WLAN-Pilotprojekt
Bahn startet eigenes Content-Portal im Regionalexpress

Münster -

Die Deutsche Bahn testet seit März in einigen Zügen der Linie RE 42 zwischen Münster und Mönchengladbach ein kostenfreien WLAN-Zugang für Bahnreisende. Jetzt wird ein bordeigenes Content-Portal ausprobiert, das für ausgewählte Inhalte auch Video-Streaming ohne lästige Funklöcher ermöglichen soll.

Dienstag, 25.07.2017, 18:07 Uhr

WLAN-Pilotprojekt : Bahn startet eigenes Content-Portal im Regionalexpress
In Zügen der Linie RE 42 können Bahn-Kunden gratis ins WLAN. Pro Fahrt ist das Datenvolumen auf 50 MB begrenzt. Foto: Deutsche Bahn

Seit vier Monaten ist in einigen Zügen der Linie RE 42, die von Münster über Dülmen, Recklinghausen, Essen und Duisburg nach Mönchengladbach führt, ein kostenloses WLAN vorhanden . In einer ersten Auswertung des Piotprojekts vermeldet DB Regio NRW , dass rund 500 befragte Fahrgäste dem Angebot insgesamt gute Noten bescheinigten, obwohl die Datenrate mit 0,3 Mbit/s teilweise langsamer sei als im Mobilfunk-Netz - bei LTE sind beispielsweise bis zu 300 Mbit/s möglich.

So funktioniert das Bahn-WLAN

Die RE 42 wurde als Test-Linie gewählt, weil sie sowohl durch ländliche Gegenden als auch durch Ballungsgebiete führt: Entlang der Strecke schwankt die Netzabdeckung der Mobilfunkanbieter; mitunter gibt es je nach Provider auch Funklöcher. Der Zug-Router ist daher mit mehreren SIM-Karten versehen, die parallel die Netze von Telekom, Vodafone und Telefonica nutzen und bündeln. Auf dem Dach der Fahrzeuge wurden leistungsstarke Antennen installiert.

Die Anmeldung in das WLAN-System ist so einfach wie möglich gehalten: Sobald der Browser des Smartphones, Tablets oder Laptops erstmals im Zug-WLAN gestartet wird, öffnet sich die Startseite des Routers. Hier erscheinen zunächst die Nutzungsbedingungen, die mit einem Klick auf den Button „Hier online gehen“ akzeptiert werden können. Eine klassische Registrierung mit persönlichen Angaben ist nicht notwendig. Wird die Startseite nicht direkt angezeigt, kann sie über die Eingabe von „startwifi.de“ in die Adresszeile aufgerufen werden.

Das Datenvolumen ist auf 50 Megabyte pro Fahrt begrenzt.

...

Wunsch nach schnellerem Netz

Nach Bahn-Angaben bestätigten über 70 Prozent der Teilnehmer, dass das WLAN-System im Fahrzeug einen besseren Internetzugang biete als die eigene mobile Datenverbindung, da das Zug-WLAN ein deutlich konstanteres und zuverlässigeres Surfen ermögliche.

Trotzdem sei bei den befragten Kunden auch der Wunsch nach einer schnelleren Verbindung aufgekommen, berichtet die Bahn. „Wir haben die Datenrate mittlerweile fast verdoppelt“, berichtet Andree Bach, Vorsitzender der Regionalleitung von DB Regio NRW. „Wir drehen an verschiedenen Stellschrauben, um das Zug-WLAN optimal einzustellen. Das ist eine Herausforderung, weil zum Teil bis zu hundert Fahrgäste gleichzeitig auf engem Raum surfen – während der Zug mit rund 100 km/h durch Gegenden mit stark schwankendem Funknetz fährt.“

Michael Geuckler vom Nahverkehr Westfalen-Lippe ergänzt: „Wir sind gespannt, wie die erhöhte Datenrate von den Fahrgästen aufgenommen wird. Denn für viele Anwendungen reichte bereits die bisherige Datenrate, zum Beispiel für Musikstreaming. Zudem wollen wir schauen, ob wir nun an die Grenzen der technischen Leistungsfähigkeit stoßen oder ob das System weitestgehend stabil läuft.“

Vier Züge wurden für das Pilotprojekt umgerüstet.

Vier Züge wurden für das Pilotprojekt umgerüstet. Foto: Deutsche Bahn

Tagesschau ohne Funklöcher

In einer zweiten Testphase wurde das WLAN-System nun um ein bordeigenes Content-Portal erweitert, berichtet die Bahn. Auf der Plattform stehen hauptsächlich kurze Formate, zum Beispiel die Nachrichtensendung „Tagesschau in 100 Sekunden“, zur Verfügung. Schließlich betrage die durchschnittliche Fahrzeit in dem Regionalexpress nur 17 Minuten. Aber auch Serien, verschiedene Musikkanäle, kurze und längere Hörbücher und ein spezielles Angebot für Kinder mit Videos und Spielen gehören zum Programm. Das Besondere: Die Inhalte liegen lokal auf dem WLAN-System und sind somit unabhängig vom Mobilfunknetz permanent verfügbar.

Ergänzt werden soll das Content-Portal zukünftig zum Beispiel durch aktuelle Reise-Informationen zu Tarifen und Baustellen sowie Ausflug-Tipps. Welche Inhalte langfristig bereitgestellt werden, richte sich maßgeblich nach den Kundenwünschen: Eine nächste Nutzerbefragung soll bis Herbst zeigen, wie das Portal bei den Fahrgästen ankommt. Der Testbetrieb ist auf ein Jahr befristet.

Im Münsterland testet die  Westfalenbahn bereits einen kostenlosen WLAN-Zugang  in ihren Zügen. Ob ein Fahrzeug mit WLAN ausgestattet ist, erkennt der Fahrgast beim Einsteigen: An den Türen weisen Piktogramme auf das drahtlose Netzwerk hin. 

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5034625?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F22265%2F
Nachrichten-Ticker