wissen nicht genau, warum“, sagt Tüllinghoff. Etwa 1000 Paare brüten dort noch. Aber nur sehr wenige Jungtiere kommen durch. Es gilt – ebenso wie beim Brachvogel – als Erfolg, wenn ein Paar in zehn Jahren vier Jungtiere erfolgreich aufzieht.

Beim Kiebitz hat ein Männchen nicht nur ein Partnerin, dennoch versucht das Tier, beiden Partnerinnen gerecht zu werden und hilft ihnen bei Brutpflege und der Aufzucht.

Auf den Wiesen am Max-Clemens-Kanal in Emsdetten erwartet der Vogelexperte zwölf bis 15 Brachvogelpärchen, etwa 30 Kiebitzgelege und zehn bis 15 Uferschnepfenpaare. „Jedes Paar, das wiederkommt und jedes Nest, das wir schützen können, sind Erfolge.“ Dafür darf der „Typ“ dann gerne auch mal mit seinem roten Auto vorfahren und stören.

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