Abzocke mit Schrott-Häusern im Ruhrgebiet
Rumänen und Bulgaren kassieren zu Unrecht Sozialleistungen

Gelsenkirchen/Dortmund -

Or­ganisierter Sozialbetrug: Tausende Armutsflüchtlinge aus Bulgarien und Rumänien kassieren in NRW zu Unrecht Sozialhilfe oder Kindergeld. 

Freitag, 31.03.2017, 07:03 Uhr

In „Schrott-Immobilien“ wie diesem Haus in Gelsenkirchen sind Dutzende Migranten untergebracht.
In „Schrott-Immobilien“ wie diesem Haus in Gelsenkirchen sind Dutzende Migranten untergebracht. Foto: Wilfried Gerharz

Betroffen sind vor allem die Städte Gelsen­kirchen, Duisburg und Dortmund. Schlepperbanden – vorwiegend gesteuert von türkischen, libanesischen oder osteuropäischen Clans – nutzen dazu gezielt Lücken im deutschen Sozialsystem aus. Allein in den drei Ruhrgebietsstädten leben aktuell geschätzt 35.000 Frauen, Kinder und Männer aus Bulgarien und Rumänien .

Zunächst kaufen Hintermänner in Städten oder Stadtteilen, in denen Wohnraum besonders billig ist, so genannte Schrott-Immobilien auf. „Die hinterlegen bei Zwangsversteigerungen ein Zehntel des Kaufpreises“, sagt Martin Schulmann , Sprecher der Stadt Gelsenkirchen. Anschließend bringen Schlepper Tausende Kinder, Frauen und Männer aus Südosteuropa ins Ruhrgebiet und quartieren sie für eine gewisse Zeit in diese Häuser ein. „Es gibt dort gravierende hygienische Mängel und oft eine massive Überbelegung. Ein Mensch hat dort oft nicht mehr als fünf Quadratmeter zur Verfügung“, sagt Daniela Lesmeister , Ordnungsdezernentin der Stadt Duisburg. Hinter den Vermietern stehen oft Firmengeflechte, in denen Strohmänner oder Firmen ineinandergeschachtelt sind.

Diese Banden statten dann die Mieter – viele davon Sinti und Roma – mit Scheinarbeitsverträgen aus. Lohn erhalten sie nur in geringem Umfang. Oder gar keinen. Lesmeister: „Mit Hilfe von Dolmetschern werden dann Sozialleistungen zum Beispiel im Rahmen der Hartz-IV-Aufstockungen beantragt und gezahlt. Dazu kommen Anträge auf Kindergeld. Dieses Geld fließt zwar auf Konten der Antragsteller, aber das Geld wird den Betroffenen oft wieder abgenommen.“ Für die Hintermänner ein lukratives Geschäft. Nach Informationen unserer Zeitung verdienen die Hintermänner pro gekauftem Haus durchschnittlich 100.000 im Monat. Viele Hintermänner oder Strohmänner haben zehn dieser Immobilien.

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Die Städte kämpfen gegen den Sozialbetrug . In Gelsenkirchen setzt die Verwaltung seit geraumer Zeit auf intensive Großkontrollen. Die Düsseldorfer Staatskanzlei befürwortet die harte Gangart. Die Folge sind Verdrängungseffekte: Während die Zuwanderung aus Südosteuropa stagniert, melden umliegende Städte wie Hagen, Herten oder Velbert verstärkte Zuzüge. In Duisburg versucht die Stadt, viele dieser Schrott-Häuser zu schließen. Dann verlieren die ­Bandenclans das Interesse an den dort untergebrachten Mietern. Wo diese dann bleiben, ist oft unbekannt.

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