Corona-Beschränkungen
Dauerkartenbesitzer erhalten keinen Eintritt ins Freibad

Havixbeck -

Elena Reineke versteht die Welt nicht mehr. Die dreifache Mutter und Ehefrau hat bereits im zweiten Jahr für ihre Familie eine Jahreskarte für das Hallen- und Freibad für 152 Euro gekauft und kann diese jetzt nicht für das Freibad nutzen. Eine Unverschämtheit findet sie. Sie ist sehr verärgert und „bedankt“ sich beim Gemeinderat und bei der Verwaltung für diese schallende Ohrfeige.

Freitag, 12.06.2020, 17:24 Uhr aktualisiert: 12.06.2020, 17:47 Uhr
Der Badespaß ist für Kinder zurzeit eine willkommene Abwechslung, da die Corona-Krise nicht so viel zulässt. Inhaber von Jahreskarten erhalten aber in Havixbeck keinen Zutritt zum Freibad.
Der Badespaß ist für Kinder zurzeit eine willkommene Abwechslung, da die Corona-Krise nicht so viel zulässt. Inhaber von Jahreskarten erhalten aber in Havixbeck keinen Zutritt zum Freibad. Foto: Lasse Thoms

Am ersten Öffnungstag des Freibads am 4. Juni war das Wetter nicht so sommerlich, aber die Mutter geht gerne zum Schwimmen und wollte dies gleich mal umsetzen. „Ich habe mich richtig gefreut, dass es los geht, weil der Mai schon verstrichen war“, erzählt sie im WN-Gespräch. Ohne ihre kleinen Kinder wollte die Mutter testen, wie die Abläufe unter Corona-Bedingungen so sind.

Sie meldete sich wie gefordert online an und fuhr mit dem ausgedruckten Blatt zum Freibad. Am Eingang wurde sie sehr wortkarg abgewiesen mit dem Hinweis, dass Jahreskarten keine Gültigkeit hätten. „Ich hatte aber auch kein Geld dabei und sah auch nur drei Fahrräder vor dem Eingang stehen. Die 400 Badegäste waren doch gar nicht in Sicht an diesem Tag“, sagt Elena Reineke , die sehr enttäuscht den Rückweg zum Wohnhaus im Baugebiet Habichtsbach antrat.

Seit zwei Jahren wohnt die Familie in ihrem Neubau am Habichtsbach II. Die Kinder sind jetzt im Alter von ein bis sechs Jahren. Von der Gemeinde Senden sind sie nach Havixbeck gezogen. „Wir hörten immer von der familienfreundlichen Gemeinde Havixbeck. Als wir uns umschauten, konnten wir uns es gut vorstellen, hier zu leben, was ja auch nach wie vor der Fall ist.“ Die Familie findet sowohl das kleine Hallen- wie auch das Freibad mitten im Ort für die Familie ideal. Und nun die Pleite mit dem Zugang zum Freibad.

Vor den Kopf gestoßen

Im Februar diesen Jahres kaufte sich die Familie wieder eine Jahreskarte für stolze 152 Euro. Dann schloss Ende März das Hallenbad wegen der Corona-Pandemie. Da hätten sie die Karte schon drei Monate nicht nutzen können. „Dann öffnet das Freibad wieder so spät, nämlich erst Anfang Juni. Warum nicht zum 1. Mai?“, fragt sich die Wahl-Havixbeckerin.

Weil die Corona-Krise etliches nicht möglich mache, sei das Freibad im Sommer für Familien eine willkommene Abwechslung. Beim Freibad beträfen es doch im Wesentlichen zwei Personengruppen: Zum einen die Besucher, die täglich für 30 Minuten zu einer Zeit, in der das Bad in der Regel kaum besucht ist, ihre Bahnen schwimmen möchten. Zum anderen die – insbesondere kinderreichen – Familien, die die Anschaffung einer Jahreskarte als Möglichkeit einer preisgünstigen Unternehmung für die ganze Familie wahrnehmen. Diese Stammgäste konnten aufgrund der frühzeitigen Schließung des Hallenbades bereits ein Viertel des Jahres die Jahreskarte nicht nutzen.

Genau diesen beiden Gruppen, die sowieso schon besonders durch die Pandemie stark belastet sind, wird mit dieser Entscheidung des Havixbecker Rates vor den Kopf gestoßen.

Ohrfeige für Stammkunden

„Einzelne Freibäder anderer Gemeinden akzeptieren sogar in dieser Saison nur Saison- und Jahreskarten, da diese vollkommen kontaktlos bestellt und zugeschickt werden können und somit die Gefahr eines erhöhten Virenaustausches an der Freibadkasse fast gänzlich minimiert wird“, ärgert sich Elena Reineke über die Art und Weise wie in Havixbeck mit den Bürgern umgegangen wird.

Sie fasst zusammen, wie der Stand der Dinge zurzeit aussieht: Was wird somit – neben einer schallenden Ohrfeige für die Stammkunden der Havixbecker Bäder – zusammenfassend durch diese Regelung erreicht? Ein erhöhter Austausch von Viren bei der Barzahlung für ein Einzelticket – statt eines kontaktlosen Vorzeigens einer Karte.

Bürgermeister drückt Bedauern aus

Die Ballung der Besucherzahlen auf Zeiten, in denen es sich lohnt, den hohen Einzelpreis zu zahlen – also wenn das Wetter gut ist. Das Ausdehnen der Besuchsdauer im Schwimmbad, damit man auch etwas von seiner Einzelkarten-Investition hat, sodass letztendlich bei den geringen erlaubten Besucherzahlen deutlich weniger Bürger in den Genuss des kühlenden Nasses kommen.

Derweil hat Bürgermeister Klaus Gromöller per E-Mail sein Bedauern ausgedrückt. Durch Corona laufe vieles anders und durch die Maßnahmen sei dies nicht anders zu machen. „Die Entscheidung, in diesem Jahr keine Saison- und Jahreskarten sowie Ferientickets zu verkaufen, ist uns nicht leicht gefallen“, schreibt der Bürgermeister der Familie.

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