Mordkommission ermittelt
Polizei sucht Mutter des toten Babys

Dülmen/Münster -

Passanten machen beim Spaziergang durch einen Park am Schloss Buldern einen grausigen Fund: In einer Mülltüte liegt ein toter Säugling. Eine Obduktion am Sonntag brachte erste Erkenntnisse. Jetzt bittet die Polizei um Hinweise.

Montag, 25.09.2017, 11:09 Uhr

Mordkommission ermittelt: Polizei sucht Mutter des toten Babys
Nach der Entdeckung der Babyleiche wurden am Fundort Kerzen abgelegt. Foto: Markus Michalak

Eine Kerze steht auf einem Baumstumpf, Trauernde haben einige Blumen zusammengeklaubt und mit weißer Schrift die alles entscheidende Frage auf Pappkarton gepinselt: „Warum?“ Warum musste der Säugling, der am Samstag von Spaziergängern auf einem kleinen Privatweg in Dülmen gefunden wurde, so früh sterben?

Obduktion noch nicht abgeschlossen

Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt kann diese Frage auch noch nicht beantworten: „Es gibt drei Möglichkeiten für den Tod des Jungen. Er kann nach seiner Geburt getötet worden sein, er kann aber auch schon tot geboren worden sein, oder er starb kurz nach seiner Geburt eines natürlichen Todes.“ Die Obduktion des kleinen Leichnams ist am Montag noch nicht abgeschlossen, die Todesursache steht nicht fest. Sicher ist hingegen: „Wir haben bisher keine Anzeichen für äußere Gewalt feststellen können.“

Die Leiche muss jedoch bereits längere Zeit am Fundort gelegen haben. Denn der Verwesungsprozess ist schon weit fortgeschritten.

Die Herkunft des Kindes ist unbekannt. Möglicherweise hat die Kindesmutter die Schwangerschaft verdrängt oder verheimlicht und wurde von der Geburt überrascht, vermutet die Staatsanwaltschaft. Die Kriminalpolizei bittet daher um Mithilfe: „Wem ist ein Mädchen oder eine Frau aufgefallen, die sich in den letzten Monaten verändert hat?“

Wer hat Beobachtungen gemacht?

Dies könnte sich durch auffällige Gewichtszu- oder -abnahmen, Veränderungen des Kleidungsstils, Vermeidung von Sport, anstrengenden Tätigkeiten oder einen sozialen Rückzug gezeigt haben. „Wer hat Wahrnehmungen im Bereich des Fundortes gemacht, die im Zusammenhang mit dem toten Säugling stehen könnten?“

Alexa Strompen arbeitet in der Schwangerenkonfliktberatung bei Donum Vitae. Sie hat Erfahrungen mit Müttern in schwierigen Situationen. Das Allerwichtigste für sie: „Es gibt schwierige Probleme, aber es gibt immer eine Lösung.“ So gebe es an verschiedenen Krankenhäusern Babyklappen, in welchen man einen Säugling anonym ablegen könne. Donum Vitae setzt jedoch auf die „Vertrauliche Geburt“, die es seit Mai 2015 gibt.

„Hierbei werden Mutter und Kind medizinisch betreut, und die Mutter kann sich nach der Geburt entscheiden, ob sie ihr Kind behalten möchte.“ Im vergangenen Jahr begleitete Strompen eine Schwangere, und das Kind wächst nun bei seiner Mutter auf.

Polizei bittet um Hinweise

Und wer hat Wahrnehmungen im Bereich des Fundortes des Schlosses Buldern gemacht, die im Zusammenhang mit dem toten Säugling stehen könnten? Hinweise, die auch diskret behandelt werden können, nimmt die Polizei unter der Rufnummer 02594 7930 an.

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