NRW
Der Rekord-Blitzer

Donnerstag, 25.02.2010, 21:02 Uhr

Bielefeld - Wer immer noch an die sogenannte Bielefeldverschwörung glaubt, nach der Bielefeld nicht existiert, der könnte spätestens auf der A 2 eines Besseren belehrt werden. Dort steht seit dem 11. Dezember 2008 die fleißigste Blitzanlage Deutschlands . Pro Woche fotografierte die Anlage in ihren besten Zeiten 4000 Fahrer. Das sind im Schnitt 571 am Tag, 23 in der Stunde, alle drei Minuten eine Aufnahme. Jüngst haben sich die Zahlen halbiert - womöglich wegen des Wetters. Trotzdem: Aus den 283 917 Fotos wurden rund 100 000 Bußgeldbescheid. Die anderen sind technisch nicht okay, von Ausländern, die deutsche Ordnungsbehörden nicht verfolgen können, oder aus anderen Gründen nicht zu gebrauchen. Keine andere Anlage in Deutschland fotografiert öfter - und spült der Stadt Bielefeld jede Menge Geld in die Kasse.

Bevor die Radarfallen installiert wurden, war die Stadt noch von drei Mitarbeitern ausgegangen, die den Papierkram erledigen mussten. „Da waren wir wohl ein bisschen blauäugig“, sagt Dietmar Schlüter , Sprecher der Stadt, ein gutes Jahr später. Stattdessen sind jetzt 27 Juristen in einem extra angemieteten Bürogebäude mit nichts anderem beschäftigt, als die Bescheide zu verschicken, sich mit Anwälten zu streiten und auf die Einhaltung von Fristen zu achten.

Wer einmal in die Falle tappt, kommt so billig nicht wieder heraus. Dabei lösen die Kameras laut ADAC bis Tempo 120 überhaupt nicht aus. Alle, die schneller erwischt werden, kommen im günstigsten Fall mit 70 Euro davon. Der Spitzenreiter, ein Fahrer, der mit 202 statt der erlaubten 100 Kilometer in der Stunde erwischt wurde, war mit 600 Euro, vier Punkten und drei Monaten Fahrverbot dabei. Im Schnitt rechnet die Stadt Bielefeld mit 100 Euro pro Bescheid. Das bedeutet rund 10 Millionen Euro Einnahmen. Zieht Schlüter die Personalkosten, Büroräume und Sachkosten ab, dann bleiben unterm Strich sieben Millionen Euro an Einnahmen - in einem Jahr.

Für alle die, die jetzt „Abzocke“ schreien, rasselt Andreas Krummrey, der Leiter der Verkehrsdirektion der Polizei Bielefeld, lauter Argumente für die Blitzanlage herunter: „Auf den drei Spuren der A 2 Richtung Hannover sind täglich 50 000 Fahrzeuge unterwegs, davon ein Drittel Schwerlastverkehr. Diese Verkehrsdichte gestattet keine Fehler.“ Hinzu komme, dass die Straße dort abfällt, eine Kurve beschreibt und verschwenkt ist - also tendenziell wie bei einer Bahn fürs Sechstagerennen gebogen ist. Hinzu kommt, dass hinter dem Abschnitt das Bielefelder Kreuz mit der Abfahrt Bielefeld folgt. „Das ist eine klassische Gefahrenstelle“, sagt Krummrey.

Selbst der ADAC hält die Blitzanlage an der „neuralgischen Stelle“ für wichtig. „Die 100er Regel ist nicht zu beanstanden“, sagt Sprecher Ralf Collatz. Auf beiden Seiten würde drei Mal auf das Tempolimit hingewiesen - plus Hinweis auf die Kontrolle: „Wer das nicht sieht, dem ist nicht zu helfen“, sagte er. Bei solchen Fahrern geht auch der ADAC-Sprecher davon aus, dass sie „nicht mit der nötigen Aufmerksamkeit unterwegs gewesen sind“. Darum sein Urteil: „Wir können hier keine Abzocke sehen“.

Die Stadt stockt mit den Einnahmen Gelder aus dem Konjunkturpaket II auf. Sehr zur Freude zum Beispiel von Kindern und Feuerwehrleuten, für die Schulen, Kindergärten und Feuerwachen saniert werden.

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