Ansturm auf Hochschulen
Studie: Bis 2050 konstant viele Studienanfänger

Münster -

In den Hörsälen deutscher Hochschulen ist es kuschelig eng. Nicht selten sitzen Studenten in beliebten Studiengängen auf den Treppen oder müssen sogar stehen. Aufgrund des anhaltenden Trends zur Akademisierung wird sich daran erst einmal nichts ändern.

Donnerstag, 14.12.2017, 15:12 Uhr

Ansturm auf Hochschulen: Studie: Bis 2050 konstant viele Studienanfänger
Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Aktuellen Berechnungen des Centrums für Hochschulentwicklung ( CHE ) zufolge bleibt der Ansturm der Studienanfänger bis 2050 groß. Zeitgleich verschärft sich der Fachkräftemangel in Indus­trie, Handel und Handwerk.

Bereits in der vergangenen Dekade war der Zulauf an den Hochschulen so hoch wie noch nie: Seit 2011 nehmen jährlich etwa 500.000 Erstsemester ihr Studium auf – und damit über 30 Prozent mehr als noch im Jahr 2005. In NRW ist die Anzahl der Studienanfänger in ­diesem Zeitraum sogar um über 50 Prozent gestiegen.

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Enorme Nachfrage

Für die Zeit bis 2050 haben Modellrechnungen des CHE nun ergeben, dass die bundesweite Zahl in keinem Jahr unter die Marke von 425.000 sinken wird. Selbst wenn man keine weitere Zunahme der Studienneigung annimmt, zeige sich laut Berechnungen kein Ende der enormen Nachfrage.

Die Herausforderung

Probleme gibt es dadurch in klassischen Ausbildungsberufen: „Diese starke Entwicklung der Akademisierung ist eine Heraus­forderung für uns“, sagt ­ Michael Hoffmann , Pressesprecher der Handwerkskammer Münster. Zwar sei auch die Zahl der geschlossenen Ausbildungsverträge zuletzt gestiegen, doch blieben immer mehr Azubi-Stellen unbesetzt. „Deshalb gehen wir gezielt in Schulen, arbeiten mit der Agentur für Arbeit zusammen und bemühen uns um die etwa 30 Prozent Studienabbrecher“, sagt Hoffmann.

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Die IHK warnt

Ähnlich verfährt die Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen. „Es kann nicht sein, dass jeder, der die Berechtigung hat, auch studiert“, sagt Hauptgeschäftsführer Karl-Friedrich Schulte-Uebbing. Er fordert von Bildungsministerin Yvonne Gebauer, dass die Wertigkeit einer Ausbildung Lehrern, Schülern und Eltern wieder bewusster gemacht wird. ­ „Irgendwann haben wir sonst das Problem, dass wir ge­wisse Berufe gar nicht mehr haben“, warnt er.

Kommentar zum Thema

Deutschland gilt als Land der Dichter und Denker. Die Schulbildung ist überdurchschnittlich und die Zahl der Abiturienten hoch. Insofern überrascht die ausgeprägte Neigung zum Studium nicht. Zumal sich hartnäckig der Glaube hält, dass sich mit einem Studienabschluss nicht nur das gesellschaftliche Ansehen, sondern auch das spätere Gehalt steigern lässt.

Die Verdienstmöglichkeit ist jedoch – je nach Fachrichtung – in einigen Ausbildungsberufen sogar höher als nach einem Studienabschluss. Zudem fußt die Stärke der deutschen Wirtschaft wesentlich auf dem dualen Ausbildungssystem. Auf Dauer birgt ein Fachkräftemangel daher große Gefahren für die Stabilität der gesamten Wirtschaft.

Um die duale Ausbildung wieder attraktiver zu gestalten, braucht es dreierlei: 1. den Mut von Eltern und Lehrern, ihren Schützlingen bei entsprechender Neigung einen Ausbildungsberuf zu empfehlen; 2. finanzielle Anreize für besonders schlecht bezahlte Berufsgruppen; 3. mehr und rechtzeitige Informationen über unbekannte Ausbildungsberufe in der Schule. - Mirko Heuping

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Diese Studenten gibt es an jeder Uni

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  • Party-Tier oder karrierefixiert?

    Der eine würde dem Professor gerne den Beamer hinterhertragen, der andere nutzt die Zeit in den Seminaren, um mal wieder Ordnung in seine Apps zu bringen. Zum Semesterstart treffen auf dem Campus die verschiedensten Studenten aufeinander. Die Semesterferien sind vorbei, es wird wieder voll im Hörsaal. Doch wer drängt sich da eigentlich auf den Holzbänken? Vom Streber bis zum Senioren-Student - eine Typologie.

    Foto: colourbox.de
  • DER/DIE STREBSAME

    Er kommt extra früh zur Vorlesung, um sich auf den Platz am Gang zu setzen. Dass er damit die ganze Reihe blockiert, ist ihm egal. Schließlich kann er so schnell aufstehen, um mit dem Professor zu reden, sobald dieser den Raum betritt. Ein bisschen Netzwerken kann schließlich nicht schaden. Deswegen hat er auch damals diesen Job als studentische Hilfskraft angenommen - obwohl ihn die Bezeichnung eigentlich stört. Der Strebsame studiert vorzugsweise BWL. Sein Handy hat er immer im Blick. Dort blinken nicht nur Wirtschaftsnachrichten auf, sondern er wird auch daran erinnert, wann er das Sakko aus der Reinigung holen kann.

    Lieblingssatz: „Kann ich die Prüfung schon vorziehen?“

    Foto: colourbox.de
  • DER/DIE GELANGWEILTE

    Den Text fürs Seminar hat er nicht gelesen, der war ihm zu „lame“. Weil er deshalb nicht mitreden kann, muss sich der Gelangweilte anders beschäftigen. Dazu legt er das Handy betont lässig auf den Tisch und wischt auf der Dating-App Tinder herum. Bei Professoren und Dozenten macht sich dieser Typ nicht beliebt. Das ist ihm aber egal, schließlich weiß er eh noch nicht, ob er sich das Ganze noch lange antun will.

    Lieblingssatz: „Der Dozent hat uns nicht richtig vorbereitet. Jetzt muss ich wegen dem die Prüfung wiederholen.“

    Foto: colourbox.de
  • DER/DIE ALTE

    Sein natürliches Refugium ist die Uni nicht. Dennoch wagt sich der Seniorenstudent immer öfter in neues Terrain vor. Über 14 000 Menschen ab 65 Jahren teilten sich im vergangenen Semester mit jüngeren Studenten den Hörsaal - zwei Drittel mehr als vor 20 Jahren. Am liebsten besucht der Seniorenstudent Vorlesungen in Politik und Geschichte. Dort fungiert er gerne als Zeitzeuge. Ob zur Wiedervereinigung oder zum Rücktritt Bismarcks - zu jedem historischen Ereignis hat er eine sehr persönliche Geschichte zu erzählen.

    Lieblingssatz: „Ich weiß das. Ich war dabei.“

    Foto: colourbox.de
  • DER/DIE SOZIALE

    Das Willkommensgrillen für die Erstsemester oder der Papierflieger-Flashmob mitten in der Vorlesung: Ohne den Sozialen geht nichts. Plant jemand im Fachbereich eine Veranstaltung, sitzt er mit Sicherheit im Organisationskomitee. Auch bei der Studentenvertretung ist er dabei. Zwischendurch sein Studium zu beenden, fällt da schwer, ist aber für den Sozialen trotzdem nicht unmöglich. Seit er den Getränkestand beim letzten Bodenmechanik-Symposium aufgebaut hat, hat er schließlich die Nummer seines Professors im Handy gespeichert. Eine Nachricht, und schon steht ein neuer Abgabetermin für die Hausarbeit fest.

    Lieblingssatz: „Jemand noch ein Bierchen?“

    Foto: colourbox.de
  • DER/DIE POLITISCHE

    Ob Strafgesetzbuch oder Eiskunstlauf - für diesen Studententypen spielt jedes Thema auf einer höheren politischen Ebene. Um seine Kommilitonen aus den Geisteswissenschaften von seinen Ansichten zu überzeugen, holt er gerne weit aus. Meist mit selbst gedrehter Zigarette in der einen und frisch aufgebrühtem Mate-Tee in der anderen Hand. Der Politische gendert nicht nur seine Hausarbeitstexte, sondern benutzt die geschlechtsneutrale Sprache auch in Diskussionen.

    Lieblingssatz: „Ich würde mir wünschen, dass alle StudentInnen dazu Stellung beziehen.“

    Foto: dpa

 

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