Prozesse
Leiche im Wald: Richter verhängen sieben Jahre Haft

Münster -

(Aktualisiert) Eine Mutter von zwei Kindern verschwindet spurlos. Fünf Jahre später wird ihre Leiche gefunden. Jetzt ist der Ehemann verurteilt worden.

Mittwoch, 23.08.2017, 03:08 Uhr

Eingang des Landgerichts Münster.
Ein Mikrofon im Landgericht in Münster: Dort wurde am Mittwoch ein Urteil verkündet im Prozess gegen einen 44-jährigen Mann aus Dülmen, der 2010 seine Ehefrau umgebracht haben soll. Foto: dpa

Zwei Jahre nach dem Fund einer skelettierten Frauenleiche in einem Wald bei Hagen ist ein Familienvater aus Dülmen am Mittwoch zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Trotz aller Unschuldsbeteuerungen des 44-Jährigen waren die Richter am Schwurgericht Münster überzeugt, dass der Mann seine Frau im Juni 2010 bei einem Ehestreit umgebracht hat.

Die Leiche der zweifachen Mutter war im Sommer 2015 zufällig entdeckt worden. Bis heute ist unklar, wie die Frau zu Tode gekommen ist. Die Richter haben allerdings keinen Zweifel daran, dass die 32-Jährige Opfer einer Gewalttat wurde.

Wichtigstes Indiz ist die Auswertung eines Navigationsgeräts. Damit lässt sich laut Urteil nachweisen, dass der Angeklagte am Tag nach der Tat von der gemeinsamen Wohnung in Dülmen bis zum späteren Fundort der Leiche in Hagen gefahren ist. Die Richter gehen davon aus, dass der Verurteilte sie in seinen Kofferraum gepackt, in den Wald bei Hagen gebracht und dort verscharrt hat.

Der 44-jährige Lagerarbeiter hatte nach dem Verschwinden seiner Frau behauptet, dass die Mutter seiner Kinder Hals über Kopf zu einem Liebhaber in ihre russische Heimat abgereist sei. Sie habe den Mann über das Internet kennen gelernt.

Die Richter gingen davon aus, dass die Ehe des Paares kurz davor war, auseinanderzubrechen. Deshalb müsse es einen Streit gegeben haben, bei dem der Angeklagte seine Frau angegriffen und tödlich verletzt habe. Eine direkte Tötungsabsicht sei ihm allerdings nicht nachzuweisen, er wurde wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt.

Richterin Gabriele Böhner sagte bei der Urteilsbegründung: „Er hat seinen Kindern nicht nur die Mutter genommen, sondern sie auch noch in dem Glauben aufwachsen lassen, dass die Mutter sie wortlos verlassen habe.“ 

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