Landgericht Münster
22 Messerstiche: Das Opfer verblutete

Münster/Ahaus -

(Aktualisiert) Vor dem Landgericht Münster hat am Montag der Prozess um den gewaltsamen Tod einer Flüchtlingshelferin aus Ahaus begonnen. Angeklagt ist ein 28-Jähriger aus Nigeria, der die 22 Jahre alte Frau im Februar 2017 erstochen haben soll. 

Montag, 14.08.2017, 17:08 Uhr

Eingang des Landgerichts Münster.
Wegen Mordes ist der Mann aus Nigeria am Landgericht angeklagt. Begleitet wurde er beim Prozessauftakt am Montag von einem Pflichtverteidiger. Foto: Klaus Möllers

Ein Anwohner dachte, er habe im Traum Schreie gehört. Ein anderer, dass draußen womöglich Jugendliche angetrunken und grölend durch die Straßen zögen. Beiden Zeugen in dem Ahauser Wohngebiet schien die Lautstärke dann immer mehr nach einer Auseinandersetzung zu klingen. Unabhängig voneinander riefen sie die Polizei an.

Es waren Hilferufe und Schmerzensschreie, die die  Anwohner in der Nacht auf den 11. Februar 2017 hörten – sie stammten von einer 22 Jahre alten Studentin aus Ahaus. Die Frau wurde mit 22 Messerstichen umgebracht. Am Landgericht ist deshalb ein 28 Jahre alter Mann aus Nigeria wegen Mordes angeklagt. Er lebte  seit September 2015 als Asylbewerber in Ahaus.

Bedrohliche Situation

Weil die ehrenamtliche Flüchtlingshelferin eine kurze Beziehung mit dem Mann beendete, soll der 28-Jährige sie getötet und dann versucht haben, ihren Körper in einen Rollkoffer zu zwängen, um Spuren zu beseitigen, erklärte die Staatsanwältin am Montag beim Prozessauftakt. Der Mann will bisher keine Aussage machen.

Ein Anwohner beobachtete kurz nach Mitternacht, so erklärte er als Zeuge, wie ein Mann auf dem Gehweg über einer Frau gekniet und versucht haben soll, sie in den Koffer zu drücken. Als er ihn angesprochen habe, was „da los“ sei, sei ihm in gebrochenem Deutsch erwidert worden: „Alles gut. Okay.“ Der Zeuge habe die Situation als bedrohlich eingeschätzt und aus seiner Wohnung heraus  den Notruf gewählt.

Schwere Verletzungen am Hals und im Gesicht

Als die Polizei eintraf, war der besagte Mann verschwunden. Der Koffer wurde später gefunden. Die Polizisten, die zuerst am Tatort eintrafen, schilderten am Montag, dass die Frau schwere Verletzungen am Hals und im Gesicht gehabt habe. Das Gesicht sei geradezu „deformiert“ gewesen, beschrieb ein Beamter. Auf dem Gehweg hätten die Polizisten „Schleifspuren von Blut“ gefunden. „Ich habe erst gedacht, sie sei massiv verprügelt worden“, sagte ein Beamter. Die Frau habe gekrümmt auf dem Gehweg gelegen, ihr Gesicht sei vor Verletzungen „nicht mehr erkennbar“ gewesen. Sie verblutete.

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Aufgrund der Täterbeschreibung seien auch Asylbewerberunterkünfte im Raum Ahaus durchsucht worden. Der 28-Jährige wurde vier Tage später in der Schweiz verhaftet. Sein Asylantrag war als „unbegründet“ abgelehnt worden und es bestand Ausreisepflicht.

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