Landtags-Fraktionen zum "Turbo-Abi"
Gezerre am Runden Tisch

Düsseldorf -

Es war ein mühsam errungen Kompromiss: Das umstrittene Turbo-Abitur nach acht Gymnasialjahren (G8) solle reformiert werden, beschloss im Mai 2014 der von Schulministerin Sylvia Löhrmann einberufene Runde Tisch. Zweieinhalb Jahre später ist von diesem Konsens nicht mehr viel übrig. 

Dienstag, 25.10.2016, 20:10 Uhr

Das Turbo-Abi war von Anfang an umstritten: Oberstufenschüler demonstrierten 2013 vor dem Düsseldorfer Landtag. Gestern diskutierte ein Runder Tisch bei Schulministerin Sylvia Löhrmann (kleines Bild) über das Thema.
Das Turbo-Abi war von Anfang an umstritten: Oberstufenschüler demonstrierten 2013 vor dem Düsseldorfer Landtag. Gestern diskutierte ein Runder Tisch bei Schulministerin Sylvia Löhrmann (kleines Bild) über das Thema. Foto: dpa

Nachdem die Landeselternschaft der Gymnasien die Rückkehr zum G9-Modell verlangte, weil die Eltern ihre Kinder unter zu hohem Zeit- und Leistungsdruck sehen, sind inzwischen alle Landtagsfraktion vom 2005 eingeführten Turbo-Abi abgerückt. Aber ein Konsens war beim Treffen der Vertreter von Schulen, Lehrern, Eltern, Schulträgern und Landtagsfraktionen am Dienstagabend nicht zu erwarten.

►  SPD : Mit ihrem Beschluss für ein „G8 Flexi“ haben die Sozialdemokraten das konkreteste Modell vorgeschlagen. Es sieht die Rückkehr zur sechsjährigen Sekundarstufe I bis Klasse 10 vor. Anschließend sollen Schüler ein zusätzliches Jahr einschieben können, wenn sie mehr Zeit bis zum Abi oder für ein Auslandsjahr brauchen. Das Modell ist nicht verpflichtend, doch sollen möglichst viele Schulen G8 und G9 parallel anbieten.

►  Grüne: Weniger von Strukturen als durch den individuellen Bedarf solle die Zeit bis zum Abitur bestimmt werden, schlägt Schulministerin Löhrmann als Grünen-Spitzenkandidatin für die Landtagswahl vor. So sollen Schüler die Möglichkeit erhalten, die Sekundarstufe I um ein Jahr auf sechs Jahre zu verlängern. Entscheiden können sie dies entweder am Ende der sechsten oder der neunten Klasse. Gymnasien könnten es auch bei achtjähriger Zeit bis zum Abitur belassen und täglich individuelle Lernzeiten mit persönlichen Schwerpunkten anbieten Viele Lehrer kritisieren das als unpraktikabel. Löhrmann verweist auf positives Echo bei Schulleitern.

►  CDU : Zwar haben die Christdemokraten ihre Teilnahme am neuen Runden Tisch mit Verweis auf ein fehlendes rot-grünes Konzept abgesagt. Allerdings hat die CDU sich als einzige Partei im Landtag noch nicht auf ein Modell festgelegt. Fraktionschef Armin Laschet hat einen eigenen Vorschlag für den Herbst angekündigt, der – ähnlich wie bei der FDP – auf eine Entscheidungen an den Schulen hinauslaufen könnte.

►  FDP: Als erste Fraktion haben die Freien Demokraten dem jetzigen G8 den Rücken gekehrt. Sie wollen die Schulkonferenzen mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit entscheiden lassen, ob eine Schule G8 oder G9 anbietet. Möglich soll auch ein Parallelbetrieb sein. Voraussetzung seien Voten der Lehrer und des Schulträgers.

► Die Piraten unterstützen die Forderung der Landeselternschaft an Gymnasien nach Rückkehr zu G9 ohne Pflichtunterricht am Nachmittag schon ab dem kommenden Schuljahr.

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