Wölfe
Bei Sichtkontakt nicht wegrennen

Münster -

In Lengerich hat vermutlich ein Wolf Anfang der Woche ein Schaf gerissen. Während der Kadaver des Tieres noch untersucht wird, drängen sich Fragen zur Sicherheit der Nutztiere und Menschen in der Region auf.

Mittwoch, 15.11.2017, 17:42 Uhr
Faszinierend und angsteinflößend zugleich: Der Wolf. Lange galt er in Deutschland als ausgerottet, doch in den letzten Jahren haben sich die Bestände etwas erholt.
Faszinierend und angsteinflößend zugleich: Der Wolf. Lange galt er in Deutschland als ausgerottet, doch in den letzten Jahren haben sich die Bestände etwas erholt. Foto: dpa

►  Wie viele Wolfsrudel gibt es in Deutschland?

Etwa 46 Wolfsrudel mit jeweils drei bis elf Tieren sowie 15 Paare und vier sesshafte Einzeltiere hat das Bundesamt für Naturschutz im Erhebungszeitraum von Mai 2015 bis April 2016 gezählt. Die meisten dieser Wölfte wurden in Sachsen und Brandenburg gesichtet.

►  Wie wahrscheinlich ist es, dass sich ein Wolfsrudel in NRW ansiedelt?

Nordrhein-Westfalen ist ein sogenanntes Wolfserwartungsland. Da in Niedersachsen bereits einige Rudel ansässig sind, erwarten Behörden, dass sich früher oder später Wölfe auch in NRW ein Revier suchen. Allerdings gibt es aufgrund der dichten Bebauung nur wenig potenziell geeignete Lebensräume. Eine Sprecherin des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) geht davon aus, dass diese am ehesten in den waldreichen nördlichen Randbereichen des Bundeslandes – wie Ostwestfalen und Münsterland – liegen.

Gutachten zum Wolf in Westfalen vorgestellt

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  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Clemens Freiherr von Oer (Vorsitzender des Verbandes der Jagdgenossenschaften und Eigenjagden in Westfalen-Lippe) bei der Vorstellung des Wolf-Gutachtens am 8. August 2017 on der WLV-Geschäftsstelle in Münster.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Im Allwetterzoo friedliche Besuchermagneten: Timberwölfe.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Dr. Matthias Quas (WLV-Vertreter im Landesjagdbeirat NRW), Laura Jacobs (WLV-Pressestelle), Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel (Diplom-Biologe, Professor für Zoologie an der FU Berlin), Johannes Röring (Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands), Clemens Freiherr von Oer (Vorsitzender des Verbandes der Jagdgenossenschaften und Eigenjagden in Westfalen-Lippe) und Jürgen Reh (Rechtsanwalt und Geschäftsführer des Verbandes der Jagdg...) bei der Vorstellung des Wolf-Gutachtens am 8. August 2017 on der WLV-Geschäftsstelle in Münster.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel (Diplom-Biologe, Professor für Zoologie an der FU Berlin), Johannes Röring (Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands), Clemens Freiherr von Oer (Vorsitzender des Verbandes der Jagdgenossenschaften und Eigenjagden in Westfalen-Lippe) bei der Vorstellung des Wolf-Gutachtens am 8. August 2017 on der WLV-Geschäftsstelle in Münster.

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  • Johannes Röring (Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands) bei der Vorstellung des Wolf-Gutachtens am 8. August 2017 on der WLV-Geschäftsstelle in Münster.

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  • Clemens Freiherr von Oer (Vorsitzender des Verbandes der Jagdgenossenschaften und Eigenjagden in Westfalen-Lippe) bei der Vorstellung des Wolf-Gutachtens am 8. August 2017 on der WLV-Geschäftsstelle in Münster.

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  • Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel (Diplom-Biologe, Professor für Zoologie an der FU Berlin) bei der Vorstellung des Wolf-Gutachtens am 8. August 2017 on der WLV-Geschäftsstelle in Münster.

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  • Im Allwetterzoo friedliche Besuchermagneten: Timberwölfe.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Im Allwetterzoo friedliche Besuchermagneten: Timberwölfe.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Im Allwetterzoo friedliche Besuchermagneten: Timberwölfe.

    Foto: Gunnar A. Pier

►  Was treibt den Wolf nach NRW?

Da sich die Bestände in Deutschland seit Jahren erholen und sich die in Niedersachsen nachgewiesenen Wölfe reproduzieren, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Einzeltiere oder ganze Rudel auf der Suche nach Futter und Lebensraum auch nach NRW gelangen.

►  Ist der Wolf für den Menschen gefährlich?

Angriffe von gesunden, freilebenden Wölfen auf Menschen gab es in den letzten Jahrzehnten in Deutschland nicht. Begegnet man einem Wolf, sollte man sich langsam zurückziehen und nicht losrennen. Spricht man den Wolf an oder klatscht in die Hände, suchen die extrem scheuen Tiere in den meisten Fällen die Flucht. Wolfssichtungen sollten beim LANUV gemeldet werden, damit sich Wolfsberater gemeinsam mit Förstern um den Fall kümmern.

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► Welche Vorkehrungen trifft das Land NRW?

Bereits seit einigen Jahren gibt es einen Wolfsmanagementplan, der einen Handlungsleitfaden für das Auftauchen einzelner Wölfe in NRW darstellt. Das Land hat zudem ein Verfahren für die Entschädigung von Nutztierrissen entwickelt und Wolfsberaterinnen sowie Wolfsberater ausgebildet. Betreiber von Wildgehegen können Fördermittel für den Erwerb von Elektrozäunen und Zubehör für den Schutz ihrer Herden vor Übergriffen durch Wölfe beantragen.

►  Dürfen Wölfe von Jägern erlegt werden?

Nein. Wölfe stehen unter dem europäischen und deutschen Naturschutzrecht. Wer auf die Tiere schießt, muss mit hohen Strafen rechnen. Doch es gibt Widerstand: In einem sogenannten Runderlass hat das Land Sachsen-Anhalt seinen Polizisten zuletzt den Abschuss verhaltensauffälliger oder verletzter Wölfe erlaubt. Auch in Niedersachsen regt sich Widerstand am Schutzstatus für die Wölfe. Die CDU will Tiere, die sich artfremd verhalten, von Jägern erschießen lassen und den Bestand regulieren.

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