NRW
Dunkle Machenschaften um Leuchtturm

Mittwoch, 09.02.2011, 19:02 Uhr

Düsseldorf - Ein Leuchtturm sollte es werden. Als „Gedächtnis Nordrhein-Westfalens“ wollte die alte Landesregierung dem Landesarchiv einen repräsentativen Neubau im Duisburger Innenhafen gönnen. Kalkulierte Kosten: 30 Millionen Euro. Aus den Plänen für den Leuchtturm wurden in der Staatskanzlei offenbar Wünsche nach einem Denkmal. Denn die auf 141 Millionen Euro hochgeschnellten Baukosten gehen nicht nur auf den explodierten Kaufpreis zurück, den der landeseigene Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) für das Grundstück bezahlte.

Ein zweiter Architektenwettbewerb - mit Beteiligung des britischen Star-Architekten Sir Norman Foster - sollte einen Vorzeigebau hervorbringen. Der Finanzplan war da längst Makulatur. Der SPD-Landtagsabgeordnete Markus Töns, der die Vorgänge im Unterausschuss Landesbetriebe verfolgt, sieht hier ein „komplettes Politikversagen der alten Landesregierung. Dies habe „solche Machenschaften begünstigt“. Die Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem gegen den früheren BLB-Geschäftsführer Ferdinand Tiggemann , weil die vertraulichen Pläne für den Duisburger Hafen anderen Investoren verraten worden sein sollen.

Am Ende schnappte der Essener Projektentwickler Köbl Kruse dem Land das Areal weg, kurz vor dem geplanten Kauf. Und das, obwohl sich Land und Stadt Duisburg ein Vorkaufsrecht gesichert hatten. Ein Insider sagte unserer Zeitung, dass dieses Vorkaufsrecht nie gezogen wurde.

Die Wuppertaler Staatsanwälte ermitteln auch gegen Ferdinand Tiggemann. Dabei geht es um den Kauf eines Behördenhauses durch den BLB. Einer der beiden Fälle in Köln beschäftigte schon im Jahr 2009 den Landtag, als zwei Adenauer-Enkel die für die Fachhochschule Köln anvisierten Grundstücke kauften und den Wert binnen acht Wochen um zehn Millionen Euro steigerten. Der BLB zahlte 33,4 Millionen Euro.

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