Kooperation der Teilregionen kommt nicht voran
Risse im Westfalenland

Münster - Ein Jahr ist es her, da probten die Westfalen den Aufstand. Die Landesregierung hatte für den Landesentwicklungsplan (LEP) die Me­tropolregionen Rhein/­ Ruhr erfunden und in ihrer Begeisterung fürs Gigantische den wirtschaftsstarken Rest schlichtweg vergessen. Das war zwar schnell repariert – Westfalen wurde als „mittelstandsgeprägte Wachs­tums­regi­on“ im LEP geadelt –, ersticken konnte die Staatskanzlei die Kritik an den Metropolenplänen damit jedoch nicht.

Freitag, 20.01.2017, 17:01 Uhr

Kooperation der Teilregionen kommt nicht voran : Risse im Westfalenland
  Foto: Lisa Stetzkamp (Grafik)

Die Proteste konzentrierten sich im März auf eine gemeinsame Sitzung der Regionalräte aus Münster , Arnsberg sowie Detmold und mündeten in ein Bekenntnis. Jenes, intensiver zu­sam­men­ar­bei­­ten und gemeinsam ini­ ­­ti­ativ werden zu wol­len. Das Wort von „Bestfalen“ machte an diesem Tag die Runde.

Fast ein Jahr ist das jetzt her. Und die Bilanz eher ernüchternd. Das sieht offenbar auch der münsterische Regierungspräsident Prof. Reinhard Klenke so. Er erwarte, dass „aus Westfalen etwas mehr kommt“, sagte er unlängst. Passiere nichts, „wäre das ausgesprochen blamabel“.

In der Tat. Die von den Westfalen attackierte Staatskanzlei hatte seinerzeit die Kritik aufgenommen – und das Thema geschickt zurückgespielt, indem der Leiter Franz-Josef Lersch-Mense die westfälischen Teilregionen aufforderte, gemeinsame Projekte aus der Taufe zu heben, die helfen könnten, die Bedeutung der drei ländlichen Landesteile zu unterstreichen. Dafür bekämen sie jede Un­ter­stützung der Landesregierung, erklärte er damals. Der Ball lag damit im Feld der Westfalen. Dort liegt er immer noch.

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Wachstumsregion? Die Pläne des Landes, Rheinland und Ruhrgebiet als Metropo­l­en zu definieren und dem westfälischen Rest den mickrigen Stempel einer Wachstumsregion aufzudrücken, sorgten 2015 für Unmut .

Hannelore Kraft appellierte in einem Interview mit den Westfälischen Nachrichten zu mehr Zusammenarbeit in den westfälisch-lippischen Regionen.

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Regionalräte wollten Motor der Bewegung sein

Die Regionalräte, die zunächst den Anschein zu erwecken versucht hatten, Motor der Bewegung zu sein, sind längst aus dem Spiel. Aus einer angekündigten wei­teren gemeinsamen Sitzung wurde nichts, das Kooperationsversprechen blieb heiße Luft. Am Start sind jetzt die drei Management-Agenturen Münsterland e.V., die Südwestfalen-Agentur und die Ostwestfalenlippe GmbH. Mit Verve oder loderndem Feuereifer wird dort aber auch nicht nach gemeinsamen Projekten gesucht. Westfalen auf dem Weg in die Selbstverzwergung?

Ein Aber aus Ostwestfalen

Aus Ostwestfalen gibt es zuerst ein Bekenntnis und dann ein Aber. „Ich glaube, dass wir gemeinsame Themen finden“, sagt Her­bert Weber, Geschäftsführer der OWL GmbH. „Aber wir müssen vor allem in unsere eigene Entwicklung investieren.“ Die „Wahrnehmung der Regionen stärken“, darauf möchte Hubertus Winterberg, Chef der Südwestfalen GmbH, das gemeinsame Tun konzentrieren. Heißt konkret: zusammen Lobby­ar­beit betreiben. Von „dieser Basis aus kann jede Teilregion ihren Weg gehen“. Viel ist das nicht.

Selbstbewusstes Südwestfalen 

Die Südwestfalen wollen am Ende als „stärkste Re­gion des industriellen Mittelstandes in Deutschland“ dastehen. Weder OWL noch das Münsterland werden da applaudieren. Hier wird das Grundproblem deutlich: Die drei Nachbarn wollen Partner sein – sie sind aber auch Konkurrenten.

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Foto: Joachim Busch

Kooperationswilliges Münsterland

Das Münsterland ist da – sagen wir – kooperationswilliger. Der Münsterland e.V. sei „zu einer Zusammenarbeit in sinnvollen Projekten mit OWL und Südwestfalen bereit“, sagt Vereinsvorstand Klaus Ehling . Auch wenn „sie nicht übers Knie gebrochen werden müssen“, sollten „wir unsere Ide­en jedoch konsequent weiterentwickeln“. Wirklich begeistert klingt das nicht.

Auch das Münsterland hat sich längst festgelegt. Die Region setzt stark auf das Thema Mobilität im ländlichen Raum. Hier winkt die Chance, NRW-Modellregion zu werden. Gemeinsam geht irgendwie anders.

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