Schlag gegen IS in Warendorf
Tadschike soll an Hinrichtungen beteiligt gewesen sein

Warendorf/Karlsruhe -

Der Polizei ist in Warendorf offenbar ein Schlag gegen die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) gelungen. Beamte der Anti-Terror-Einheit GSG 9 haben vor dem Kreishaus einen 30 Jahre alten Tadschiken festgenommen, der 2015 als Kämpfer der Terrormiliz in Syrien aktiv gewesen sein soll. Die Gerüchteküche brodelt. Angeblich soll  Mukhamadsaid S. auch an Hinrichtungen beteiligt gewesen sein. Offiziell sagt jedoch niemand etwas dazu.

Donnerstag, 23.06.2016, 11:06 Uhr

Schlag gegen IS in Warendorf : Tadschike soll an Hinrichtungen beteiligt gewesen sein
(Symbolbild) Foto: dpa

Die Aktion wird nicht länger als ein paar Minuten gedauert haben. Polizisten der Anti-Terror-Einheit GSG 9 haben gemeinsam mit Beamten des Bundeskriminalamtes bereits am Dienstag in Warendorf ein mutmaßliches Mitglied der Terrororganisation Islamischer Staat festgenommen. Der Mann war auf dem Weg ins Kreishaus, als der Zugriff erfolgte.

Der Einsatz sei „geräuschlos und sehr schnell“ gegangen, sagte Kreissprecher Thomas Fromme am Tag danach. Weil zu diesem Zeitpunkt auf dem Platz vor dem Verwaltungsgebäude nur wenig los war, hätte kaum jemand etwas von der Aktion mitbekommen.

Haben uns zu keinem Zeitpunkt bedroht gefühlt

In einer wie in solchen Fällen immer eher dürren Presseerklärung spricht der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe lediglich von einer Festnahme in NRW, und gibt auch im Nachgang am Telefon keine weiteren Auskünfte. Die Aktion habe sich gegen den 30 Jahre alten Tadschiken Mukhamadsaid S. gerichtet, heißt es in der Mitteilung. Grundlage dafür sei ein Haftbefehl des Bundesgerichtshofs vom 10. Juni 2016 gewesen.

Wie die Bundesanwaltschaft weiter erklärt, soll Mukhamadsaid S. von April bis September 2015 dem IS angehört und für die islamistische Terrororganisation in Syrien gekämpft haben. Zudem soll er laut Bundesanwaltschaft in Videobotschaften aufgetreten sein. „Darin hat er vornehmlich tadschikische Landsleute aufgefordert, in das ,Herrschaftsgebiet‘ des IS zu reisen und für die Islamisten zu kämpfen“, so die Bundesanwaltschaft.

Das NRW-Innenministerium schweigt und verweist auf die Bundesanwaltschaft, die ihrerseits auch nichts sagt. Trotzdem sickern hier und da weitere Informationen durch. Beispielsweise die, dass der 30-Jährige auch an Hinrichtungen beteiligt gewesen sein soll. Dass zudem ein Haftbefehl der tadschikischen Behörden vorgelegen habe. Und dass seine Frau nahezu zeitgleich mit dem Zugriff der Polizei ein Kind gebar, das zweite des Paares.

In dem Moment, in dem der Mann überrumpelt und festgenommen wurde, rückte die Polizei auch in Ennigerloh an. Dort lebte die Familie in einem Mehrfamilienhaus. Sie hatte in Deutschland Asyl beantragt. Die Frau war nicht zu Hause - aus nachvollziehbaren Gründen. Beide Kinder befinden sich in der Obhut des Kreisjugendamtes. „Ich bin froh, dass der Zugriff schnell und reibungslos erfolgte und damit ein mutmaßlicher Gefährder aus dem Verkehr gezogen werden konnte“, erklärte Landrat Dr. Olaf Gericke. Nach Informationen des Kreises reiste Mukhamadsaid S. im September 2015 zum zweiten Mal in Deutschland ein.

Der 30-Jährige wurde noch am Dienstag dem ­Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofes vorgeführt. Dieser ordnete Untersuchungshaft an.

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