Grüne lehnen Stroetmann-Pläne ab
Gegen „Giga-Kühlhaus auf Acker“

Bösensell -

Das Stroetmann-Projekt, an der A 43 ein großes Tiefkühl-Logistikzentrum zu errichten, stößt auf Ablehnung bei der Fraktion der Grünen im Sendener Rat. Die anderen Parteien haben aber in einer ersten Entscheidung für die Ansiedlungspläne gestimmt.

Mittwoch, 16.12.2020, 17:40 Uhr aktualisiert: 17.12.2020, 11:02 Uhr
Die Animation zeigt das Tiefkühl-Logistikzentrum, das die Firma Stroetmann in Bösensell plant.
Die Animation zeigt das Tiefkühl-Logistikzentrum, das die Firma Stroetmann in Bösensell plant. Foto: Animation: L. Stroetmann

Die erste politische Entscheidung fiel im Wirtschaftsförderungsausschuss am 8. Dezember – hinter verschlossenen Türen und in Anwesenheit der Stroetmann Food GmbH & Co. KG, vertreten durch Max Stroetmann und Edgar Rietmann , wie es im Protokoll der Sitzung heißt. Während Gemeinde und Investor die Weichenstellung für das Vorhaben, an der Auffahrt der A 43 ein Tiefkühl-Logistikzentrum zu errichten (WN berichteten), kommunizierten, blieb das politische Meinungsbild bislang außen vor. Für das gilt, dass die Fraktion der Grünen das Projekt kritisch betrachtet, wie ihre Pressemitteilung zeigt.

Pochen auf Klimaschutzresolution

Die Grünen unterstreichen darin ihr „Nein zum Giga-Kühlhaus auf dem Acker!“ Sie seien „entsetzt über die Pläne von Stroetmann, wertvolles Ackerland in ein riesiges Logistikzentrum in Bösensell umzuwandeln“, schreiben die Grünen, die sich fragen, ob die von allen Fraktionen getragene Klimaresolution für Senden am Ende „doch nur ein Lippenbekenntnis war“. Klimaschutz heiße auch Bodenschutz, Reduzierung und Vermeidung von Flächenversiegelung (Aufheizung) sowie Senkung des Energieverbrauchs. Dieses Projekt führe aber genau zum Gegenteil: Inanspruchnahme von insgesamt 16 Hektar landwirtschaftlicher Fläche, bis zu 80 Prozent Versiegelung (üblicher und zulässiger Wert in Gewerbegebieten) sowie ein sehr hoher Energieverbrauch aufgrund des Kühllagers, machen die Grünen geltend, während das Unternehmen von einem Komplex spricht, der den modernsten technischen und ökologischen Erkenntnissen entspreche.

Der Gegenwert für die Gemeinde Senden reicht den Grünen nicht aus: Es werden 145 Arbeitsplätze von Münster nach Senden verlagert und voraussichtlich 20 neue Beschäftigungsverhältnisse geschaffen. Die Gemeinde erhält Gewerbesteuereinnahmen – deren Höhe sei vergleichbar mit den Steuereinnahmen für zwei bis drei Windrädern. Aus Sicht der Grünen ist neben den Klima- und Bodenschutzaspekten auch das Verhältnis von Arbeitsplätzen zur Fläche nicht passend – es betrage lediglich 20 „Jobs“ pro einem Hektar. Die Ansiedlungspolitik der vergangenen Jahre zeige, dass kleinere Betriebe in der Regel deutlich mehr Arbeitsplätze auf einer vergleichbaren Fläche bieten.

„Bündnis für Senden“ mit Sollbruchstellen

Erste und vereinzelte kritische Stimmen werden auch aus Bösensell laut, das sich bereits über Gebühr mit Gewerbe belastet fühlt, obwohl die neue Fläche an der Grenze zu Senden liegt.

Das Abstimmungsverhalten im Wirtschaftsförderungsausschuss zeigt zugleich, dass das gerade geschmiedete „Bündnis für Senden“, dem Grüne, SPD, UWG und FDP angehören, inhaltlich nicht immer an einem Strang zieht.

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