Corona-Ausbruch bei Tönnies
NRW verhängt regionalen Lockdown

Düsseldorf (dpa) - Über 1550 Arbeiter des Fleischverarbeiters Tönnies haben sich mit dem Coronavirus infiziert. Die NRW-Regierung zieht die Notbremse. Regierungschef Armin Laschet verkündet einen regionalen Lockdown und massive Tests in der Bevölkerung. Auch der Kreis Warendorf ist betroffen.

Dienstag, 23.06.2020, 11:15 Uhr aktualisiert: 23.06.2020, 13:07 Uhr
Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen.
Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. Foto: David Inderlied

Nach dem Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies schränken die NRW-Behörden das öffentliche Leben im Kreis Gütersloh massiv ein. Erstmals in Deutschland werde ein gesamter Kreis wegen des Corona-Infektionsgeschehens wieder auf die Schutzmaßnahmen zurückgeführt, die noch vor einigen Wochen gegolten hätten, sagte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet ( CDU ) am Dienstag in Düsseldorf. Im Kreis Gütersloh handele es sich um das bisher „größte Infektionsgeschehen“ in NRW und in Deutschland.

Lockdown im Kreis Gütersloh und Teilen des Kreis Warendorfs

Grund für den Schritt ist der Corona-Massenausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies. Beim Schlachtbetrieb des Marktführers im westfälischen Rheda-Wiedenbrück hatten sich mehr 1550 Beschäftigte nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Der Lockdown gelte zunächst für eine Woche.

Eingeführt werden damit wieder strenge Kontaktbeschränkungen. Man darf sich in der Öffentlichkeit nur noch zu zweit oder mit den Personen des eigenen Haushalts treffen. Zudem verbieten die Behörden unter anderem wieder Sport in geschlossenen Räumen und zahlreiche Kulturveranstaltungen. Fitnessstudios werden im Kreisgebiet ebenso geschlossen wie Kinos und Bars. 

Diese Maßnahmen gelten ebenso für die direkt an den Kreis Gütersloh grenzenden Orte im Kreis Warendorf - Oelde, Beckum und Wadersloh -, in denen viele infizierte Tönnies-Mitarbeiter wohnen. Für die Einwohner des Lockdown-Gebiets gelte aber kein Ausreiseverbot, stellte Laschet klar. Sobald sie das betroffene Gebiet verlassen, würden für sie die gleichen Freiheiten gelten wie für alle anderen. Das verhängte Kontaktverbot und die Lockdown-Maßnahmen „gelten immer bezogen auf den Kreis“, so Laschet, appellierte aber an die Menschen, „jetzt nicht aus dem Kreis heraus in andere Kreise zu fahren“.

Reihentests in der Bevölkerung

Bis zum 30. Juni werde man dann mehr Klarheit haben, inwieweit sich das Virus womöglich auch bei Menschen, die nicht bei Tönnies arbeiten, ausgebreitet habe, sagte Laschet. Bisher gebe es hier nur 24 nachgewiesene Infektionen. Die Behörden werden die Tests in der Bevölkerung zudem massiv ausweiten, betonte der Regierungschef.

Laschet: mangelnde Kooperationsbereitschaft bei Tönnies

Innerhalb des Unternehmens Tönnies gebe es Unterschiede, das Zentrum des Corona-Ausbruchs liegt nach Aussagen von Laschet in der Fleischzerteilung. In dieser Abteilung gebe es die meisten Infizierten.

Dem Branchenriesen warf Laschet mangelnde Kooperationsbereitschaft vor. Daher hätten die Behörden die Herausgabe von Daten der Werkarbeiter von Tönnies durchgesetzt. „Da wurde nicht mehr kooperiert, da wurde verfügt“, sagte der Ministerpräsident. Die Kooperationsbereitschaft bei Tönnies „hätte größer sein können“. Dass das Unternehmen den Datenschutz angeführt habe, sei kein Argument. Aus Infektionsschutzgründen wäre Tönnies gesetzlich verpflichtet gewesen, die Daten der Beschäftigten zu übermitteln, sagte Laschet.

Polizei soll Quarantäne kontrollieren

Rund 7000 Mitarbeiter stehen mitsamt ihren Familien seit einigen Tagen unter Quarantäne. Die Einhaltung der Quarantäne-Maßnahmen gestaltet sich aber schwierig. Die nordrhein-westfälische Landesregierung habe drei Einsatzhundertschaften der Polizei in den Kreis Gütersloh geschickt, sagte Laschet. Die Polizisten sollten die Quarantäne der Mitarbeiter von Tönnies kontrollieren. Die Polizei werde die mobilen Testteams begleiten. Zur Not müssten die Behörden auch mit Zwang die Anordnungen durchsetzen. Es werde auch zusätzliche humanitäre Maßnahmen zur Unterstützung der Betroffenen geben.

Schulen und Kitas im Landkreis Gütersloh mit rund 370.000 Einwohnern waren bereits geschlossen worden. Für die größte deutsche Fleischfabrik war zudem ein vorübergehender Produktionsstopp verhängt worden.

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