Europawahl im Münsterland
So bewerten die Kandidaten aus dem Münsterland die Ergebnisse

Münsterland -

Die Chance für Münsterländer, Münsterländer ins Europa-Parlament zu wählen, war gering. Sicher hatten einen Platz der CDU-Kandidat Markus Pieper und der Billerbecker Helmut Geuking mit seinem Spitzenplatz bei der Familien-Partei und ohne Fünf-Prozent-Hürde. Die Münsterländer, die den höchsten Platz in der Liste ihrer Partei innehatten, äußerten sich zum Ausgang der Wahl.

Montag, 27.05.2019, 09:33 Uhr
Europawahl im Münsterland: So bewerten die Kandidaten aus dem Münsterland die Ergebnisse
Enttäuschung und Freude der Wahlbeteiligten im münsterischen Rathaus ist in den Gesichtern deutlich erkennbar... Foto: Matthias Ahlke

Sarah Weiser – SPD

Um 19.05 Uhr kommt schon die Pressemitteilung von der SPD. Da sind in Münster gerade mal 35 von 261 Wahllokalen  ausgezählt. Darin erklärt Sarah Weiser: „Selbstverständlich ist das Ergebnis der SPD für mich persönlich enttäuschend. Wir haben trotz eines engagierten Wahlkampfes in Münster und im Münsterland unsere selbst gesteckten Ziele leider nicht erreicht.“

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Sarah Weiser (SPD) stand auf Listenplatz 53. Foto: Sarah Weiser

Eine Analyse, warum die SPD-Botschaften nicht angekommen sind, möge 90 Minuten nach der ersten Hochrechnung bitte keiner von ihr erwarten, sagt sie unserer Zeitung. Da sind die ersten Tränen  gerade erst getrocknet. Jetzt kann die Schriftführerin der münsterischen SPD „ihrem normalen Leben wieder Zeit widmen“. Obwohl ihr der Wahlkampf mit „produktiven Gesprächen über Europa“ sehr viel Spaß gemacht und ihr eine „Superzeit“ beschert habe. Kleiner Trost ist für sie das Ergebnis der AfD. Das sei „das Ergebnis der Bemühungen aller demokratischen Parteien.“

Anna Blundell  – Die Grünen

Wenn die Grünen in ganz Deutschland so gewählt worden wären wie in Münster, dann hätte Anna Blundell einen Platz im Europa-Parlament sicher. Vor der Wahl hatten die dafür nötigen 36 Prozent noch utopisch geklungen, am Sonntag waren sie – zumindest in Münster – plötzlich Realität. Die Erleichterung sprudelt nach der Wahl regelrecht aus der lachenden Anna Blundell heraus.

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Anna Blundell von den Grünen (Listenplatz 35) Foto: Grüne

„Die Wahl hat alles übertroffen, was wir erwartet haben“, sagt sie. Dass die Zustimmung für die Grünen in Münster so gestiegen ist, begründet sie mit „Fridays-for-Future“. Das habe die Wähler zusätzlich aktiviert.  Die Angst, die sie bei Diskussionen mit Leugnern des Klimawandels bekommen habe, war – zumindest am Wahlabend – verschwunden. „Das Thema Klimawandel kommt doch an“, sagt sie. Das Wahlergebnis erlaube den Grünen, noch selbstbewusster aufzutreten: „Wir können in einem Maß verlangen, dass unsere Vorschläge umgesetzt werden, wie noch nie.“

Gregor Schäfer  – FDP

Gregor Schäfer hat sich zu keinem Zeitpunkt  der Illusion hingegeben, auf Listenplatz 32 irgendeine Chance zu haben, ins Europa-Parlament einzuziehen. „Mir ging es von Anfang an darum, der liberalen Politik ein Gesicht zu geben sowie den Populisten sowohl rechts als auch links die Stirn zu bieten. Und das ist mir gelungen“, gab sich der Lüdinghauser am Wahlabend selbstbewusst und zufrieden.

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Gregor Schäfer trat auf Listenplatz 32 für die FPD an. Foto: Anne Eckrodt

Der 46-Jährige zeigte sich überzeugt, dass sich die Verluste von CDU und SPD direkt in den Stimmengewinnen der Grünen widerspiegeln. Der sehr auf das eine Thema Klimaschutz zugespitzte Wahlkampf der Grünen habe offenbar gefruchtet, so Schäfer. Im Hinblick auf die eigene Partei hat er „eine deutlich positivere Stimmung“ ausgemacht als in den vergangenen Jahren. „Es wird wieder akzeptiert, sich für die FDP zu engagieren. Anfeindungen nach dem Motto ,wir sind die Partei der Besserverdienenden‘ sind passé“, schilderte Schäfer seine Erfahrungen. 

Martin Schiller – AfD

Der Afd-Ratsherr aus Münster, Martin Schiller, versucht es mit Galgenhumor. „Unter fünf Prozent? Das sind wir ja gewohnt“, sagt er, als er von dem Abschneiden seiner Partei in Münster erfährt. Er habe gehofft, dass die AfD in Münster die rote Laterne als Stadt mit dem schlechtesten AfD-Wahlergebnis hätte abgeben können, „aber das hat nicht geklappt“, sagt er am Wahlabend. Er begründet das in seinen Augen schlechte Abschneiden seiner Partei vor allem mit der die Debatte um das Klima.

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Martin Schiller (AfD) schafft es mit Platz 16 nicht ins Parlament. Foto: Matthias Ahlke

Das sei ein „religiöses Thema“, in dem kritische Stimmen nicht zugelassen würden, behauptet er. Die Ideologen hätten gewonnen. Für das Abschneiden der Rechten gebe es viele weitere kleine Stellschrauben wie die Strache-Affäre in Österreich oder die Spendenaffäre. Schiller wäre ins Europa-Parlament eingezogen, wenn die AfD 15,8 Prozent der Stimmen errungen hätte. „Dass wir so daneben liegen, ist wirklich schade“, meint Schiller.

Helmut Geuking – Familien-Partei

Helmut Geuking aus Billerbeck hat es geschafft. 0,8 Prozent, das dürfte reichen – damit zieht der 55-jährige Billerbecker als Spitzenkandidat der Familien-Partei in das Europaparlament ein. „Alles gut, ich bin zufrieden, ich habe den Sprung geschafft.“ Er ist damit der erste Europa-Abgeordnete aus dem Kreis Coesfeld überhaupt. Für großen Jubel fühlte er sich zu schlapp – seit Wochen tingelt er nahezu ununterbrochen durch Deutschland. Als nächstes stehen für ihn Fraktions-Verhandlungen an. Einzelkämpfer möchte er im Parlament nicht sein.

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Helmut Geuking vertritt in Zukunft die Familien-Partei. Foto: Geuking

Ein europäisches Kindergeld liegt ihm besonders am Herzen. „Extrem rechte und extrem linke Gruppierungen schließe ich  für mich aus.“ Die Familien-Partei errang bereits 2014 ein Mandat. Der damalige Abgeordnete Arne Gericke ist inzwischen aus der Partei ausgetreten. Geu­kings politische Heimat war die SPD, aus der er aber austrat. Er ist seit 2017 Bundesvorsitzender der Familien-Partei und in Billerbeck im Rat vertreten.

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