Samuel Koch spricht auf Kindergottesdiensttag – und gibt Empfehlung, Buch nicht zu lesen
Seinen Halt findet er im Glauben

Unna -

So richtig erklären kann sich Samuel Koch den Hype um ihn nicht. „Ich verstehe das auch nicht“, erklärte der 24-Jährige mit entwaffnender Offenheit im Gespräch mit Medienvertretern auf dem Kindergottesdiensttag am Sonntagn in Unna. Als prominenten Gast hatte die Evangelische Landeskirche von Westfalen Samuel Koch eingeladen, der sich am Abend des 4. Dezember 2010 in der Show „Wetten, dass . . ?“ in Düsseldorf beim Versuch, über ein fahrendes Auto zu springen, schwer verletzte und seitdem vom ersten Halswirbel an abwärts gelähmt ist.

Montag, 04.06.2012, 07:06 Uhr

Samuel Koch spricht auf Kindergottesdiensttag – und gibt Empfehlung, Buch nicht zu lesen : Seinen Halt findet er im Glauben
Samuel Koch empfiehlt Freunden und Bekannten, sein Buch „Zwei Leben“ nicht zu lesen. Foto: dpa

Des Promifaktors war sich Pfarrerin Kerstin Othmar-Haake, die die Geschäftsstelle des Westfälischen Verbandes für Kindergottesdienst beim Institut für Aus-, Fort- und Weiterbildung der Landeskirche in Schwerte leitet, als sie die Einladung aussprach, wohl bewusst. Aber noch wichtiger sei ihr gewesen, in Erfahrung zu bringen, dass Samuel Koch früher selbst Kindergottesdienste in seiner Landeskirche vorbereitet und durchgeführt hat.

Im Gespräch mit der Präses der Landeskirche, Annette Kurschus , und Elke Rudloff, die Fernsehzuschauer als Sprecherin des „Wort zum Sonntag“ kennen, sagte er, dass es ihm früher wichtig war, dass die Kinder Spaß haben. Glaube müsse Freude machen, betonte Samuel Koch unter dem Beifall der 1000 Ehrenamtlichen, die aus allen Teilen Westfalens nach Unna gekommen waren, um sich hier über die Kindergottesdienstarbeit auszutauschen. Der eigene Glaube ist ihm nicht abhandengekommen, auch wenn er derzeit in Hannover, wo er das Studium an der Hochschule für Musik, Theater und Medien wieder aufgenommen hat, noch auf der Suche nach der richtigen Gemeinde für sich ist.

Derzeit hospitiert er bei einer freikirchlichen Gemeinde. Im Umgang mit den Kommilitonen ist der Unfall kein Thema. „Ich will mit meinen Freunden und Bekannten eine normale und persönliche Beziehung führen“, beschrieb er seinen Alltag. Deshalb empfehle er, zwar sein kürzlich erschienenes Buch „Zwei Leben“ zu kaufen, aber nicht zu lesen. Dass das Leben dennoch im Vergleich mit anderen nicht normal ist, wurde deutlich, als der 24-Jährige sagte, dass er versucht, jeden Tag neben den zwei Stunden Physiotherapie zwei Stunden selbst Übungen zu machen.

In der Rehaklinik in der Schweiz habe er oft im Buch Hiob gelesen, räumte der sympathische Blondschopf ein, der sich anstrengen musste, um laut zu sprechen. Und dann sagte er einen Satz, der zeigte, wie sehr er Trost in seinem Glauben an Gott findet: „Ich bewundere alle Mitpatienten, die keinen Halt im Glauben hatten. Denn es ist mir ein Rätsel, wie ich es dort sonst verkraftet hätte.“

Neben Samuel Koch, dem die größte Aufmerksamkeit des Publikums galt, gab es noch klare Wort der Präses zum Abendmahl mit Kindern. Ihrer Aufforderung, sie als solche ernst zu nehmen, ließ sie ihr Credo folgen, Kinder beim Abendmahl nicht auszuschließen. „Wir können sie nicht zurückweisen und mit einem Stück Brot abspeisen, wenn Eltern mit ihnen zur Abendmahlsfeier kommen“, wies Annette Kurschus die Richtung, wohlwissend, dass eine Änderung der Kirchenordnung gut vorbereitet sein muss.

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