Lücken im Lotto-Netz nehmen zu
Experte: Land muss erreichbare Annahmestellen sicherstellen

Münster/Düsseldorf -

Die Zahl der Annahmestellen sinkt kontinuierlich, etwa 3500 sind es noch. Das Glücksspiel ist noch nicht in der Krise. Tobias Buller, Geschäftsführer des Lotto- und Toto-Verbandes verweist darauf, dass in den vergangenen beiden Jahren jeweils 157 Annahmestellen geschlossen haben. Damit sich der Aufwand lohne, müssten 20 Cent mehr je Spielschein bei den Annahmestellen hängen bleiben. Eine Lösung ist nicht in Sicht: Auch die jüngsten Gespräche mit Westlotto blieben ergebnislos.

Freitag, 30.12.2016, 20:12 Uhr

Lottospieler sind auf ein ausreichendes Netz an Annahmestellen angewiesen. Doch gesetzliche Vorgaben erschweren das Geschäft.
Lottospieler sind auf ein ausreichendes Netz an Annahmestellen angewiesen. Doch gesetzliche Vorgaben erschweren das Geschäft. Foto: dpa

Gewinnen können immer nur die anderen. Seit 20 Jahren müssen die Betreiber der Lotto-Annahmestellen in NRW mit einem gleichbleibend Provisionsanteil je Spielschein auskommen: 6,55 Prozent des Spieleinsatzes. In diesen 20 Jahren seien aber Anforderungen und Kosten massiv gewachsen, beklagt Tobias Buller , Geschäftsführer des Lotto- und Toto-Verbandes. Die Betreiber der Annahmestellen müssen Minderjährige ebenso wie Spielsüchtige aus der Kundschaft herausfiltern, dazu kommen politische Beschlüsse wie der Mindestlohn oder Lizenzgebühren und immer wieder Vorgaben des landeseigenen Lotterie-Anbieters Westlotto in Münster.

Zahl der Annahmestellen sinkt

Eine Folge: Die Zahl der Annahmestellen sinkt kontinuierlich, etwa 3500 sind es noch. Das Glücksspiel ist noch nicht in der Krise . Aber Buller verweist darauf, dass in den vergangenen beiden Jahren jeweils 157 Annahmestellen geschlossen haben. Dem standen 2014 noch 124 Neueröffnungen gegenüber, ein Jahr später nur noch 95. Der Einstieg sei vielen zu teuer. Damit sich der Aufwand lohne, müssten 20 Cent mehr je Spielschein bei den Annahmestellen hängen bleiben. Eine Lösung ist nicht in Sicht: Auch die jüngsten Gespräche mit Westlotto blieben ergebnislos.

Im Finanzausschuss des Landtags haben Fachleute auf Antrag der FDP über das Problem beraten. „Wir wollen erreichen, dass es noch in dieser Legislaturperiode zu einer Anpassung kommt“, betont Fraktionsvize Ralf Witzel . Immerhin habe die Politik zum steigenden Kostendruck in den Annahmestellen beigetragen. „Wichtig ist ein Signal des Landtags, damit die landeseigene Westlotto Verhandlungsbereitschaft zeigt“, sagt Witzel. „Es wäre indes fatal, wenn die Politik dieses Signal nicht gäbe.“

Glücksspielmarkt

20 Cent mehr je Spielschein – ein kalkulierbares Risiko? In St. Augustin berechnet und bewertet Luca Rebeggiani für das Fraunhofer Institut für Angewandte Informationstechnik komplexe Steuermodelle – und Szenarien für die Regulierung des Glücksspielmarktes. „Eine moderate Erhöhung der Endpreise von Lottoprodukten hätte keine sehr starken negativen Folgen für die Nachfrage“, prognostiziert er eine „moderate Preiselastizität“. Das Lotto-Vertriebsnetz sei ein Trumpf, das Produkt attraktiv.

Obergrenze von 3901 Annahmestellen – eine Untergrenze fehlt

Genau dieses Netz könnte der neuralgische Punkt sein, wenn die Dichte der Annahmestellen weiter abnimmt. Aus juristischer Sicht verbindet Professor Thomas Dünchheim von der Anwaltssozietät Hogan Lovells International dies mit der Grundsatzfrage, ob das Land für eine Mindestversorgung mit Annahmestellen sorgen muss. Immerhin reglementiert das Land auch das Glücksspiel per Staatsvertrag und kanalisiert es über seine Unternehmen Westlotto und Westspiel (Casinos). Dünchheim meint: „Es gibt schon eine ordnungspolitische Aufgabe, dafür zu sorgen, dass Filialen in der Fläche existieren.“ Gesetzlich festgelegt sei nur eine Obergrenze von 3901 Annahmestellen – eine Untergrenze fehlt. Lücken auf dem Land könne die Landesregierung nicht einfach hinnehmen.

Das Land muss aus Witzels Sicht auch die Begünstigten im Blick behalten. Denn mit den Glücksspieleinnahmen werden zahlreiche soziale und kulturelle Einrichtungen finanziert. „Es ist ein vitales öffentliches Interesse, dass es beim Lotto zu keinen Einbrüchen kommt“, mahnt Witzel eine Regelung an.

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