Ausschreitungen beim Dortmund-Spiel
Statistik statt Skandal

Düsseldorf -

Für CDU und FDP ist es ein weiterer Teil einer Negativserie, die sie­ ­Innenminister Ralf Jäger vorwirft. Die Angriffe ge­walt­tätiger Dortmunder Ul­tras auf friedliche Leipziger Fans vor dem Bundesligaspiel am vorletzten Wochenende zeige, dass der Minister nicht für die Sicherheit der Fans vor den Stadien sorge.

Donnerstag, 16.02.2017, 20:02 Uhr

Die Plakate auf der Südtribüne und die Angriffe auf RB-Leipzig-Fans und Polizisten haben ein politisches Nachspiel.
Die Plakate auf der Südtribüne und die Angriffe auf RB-Leipzig-Fans und Polizisten haben ein politisches Nachspiel. Foto: dpa

„Wenn sie das nicht können, dann geben sie diesen Job endlich auf“, attackierte ihn der CDU-Innenpolitiker Daniel Sieveke. Jäger müsse die Kritik an seinem Konzept eines reduzierten Polizei­einsatzes ernst nehmen, forderte sein FDP-Kollege Marc Lürbke.

SPD und Grüne wiesen die Vorwürfe als Wahlkampf-Manöver zurück. „Ihre ­Skandalisierung hält der ­statistischen Überprüfung nicht Stand“, hielt die ­ Grünen-Sportpolitikerin Jose­fine Paul Zahlen der Polizei entgegen. In der Saison 2015/16 haben der Zentralen Informationsstelle Sport­einsätze (ZIS) zufolge 6,3 Millionen Zuschauer die 605 Spiele der ersten vier Ligen besucht. Bei Zwischenfällen wurden 277 Personen verletzt, 305 waren es in der Vorsaison. Die Zahl der ­Strafverfahren sank von 2721 auf 2317, die der ge­leisteten Dienststunden von 555 000 auf 503 000, betonte Paul.

Dass der Leipziger Teambus auf Wunsch des Vereins umgeleitet wurde, habe wohl die Gewaltexzesse der Randalierer gegen friedliche Leipzig-Fans erst ausgelöst, erklärte Jäger. Er forderte erneut von Vereinen und Fans ein entschiedenes Vorgehen gegen gewalttätige Ultras auch in den Stadien. Wenn die weiter von anderen Fans gedeckt würden, stehe die deutsche Fußballkultur mit Bratwurst, Bier und Stehplätzen auf der Kippe, warnte Jäger.

Spott musste er von CDU-Fraktionschef Armin Laschet einstecken, weil er sich an ein vorab verteiltes Rede­manuskript hielt, das auch Reaktionen auf noch nicht gehaltene Oppositionsreden enthielt. „Das Ministerium ist nicht mehr mit innerer Sicher­heit, sondern mit der Verteidigung des Ministers befasst“, schimpfte Laschet. ­Jäger zog sich den Schuh nicht an – die Reden der Opposition seien „so vorhersehbar, so austauschbar“ gewesen.

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