Hintertür im Jagdgesetz
Jäger dürfen wildernde Katzen in Ausnahmefällen doch erlegen

Düsseldorf -

Es war eine der viel diskutierten Änderungen im neuen NRW-Jagdrecht: Sollen Jäger in Nordrhein-Westfalen wildernde Katzen, die für Vögel und andere Kleintiere zur Gefahr werden können, erlegen dürfen oder nicht? NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) setzte sich am Ende des Streits durch; seit dem Frühjahr gilt hierzulande im Jagdgesetz ein Katzentötungsverbot.

Mittwoch, 05.08.2015, 06:08 Uhr

Remmels Antwort auf eine kleine FDP-Anfrage, die am Montag veröffentlicht wurde, fällt daher für manchen überraschend aus: Darin macht der Minister selbst auf eine gesetzliche Hintertür aufmerksam. In Ausnahmefällen sei es weiterhin möglich, Katzen zu schießen, schreibt Remmel .

Verantwortlich seien die Kreise und kreisfreien Städte: „Zur dauerhaften Sicherung der biologischen Vielfalt“ – etwa für den Fall, dass streunende Katzen brütende Vögel gefährdeten – könnten die Kommunen die Katzenjagd doch noch erlauben. Ähnliches gilt laut Remmel „für die Abwehr einer akuten Tollwutgefahr“. In diesem Fall gelte nicht das Abschussverbot im Landesjagdgesetz, sondern das Naturschutzrecht des Bundes. Mit einer entscheidenden Konsequenz: Zum Schutz anderer Tierarten wäre das Anlegen auf wildernde Katzen also doch noch zulässig.

Die FDP erkennt in Remmels Antwort eine neue Tonlage: Der Minister habe aus rein populistischen Gründen die Katzenjagd als Verstoß gegen den Tierschutz dargestellt, sagte der FDP-Abgeordnete Henning Höne . Jetzt, nachdem das Gesetz verabschiedet sei, müsse Remmel wegen der Gefahr für den Artenschutz einen Rückzieher machen, so Höne. Der Liberale sieht den Minister überführt: Remmel gehe es gar nicht um Fachfragen, sondern darum, die grüne Klientel zu bedienen.

Das Düsseldorfer Umweltministerium weist den Vorwurf zurück: Man habe immer wieder darauf hingewiesen, dass Ausnahmeregeln nach dem Bundesrecht auch in Zukunft möglich seien. Dass ein Kreis in NRW bald eine Abschusserlaubnis erteilen könnte, hält das Ministerium aber für „unwahrscheinlich“. Katzen seien nicht für die Bedrohung von Arten verantwortlich, sagte ein Sprecher.

Wer aber sollte überhaupt schießen, falls tatsächlich ein streunendes Tier unschädlich gemacht werden muss? Die nordrhein-westfälischen Jäger, die sich gegen das strikte Abschussverbot gewehrt hatten, wollen unter keinen Umständen auf eine Katze anlegen – auch nicht mit einer Ausnahmegenehmigung: „Soll Herr Remmel die Katzen doch selber schießen“, heißt es aus der Ecke des Landesjagdverbands. Man habe schließlich immer gesagt, dass streunende Hauskatzen kleine Raubtiere seien und deshalb der heimischen Vogelwelt gefährlich werden könnten.

Offiziell führt der Landesjagdverband vor allem Versicherungsfragen an: Nach der Gesetzesänderung sei eben kein Jäger mehr versichert, wenn er eine Katze töten müsse. Im Jagdjahr 2013/2014 wurden in NRW noch rund 7600 wildernde Katzen erlegt.

Auch bei vielen Kreisen in NRW, die den Abschuss laut Remmel genehmigen müssten, ist man etwas ratlos: Damit haben wir uns noch nicht beschäftigt, heißt es aus den Naturschutzbehörden dort.

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