Bocholt insgesamt vorne
Münster bleibt Deutschlands fahrradfreundlichste Großstadt

Münster -

Die Top-Note leidet: Die Zufriedenheit der Radfahrer in Münster nimmt ab, weil ihre Ansprüche gewachsen sind. Damit begründete gestern Thomas Semmelmann, Landesvorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), den für Münster ablesbaren Trend. Für die Topnote 2,61 reicht es dennoch.

Freitag, 01.02.2013, 14:02 Uhr

Rund 14.000 aktive Radfahrer ließ der Club in NRW für sein neues Ranking befragen, fast 80.000 bundesweit. Wie der Landesvorsitzende Thomas Semmelmann am Freitag in Düsseldorf berichtete, siegten Kommunen aus dem Münsterland in mehreren Kategorien.

Unter den Großstädten mit über 200 000 Einwohnern bleibt Münster Deutschlands Fahrrad-Metropole Nummer 1. Wie schon 2005 darf sich Münster als „fahrradfreundlichste Stadt Deutschlands“ bezeichnen. Mit der Gesamtnote 2,6 schnitt die Universitätsstadt allerdings schlechter ab als in der letzten Erhebung 2005. Die schlechteste Bewertung - mangelhaft - erhielt Münster sogar in der Kategorie Häufigkeit von Fahrraddiebstahl.

Die Nachricht über die Auszeichnung hat umgehend auch in Münster Freude ausgelöst: "Wir freuen uns sehr, dass Münster wieder den ersten Platz im Fahrrad-Klimatest belegt hat", sagt Oberbürgermeister Markus Lewe . "Dieser Preis ist für uns Ansporn, weiterhin aktiv für ein besonders positives Klima fürs Radfahren zu sorgen."

Dieses Klima sei allerdings in Gefahr, wenn in Münster nicht schnell ein Umdenken einsetzt, meint der münsterische ADFC-Chef Peter Wolters. Mittlerweile sind fast 40 Prozent der Verkehrsteilnehmer Radfahrer – „doch die Infrastruktur stammt zu einem großen Teil aus den 1960er und 1970er Jahren“, betont er. Er schlägt unter anderem Radschnellwege ins Umland und eine autofreie Altstadt vor – anderenfalls sei der Titel als fahrradfreundlichste Stadt in ein paar Jahren in Gefahr.

Bestnoten im Münsterland

Aufhorchen lässt die gute Platzierung vieler münsterländischer Kleinstädte, die das landesweite Ranking klar dominieren und auch bundesweit sehr gut unter den ersten 30 vertreten sind. Bocholt, Rees und Rhede führen beide Listen mit einem klaren Gut an. Dülmen, Warendorf, Lüdinghausen und Hamminkeln erhalten ebenfalls noch ein positives Befriedigend.

Nordrhein-Westfalen hat allerdings nicht nur die Spitzenplätze besetzt, sondern hält auch „die rote Laterne“: Mit der Gesamtnote 4,5 liegt Wuppertal auf dem letzten Platz des bundesweiten Großstadt-Rankings. Zwischen diesem Gefälle müsse das Fahrradklima in NRW als „heiter bis wolkig“ beschrieben werden, meinte Semmelmann. Die landesweite Durchschnittsnote „ausreichend“ - sowohl in der Gesamtbewertung als auch in den wichtigen Einzelkategorien Sicherheit und Komfort - sei ernüchternd.

Gefahr an Kreuzungen

Eine oft sogar tödliche Gefahrenquelle seien Rechtsabbieger an Kreuzungen, wo Radfahrer häufig von Autofahrern übersehen würden, warnte Semmelmann. Der ADFC plädiere daher für deutliche Radweg-Markierungen auf den Straßen statt für Radwege auf dem Bürgersteig. „Autofahrer konzentrieren sich auf die Straßen.“

Der Verband kritisierte die Etatkürzungen in Land und Kommunen. So plane die rot-grüne Landesregierung in ihrem Haushaltsentwurf für das laufende Jahr massive Einschnitte von 12 auf 8 Millionen Euro beim Radwegebau an Landstraßen. Auch in den Kommunen werde spürbar am Radwegenetz gespart. Der ADFC sei aber optimistisch, dass der Radschnellweg Ruhr realisiert werde. Der Verband rechnet bis zum Herbst mit den Ergebnissen einer Machbarkeitsstudie.

Kritisch äußerte sich Semmelmann über die geplante Erhöhung der Bußgelder für radelnde Verkehrssünder. In der Debatte würden Radfahrer völlig überzogen als „Rüpel- oder Rambo-Fahrer“ diffamiert.

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