Gratis-Taxi und Hilfs-Fonds
Taxi-Unternehmer erledigt kostenlos Fahrten für Hilfsbedürftige

Greven/Reckenfeld -

Den Taxi-Unternehmer Hasan Akdag trifft die Krise hart. Die meisten seiner Fahrzeuge stehen still. Doch statt Trübsal zu blasen, hat er eine Hilfsaktion initiiert. Zusammen mit Familie und Mitarbeitern bietet er kostenlose Fahrten für jene an, die im Moment auf Unterstützung angewiesen sind. Auf Wunsch werden Einkäufe erledigt.

Dienstag, 31.03.2020, 07:52 Uhr aktualisiert: 31.03.2020, 19:07 Uhr
Hasan Akdag (Mitte) und seine Familie wollen jenen helfen, die es in diesen Zeiten besonders nötig haben
Hasan Akdag (Mitte) und seine Familie wollen jenen helfen, die es in diesen Zeiten besonders nötig haben Foto: Oliver Hengst

Die meisten Autos hat Taxi-Unternehmer Hasan Akdag abgemeldet. Von 16 Fahrzeugen sind zwölf derzeit ohne Nummernschild geparkt. Und die Mitarbeiter? „Alle in Kurzarbeit. Was soll ich machen?“ Akdag und sein Team bieten vor allem Spezialfahrten an. Krankenfahrten, Schülertransporte, Flughafen-Fahrten. „Die Schulen sind zu, der FMO ist zu.“ Von jetzt auf gleich ist sein Geschäft fast vollständig eingebrochen.

Nun könnte er zuhause sitzen und Trübsal blasen. Stattdessen hat er sich eine Hilfsaktion überlegt. „Man sollte Menschen helfen, denen es noch schlechter geht“, sagt der Unternehmer. Er bietet daher an, für Menschen Fahrten zu erledigen, ohne ihnen die Fahrtkosten in Rechnung zu stellen. Ob Lebensmittel- und Medikamentenkäufe, Arztbesuche oder Fahrten zum Friedhof – Akdag, seine Familie und sein Team stehen bereit. Im Falle von Einkäufen, die erledigt werden sollen, müssten allein diese bezahlt werden, die Fahrtkosten nicht.

Solidarität mit jenen, die es wirklich nötig haben

Die Aktion richtet sich an Menschen aus Greven, Reckenfeld und Gimbte, die ihr Zuhause aus gesundheitlichen Gründen nicht oder nur selten verlassen wollen. „Einige Mitarbeiter haben zugesagt, dass sie da ohne Bezahlung mitmachen“, freut sich der Reckenfelder, der seit 2006 im Taxi-Gewerbe unterwegs ist. „Wir können nicht nur zuhause sitzen und Däumchen drehen.“

Akdag bietet Bedürftigen nicht nur kostenlose Fahrten an, sondern stellt auch 1000 Euro für jene Menschen bereit, die sich schwer tun, die Einkäufe zu finanzieren. „Es gibt genug Rentner, die am Existenzminimum leben“, weiß der Unternehmer. Jeder, der dieses Angebot nutzen möchte, kann einmalig 20 Euro für einen Einkauf in Anspruch nehmen (und sollte dies beim Anruf gleich mit angeben).

Ob jemand tatsächlich bedürftig ist, lässt sich natürlich nicht nachprüfen. Akdag vertraut darauf, dass Menschen das nicht ausnutzen. Er setzt auf Ehrlichkeit – und Solidarität mit jenen, die es wirklich nötig haben.

Nachahmer gesucht

Und er hofft sehr, dass er mit seiner 1000-Euro-Spende nicht allein bleibt, dass die Aktion Nachahmer findet, dass sich weitere Grevener Unternehmen oder Privatleute einbringen und den Hilfsfond aufstocken.

Dass der 48-Jährige zu helfen bereit ist – für ihn eine Selbstverständlichkeit. Der gebürtige Türke lebt seit 42 Jahren in Greven und sieht es „als Verpflichtung, Greven zu helfen, soweit ich es kann. Das ist natürlich nichts weltbewegendes – aber immerhin etwas“, schrieb er in seinem Aufruf bei Facebook.

„Wir denken (Familie und Mitarbeiter), dass man vielleicht in dieser schwierigen Situation nicht nur ans Geld denken sollte. Wir sollten alle hilfsbereiter und sozialer werden, damit möchten wir von Taxi Akdag auch unseren Beitrag leisten.“ Und das in einer für ihn schwierigen, wirtschaftlichen Situation. „Ein Dankeschön ist auch etwas wert, ein Lächeln tut auch gut“, sagt der Unternehmer.

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