Landtagswahl NRW 2017
100 Prozent lassen Spitzenkandidatin Kraft um Fassung ringen

Düsseldorf -

Der Aufschrei aus mehr als 400 Kehlen geht in begeistertes Klatschen über. 422 von 422 Stimmen, 100 Prozent. Hannelore Kraft ist schier überwältigt, ringt um Fassung. Sie hat beim SPD-Landesparteitag um deutliche Unterstützung für ihre Spitzenkandidatur geworben, dass die so eindeutig ausfallen würde, hat auch die 55-jährige Ministerpräsidentin nicht erwartet.

Sonntag, 19.02.2017, 17:02 Uhr

100 Prozent Zustimmung rührten NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft einen kurzen Moment. Danach machte sie die Grundzüge ihrer Politik noch einmal deutlich – mit Schwerpunkt soziale Gerechtigkeit.
100 Prozent Zustimmung rührten NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft einen kurzen Moment. Danach machte sie die Grundzüge ihrer Politik noch einmal deutlich – mit Schwerpunkt soziale Gerechtigkeit. Foto: dpa

Die überall auf den Gängen spürbare Aufbruchstimmung unter den Genossen beseelt am Samstag auch die Delegierten in Düsseldorf – und bricht sich in einem Traumergebnis Bahn. Auch weil es Kraft zuvor gelingt, sich an die Spitze dieser Vorwärtsbewegung zu setzen. „Gemeinsam werden wir erfolgreich sein“, versprüht sie Zuversicht, „nicht nur hier, sondern auch in Berlin mit Martin Schulz .“ Seit der zum SPD-Kanzlerkandidaten ernannt wurde, seien rund 1900 Neumitglieder eingetreten, jubelt die Parteichefin. Viele von ihnen gehen am Rande des Treffens auf Tuchfühlung mit prominenten Genossen wie Franz Müntefering und Bauminister Michael Groschek.

Das SPD-Thema soziale Gerechtigkeit hat wieder Konjunktur. Kraft macht es zum Slogan: „Es ist eben nicht egal, wer regiert.“ Ihr oft belächeltes Konzept der sozialen Prävention „Kein Kind zurücklassen“ werde bis 2020 alle Kommunen erreichen. „Das sind nachhaltige Strukturveränderungen.“ Die verspricht die Parteichefin nun auch für die Kita-Landschaft: Die SPD werde die Finanzierung völlig neu aufstellen, 30 Wochenstunden Betreuungszeit sollen für Eltern beitragsfrei sein, für alle übrigen Zeiten sollen landesweit einheitliche Gebühren gelten. „Damit hat der unsägliche Wettbewerb der Kommunen ein Ende“, ruft Kraft in den begeisterten Applaus der Genossen hinein.

Nach Abschaffung der Studiengebühren – wieder tosender Beifall – will Kraft auch die Meisterausbildung kostenfrei stellen. Den nach dem Meister-Bafög fälligen Eigenanteil von 6500 Euro sollen die Anwärter nicht mehr aus eigener Tasche zahlen. Und Auszubildenden will die Spitzenkandidatin analog zum Semesterticket ein Azubi-Ticket für kostengünstigen Nahverkehr spendieren.

Auf die innere Sicherheit kommt sie erst nach 40 Minuten und nur kurz zu sprechen. NRW sei Vorreiter bei Prävention gegen Jugendkriminalität und Extremismus, sagte sie, ohne ihren Innenminister namentlich zu erwähnen. Und sie kündigt an, die SPD werde in Zukunft noch mehr neue Polizeibeamte einstellen, 2300 pro Jahr. Bisher geplant sind 2100. Was die Versprechen kosten, das sei noch nicht berechnet, heißt es aus Krafts Umfeld. Die Delegierten beschließen all dies fest in ihrem gut 100 Seiten starken Wahlprogramm.

Ihr Lächeln bekommt Kraft zwischenzeitlich fast 45 Minuten lang nicht aus dem Gesicht: Die Delegierten stehen Schlange für ein Foto mit der Ministerpräsidentin.

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