Protestaktion
Thesenanschlag: Maria 2.0 auf Luthers Spuren

Münsterland -

Mit einer bundesweiten Aktion hat die münsterische Bewegung Maria 2.0 am Sonntag für Aufsehen gesorgt: Die Aktiven hängten sieben Thesen an Kirchentüren. Auch im Münsterland beteiligten sich viele Frauen.

Sonntag, 21.02.2021, 16:40 Uhr aktualisiert: 21.02.2021, 16:44 Uhr
Angelehnt an Luther: Überall in Deutschland hängten Maria-2.0-Aktive am Wochenende – wie hier in Nottuln – ihre Thesen an Kirchentüren.
Angelehnt an Luther: Überall in Deutschland hängten Maria-2.0-Aktive am Wochenende – wie hier in Nottuln – ihre Thesen an Kirchentüren. Foto: Iris Bergmann

Was im Jahr 2019 in der münsterischen Heilig-Kreuz-Gemeinde seinen Anfang nahm, strahlte schnell bundesweit: Die katholische Reforminitiative Maria  2.0 fand immer mehr Anhänger, die grundlegende Veränderungen und mehr Beteiligung von Frauen in der Kirche anmahnen. Ein einwöchiger Kirchenstreik etwa sorgte seinerzeit für Aufsehen. Nun zeigte die Bewegung erneut, dass sie weiter aktiv bleibt – mit einer spektakulären Aktion, an der sich auch im Münsterland sehr viele Frauen beteiligten.

Maria 2.0 hat sich ein Beispiel an Martin Luther genommen und am Sonntag Thesen an Kirchentüren aufgehängt. Aktionen gab nicht nur im Münsterland wie in Gronau, Rheine, Lüdinghausen und Münster, sondern auch bundesweit, darunter in München, Würzburg, Augsburg, Köln, Mainz und Freiburg. „In unserer Kirche haben alle Menschen Zugang zu allen Ämtern“, lautet die erste These. Die feministische Bewegung setzt sich für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern in der Kirche ein. Die Aktiven kämpfen gegen sexuellen Missbrauch, Machtmissbrauch, den Pflichtzölibat und für eine offenere Sexualmoral.

Vorwurf der Spaltung 

Im Jahr 1517 hatte Martin Luther mit seinen 95 Thesen die Reformation und die Spaltung in die katholische und evangelische Kirche eingeläutet. „Das mit der Kirchenspaltung ist immer ein Gespenst, das aufgebaut wird, wenn Kritiker sich mit uns befassen“, sagte die Münsteranerin Lisa Kötter, die als Gründerin der Bewegung gilt, kurz vor der Aktion. „Es heißt ja auch immer, Luther abe die Kirche gespalten, aber das stimmt doch nicht. Gespalten werden die Dinge, die erstarrt sind. Elastische Dinge können Sie nicht spalten.“

Ähnlich formulierte es Mechtild Henke, die den Thesenanschlag in Nottuln initiiert hatte. „Uns wird immer der Vorwurf gemacht, wir wollen die Kirche spalten.“ Das sei aber ein Missverständnis: „Wir wissen, dass es in der katholischen Kirche viele Menschen gibt, die wertvolle Arbeit leisten“. Dennoch gelte es, die Möglichkeiten für Frauen, sich einzubringen, zu erweitern. „Es kann nicht sein, dass wir Frauen alles mit vorbereiten und organisieren und am Ende nicht hinter dem Altar stehen dürfen“, sagte Maria Holtrup, Sprecherin der Frauengemeinschaft Herz-Jesu in Rheine am Sonntag.

Beobachtung durch Vatikan "ein Ritterschlag"

Die Bewegung schlägt längst hohe Wellen. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hatte Anfang Februar berichtet, dass sich die vatikanische Kongregation für die Glaubenslehre mit „Maria 2.0“ befasse. Stein des Anstoßes soll ein Protest der Frauenrechtlerinnen gegen die Zurückhaltung eines Missbrauchsgutachtens durch den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki sein. Die Reformerinnen sehen sich nach den Berichten über eine Beobachtung durch den Vatikan in ihrer Arbeit bestätigt. „Das ist ein Ritterschlag“, sagte Mitgründerin Lisa Kötter. „Es zeigt doch, dass wir einen Nerv getroffen haben.“

„Protest ist sicherlich ein legitimes Mittel“, sagte der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, zur neuerlichen „Maria 2.0“-Initiative. „Aber wir können nicht von heute auf Morgen die Kirche ändern, sondern müssen das in einem guten und von Vertrauen geprägten Dialog tun.“ Dazu gehöre auch das Gespräch mit dem Vatikan. Die Kirche in Deutschland werde bei Fragen von weltkirchlicher Relevanz keinen Sonderweg ohne Rom gehen.

Die 7 Thesen

1. In unserer Kirche haben alle Menschen Zugang zu allen Ämtern.
2. In unserer Kirche haben alle teil am Sendungsauftrag; Macht wird geteilt.
3. In unserer Kirche werden Taten sexualisierter Gewalt umfassend aufgeklärt und Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen. Ursachen werden konsequent bekämpft.
4. Unsere Kirche zeigt eine wertschätzende Haltung und Anerkennung gegenüber selbstbestimmter achtsamer Sexualität und Partnerschaft.
5. In unserer Kirche ist die zölibatäre Lebensform keine Voraussetzung für die Ausübung eines Weiheamtes.
6. Unsere Kirche wirtschaftet nach christlichen Prinzipien. Sie ist Verwalterin des ihr anvertrauten Vermögens; es gehört ihr nicht.
7. Unser Auftrag ist die Botschaft Jesu Christi. Wir handeln danach und stellen uns dem gesellschaftlichen Diskurs.

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