An der RWTH Aachen gingen Klausuren verloren, die Noten wurden frei vergeben
Uni-Affäre setzt Laschet zu

Düsseldorf -

Unstimmigkeiten bei der Vergabe von Klausurnoten an der RWTH Aachen setzen den Partei- und Fraktionschef der NRW-CDU unter Druck: Armin Laschet hat als Konsequenz aus den Vorwürfen inzwischen seine Lehrtätigkeit an der Exzellenz-Uni aufgegeben und Fehler eingeräumt.

Dienstag, 02.06.2015, 06:06 Uhr

Armin Laschet, Parteichef der NRW-CDU, beendet seine Lehrtätigkeit in Aachen nach einem Notenwirrwarr.
Armin Laschet, Parteichef der NRW-CDU, beendet seine Lehrtätigkeit in Aachen nach einem Notenwirrwarr. Foto: dpa

Es geht um eine Klausur , die Masterstudenten des Europastudiengangs im Anschluss an ein von Laschet angebotenes Berlin-Seminar geschrieben hatten. Die von ihm korrigierten Arbeiten sollen auf dem Postweg zur Uni verloren gegangen sein.

Das Problem: Die Berlinfahrt war ja nicht als Vergnügungsexkursion geplant – der Kurs zählt wie jedes andere Seminar, die Noten, die der Politiker verteilt, fließen in den Masterabschluss ein. Laschet hat daraufhin auf Grundlage „von Notizen“ aus dem Seminar und der Klausur Noten vergeben. Das ungewöhnliche Verfahren des CDU-Mannes ist der inzwischen abgelösten Geschäftsführerin des Studiengangs, Johanna Holst , nach eigener Darstellung erst aufgefallen, als Noten fehlten und Studenten eine Bewertung erhielten, die an der Prüfung gar nicht teilgenommen hatten. Das geht aus internen E-Mails hervor, die unserer Zeitung vorliegen.

Dass der CDU-Mann sehr freihändig benotet hat, habe Holst, so stellt sie es dar, nicht gewusst: Sie mailt entsetzt an die Studierenden: „Wenn von Anfang an klar gewesen wäre, dass die Notenliste, die ich zugeschickt bekommen habe, eine Rekonstruktion ist, wäre alles auf eine sofortige Annullierung der Prüfung hinausgelaufen.“ Dagegen spricht Laschet, der den Lehrauftrag seit 1999 ausübt, von einem mit der Uni „abgestimmten Vorgehen“. Warum aber klingt dann die Hochschul-Mitarbeiterin so überrascht?

Die Dekanin der Philosophischen Fakultät, Christine Roll, räumt auf Nachfrage ein: Laschet habe „noch vor der Rücksprache mit dem Prüfungsausschuss aufgrund seiner Notizen eine nachträgliche Bewertung“ vorgenommen, „um zu verhindern, dass die Studierenden erneut eine Klausur ablegen mussten“.

Roll spricht zugleich von Fehlern auf Seiten der Uni: Es habe Pro­bleme bei der Koordination des Studiengangs gegeben, etwa fehlende Teilnehmerlisten, für die ein Lehrbeauftragter wie Laschet nicht verantwortlich sei. Man habe inzwischen „eine neue Geschäftsführung aufgebaut“, so die Professorin.

Unter den Aachener Studenten kursieren da schon ganz andere Interpretationen: Nicht die Post habe die korrigierten Klausuren verloren, wie vom CDU-Mann behauptet, sondern Laschet selbst – womöglich schon vor der Korrektur. Die Noten seien „wahrscheinlich gewürfelt“ worden. Man fühle sich hintergangen, sagt jemand, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Belegen lassen sich diese Vorwürfe nicht.

Inzwischen hat auch Laschet Versäumnisse erkannt: Bei der „Dokumentation und Überstellung der Studienleistung“ an die Universität wäre „eine größere Sorgfalt möglich und angemessen gewesen“, schreibt er, „auch und gerade meinerseits als verantwortlicher Lehrbeauftragter“. Er verstehe die Verärgerung einzelner Studierender. Seine Lehrtätigkeit in Aachen werde er nun beenden, so Laschet. Diesen Schritt halte er „angesichts dieses misslichen Vorgangs“ für erforderlich.

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