Grüne stellen FMO-Gesellschafter-Modell in Frage
Wie gut kommt der Flughafen durch die Krise?

Greven -

Steht der FMO vor dem finanziellen Kollaps? Der grüne Bürgermeisterkandidat Dr. Michael Kösters-Kraft geht davon aus - und empfiehlt eine Debatte über den Ausstieg.

Montag, 27.04.2020, 09:39 Uhr aktualisiert: 27.04.2020, 10:00 Uhr
Grüne stellen FMO-Gesellschafter-Modell in Frage: Wie gut kommt der Flughafen durch die Krise?
Aktuell findet praktisch kein Flugverkehr statt, der FMO ist von der Pandemie stark betroffen. Foto: Peter Beckmann

Die Geschäfte am FMO liefen Anfang des Jahres prächtig. 25 Prozent Wachstum im Vergleich zum Vorjahr. Dann machte das Corona-Virus der Geschäftsleitung einen Strich durch die Rechnung. In einem Schreiben an die Stadt Greven (Gesellschafter des Flughafens) macht FMO-Chef Prof. Dr. Rainer Schwarz deutlich, dass man innerhalb von zwei Tagen den Betrieb auf das absolute Minimum heruntergefahren habe. Mitarbeiter in Kurzarbeit, Flugverkehr findet kaum statt. Im April und Mai, erwartet der FMO, wird sich daran kaum etwas ändern.  

Genügend Liquidität

Im Haupt-/Finanz- und Wirtschaftsausschuss (HFWA) interessierte die Grevener Lokalpolitiker vor allem, ob dadurch der FMO im seinem Bestand gefährdet sei. Dazu Schwarz: Dank der eingeleiteten Aktivitäten habe der FMO genügend Liquidität, um die nächsten Monate zu bestreiten. Ende Juni wolle man den Gesellschaftern einen neuen Business-Plan vorlegen. Daraus müsse man dann gegebenenfalls neue Maßnahmen ableiten.

Also: Der FMO ist laut Schwarz aktuell zahlungs- und handlungsfähig. Grevens Kämmerer Matthias Bücker zitierte aber auch Pressemeldungen, nach denen das Geschäftsergebnis des FMO durch die Corona-Pandemie pro Monat um eine Millionen Euro belastet werde. Zwischenzeitlich, so Bücker weiter, habe das Land NRW den Rettungsschirm auch für Betriebsmittelkredite der Flughäfen im Land geöffnet.

„Der FMO kann nur weiter existieren, wenn er neue Kredite von den Gesellschaftern einfordert“, erwartet Dr. Michael Kösters-Kraft (Grüne). „Diese Krise verschärft die wirtschaftliche und finanzielle Situation des FMO.“ Man müsse daher „grundsätzlich überlegen, ob Gesellschafter wie Kommunen oder andere öffentliche Körperschaften ein solches Unternehmen auf dieser Basis weiterbetreiben. Es nützt nichts, wenn jetzt dem FMO gutes Geld hinterhergeworfen wird und wir als Kommune später den ganzen Schlamassel auszubaden haben.“ Es gebe drei Regionalflughäfen in Westfalen, und alle drei produzierten – schon ohne Corona – hohe Verluste. „Da müssen wir uns wirklich ernsthaft mit auseinandersetzten, ob das so weiter zu bewirtschaften ist.“

FMO als systmrelevant eingestuft

Jürgen Diesfeld (CDU) erinnerte an den mehrheitlichen Beschluss der Anteilseigner, die den FMO als systemrelevant einstuften. Solange die nötigen Mittel für Investitionen zur Verfügung stünden, bestehe „keine Gefahr für Leib und Leben“, fasste Diesfeld das Schwarz-Schreiben zusammen. Jetzt würden „Löcher gestopft mit den Mitteln, die wir zur Verfügung gestellt haben. Wie es um den Grundsatz steht, das muss an anderer Stelle entscheiden werden.“

Ernst Reiling (Reckenfeld direkt) sorgt sich vor allem um die FMO-Beschäftigten. Experten gingen davon aus, dass Dortmund und Greven nicht überlebensfähig seien. Die Sorge um die Arbeitsplätze sei so akut, dass dringend transparente Infos zur Lage nötig seien.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7385780?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F3814583%2F
Nachrichten-Ticker