Kriminalität
„Diese Täter lachen über unsere Justiz“

Frankfurt/Münster -

Die Polizei schlägt Alarm. Überführte Rauschgiftdealer und Diebe fürchten Polizei und Justiz nicht, sondern lachen den Beamten noch ins Gesicht. Die Täter kommen zumeist aus Nordafrika – und sie sind nicht nur in Großstädten aktiv.

Donnerstag, 06.10.2016, 17:10 Uhr

Razzien wie diese in Münster lassen Kriminelle häufig unbeeindruckt.
Razzien wie diese in Münster lassen Kriminelle häufig unbeeindruckt. Foto: Matthias Ahlke

Deut­liche Worte: Der Chef der deutschen Polizeigewerkschaft , Rainer Wendt , hat die Zustände an Kriminalitäts-Hotspots angeprangert. An zentralen Punkten wie Hauptbahn­höfen und Plätzen seien nach wie vor gut organisierte Tätergruppen aus Nord­afrika aktiv. Diese „Intensivtäter“ würden vor allem in größeren Städten wie Frankfurt, Düsseldorf und Köln unter den Augen der Polizei und der Bürger Drogen­handel betreiben und seien als „dreiste Taschendiebe“ unterwegs – und das seit etlichen Jahren.

Die Polizisten würden nach Wendts Aus­sagen zwar gern gegen diese Intensivtäter aus den so­genannten Maghreb-Staaten vorgehen. Aber: „Wenn keine Untersuchungshaft angeordnet wird, keine Haft­strafen verhängt werden und keinerlei Abschiebungen erfolgen, kann die Polizei so viele Festnahmen durch­führen, wie sie will – die ­Täter bleiben unbehelligt. Sie verachten unser Land und lachen über unsere Justiz.“

So große Probleme wie am Frankfurter Hauptbahnhof, wo Dealer-Banden ganze ­Bereiche beherrschen, gibt es im Münsterland nicht. In der Stadt Münster hat sich zwischen Hauptbahnhof und Innenstadt eine Kriminellen-Szene etabliert , bei der die Mehrzahl der Täter (zumeist Dealer und Taschendiebe) aus Nordafrika stammen. Der Zugriff und eine Überstellung an die Justiz gestalten sich aber schwierig, weil sich viele Täter nach Feststellung der Personalien in andere Regionen oder Länder absetzen. „Es ist nur ein Verschieben der Probleme zwischen den Städten“, sagt ein Szene-Beobachter.

Kommentar

"Es sind unhaltbare  Zustände, die un­serem Rechtsstaat Hohn sprechen und das Sicherheitsgefühl der Menschen nachhaltig ­verletzen", findet unser Redaktionsmitglied Frank Polke. Sein Kommentar: hier .

...

In den Münsterland-Kreisen haben die Behörden die Gefahr offenbar früh erkannt. In Ahlen hatte die Kreispolizei Warendorf Anfang des Jahres eine Razzia gegen Hunderte „unbegleitete männliche Flüchtlinge“ aus Nordafrika durch­geführt . Seitdem gebe es ­keine nennenswerten Pro­bleme. Im Kreis Steinfurt stand bis vor wenigen Jahren vor allem Rheine im Fokus. „Dort hat unser Konzept gegriffen, es herrscht Ruhe“, sagt Reiner Schöttler von der Kreispolizei Steinfurt.

Über die Sicherheit in Problemvierteln von Städten wie Dortmund oder Duisburg wurde am Donnerstag auch im Landtag gestritten . Während die Regierung aus Sicht von CDU und FDP „Angsträume“ entstehen lassen hat, weil zu wenig Polizei vor Ort ist, ­bestreitet Innenminister Jäger, dass es dort rechtsfreie Räume gibt. 

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4354878?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F22265%2F4843544%2F4843547%2F
Siebenjähriger Junge ertrunken
Reanimation blieb erfolglos: Siebenjähriger Junge ertrunken
Nachrichten-Ticker