Georg Drees erkrankte als Kind
Erinnerungen an Polio: Hochansteckend wie heute Corona

Warendorf -

Eine Viruserkrankung versetzte in den späten 1950er- und in den frühen 1960er- Jahren auch die Menschen in Warendorf in Angst. Vor allem Kinder traf die Krankheit Polio. Von Joke Brocker
Samstag, 06.03.2021, 09:30 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 06.03.2021, 09:30 Uhr
Mit seinem Hebel-Rolli ist Georg Drees seit mehr als 50 Jahren unterwegs. Das Gefährt wurde immer wieder umgebaut.
Mit seinem Hebel-Rolli ist Georg Drees seit mehr als 50 Jahren unterwegs. Das Gefährt wurde immer wieder umgebaut. Foto: Joke Brocker
Dieser ganze Corona-Zirkus geht mir wahnsinnig auf die Nerven“, ärgert sich Georg Drees über Kritik an Virologen, Politikern, Impfstoffen, über Impfverweigerer und Querdenker. „Ich wäre heilfroh, wenn ich, obwohl schon 68, den Astra-Zeneca-Imfpstoff bekommen könnte“, sagt der Warendorfer. Vom Vordrängeln halte er nichts, stellt er klar, aber es könne doch nicht sein, dass Menschen aufgrund ihrer Aversion gegenüber dem Hersteller Impfstoffe ablehnen und dem Termin fernbleiben: „Das ist selbstsüchtig und verantwortungslos. Würde mir einer dieser Termine angeboten, dann wäre ich da.“ Polio-Welle sorgte für Angst und Schrecken Anders vor 61 Jahren. In Warendorf und Umgebung sorgte wieder einmal eine Polio-Welle für Angst und Schrecken. Seit der großen, weltweiten Kinderlähmungs-Epidemie 1952 hatte es auch in Warendorf immer wieder größere Poliowellen gegeben. „1958 gab es ein Impfangebot auf freiwilliger Basis“, erinnert sich Drees. „Aber ich hatte eine Heidenangst vor der Spritze. Ich dachte, da wird ein Loch in deine Haut gemacht, das man nicht mehr zubekommt.“ Die Eltern gaben dem erbitterten Widerstand ihres siebenjährigen Sohnes nach. Eine Entscheidung mit dramatischen Folgen. „ Würde mir einer dieser Termine angeboten, dann wäre ich da. “ Georg Drees über die Corona-Impfungen Den Sommer 1959 hat Georg Drees als sehr heiß in Erinnerung. Freibad-Wetter. Gemeinsam mit seinen Eltern besuchte der Erstklässler im Juni das gerade eröffnete Warendorfer Freibad. Tags darauf klagte er über wahnsinnige Kopfschmerzen. Am nächsten Tag über heftige Bauchschmerzen. „Meine Eltern ließen mich in ihrem Bett schlafen“, erinnert er sich. Als er mitten in der Nacht zur Toilette wollte, versagte das linke Bein seinen Dienst. „Da schrillten bei meinen Eltern alle Alarmglocken. Für sie war klar, der Junge hat Kinderlähmung.“ Mit Krankenwagen in die Kinderklinik Mit einem Krankenwagen wurde Georg Drees in die Kinderklinik nach Münster gebracht. „Ich habe die Bude zusammengebrüllt“, erinnert er sich an die schmerzhafte Rückenmark-Punktion bei minimaler Betäubung. Die Untersuchung bestätigte die schlimmsten Befürchtungen. Poliomyelitis, Spinale Kinderlähmung. Eine Virusinfektion, die es wohl schon in der Antike gegeben hat. Die Infektionskrankheit befällt Motoneurone, die ausführenden Nervenzellen in der Wirbelsäule, die wie ein Umspannwerk arbeiten, indem sie die Muskulatur des Körpers mit den von den Nerven aufgenommenen Reizen versorgen und damit Grundlage aktiver Kontraktionen der Skelettmuskeln sind.
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7853216?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F3814583%2F
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/1/7853216?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F3814583%2F
Nachrichten-Ticker