NRW-Justiz
„Ritt auf der Rasierklinge“

Münster/Düsseldorf -

Die Ausbrüche aus dem Gefängnis in Berlin-Plötzensee haben Missstände im Strafvollzug offen gelegt. Auch in Nordrhein-Westfalen fehlen Hunderte Mitarbeiter.

Donnerstag, 11.01.2018, 06:01 Uhr

NRW-Justiz: „Ritt auf der Rasierklinge“
Blick auf die Gefängnismauer und zwei Wachtürme der Justizvollzugsanstalt (JVA) Plötzensee. Foto: Paul Zinken/dpa

Zu wenig Personal, hohe Arbeitsbelastung und immer aggressiver auftretende Häftlinge – nicht nur in Berlin ist die ­Lage im Strafvollzug äußerst angespannt. „Die Situation in den Justizvollzugsanstalten in NRW gleicht einem Ritt auf der Rasierklinge“, sagt Peter Brock, Vorsitzender des Landesverbandes des Bundes der Strafvollzugs­bediensteten. Gründe dafür gebe es mehrere. „Wir haben 400 offene Stellen und finden keine Mitarbeiter“, erklärt Brock. Zuletzt waren mehrere Insassen aus der JVA in Berlin-Plötzensee geflohen – ein Grund war fehlendes Aufsichtspersonal.

Der gute Arbeitsmarkt und vor allem der steigende Personalbedarf der Sicherheitsfirmen sorgt auch in NRW dafür, dass sich immer weniger junge und gut ausgebildete Frauen und Männer für den Justizvollzugsdienst bewerben. „Unsere Mitarbeiter müssen teilweise 40 Häftlinge alleine betreuen, werden dann noch beleidigt, angespuckt oder tätlich angegriffen“, erklärt Brock weiter.

Steigende Respektlosigkeit

Die steigende Respektlosigkeit gegenüber den Beamten im Justizvollzugsdienst sei eine enorme Belastung für die Mitarbeiter – vergleichbar mit Erlebnissen von Rettungskräften oder Polizisten. „Was wir bei unserer Arbeit erleben, ist nicht immer ­einfach zu verdauen“, betont Bork. Ob Suizide oder ­Schlägereien, die geschlichtet werden müssen, „wir erleben vieles, was am Normalbürger in der Regel vorbeigeht“. Das sei auch mit ein Grund dafür, dass die JVA-Mitarbeiter in NRW 400 000 Überstunden auf ihrem Konto haben.

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Das Justizministerium in NRW reagiert und hat für das laufende Jahr 2018 ins­gesamt 200 neue Stellen im Justizvollzugsdienst bereitgestellt. „Natürlich ist wie überall das Rekrutieren von Nachwuchs ein Problem“, sagt ein Sprecher von Justizminister Peter Biesenbach (CDU). Nicht jeder Bewerber ist geeignet für den Umgang mit „schwierigen Persönlichkeiten“ in einem stressigen Sieben-Tage-Schichtsystem. „Bei der Bezahlung können wir mithalten.“ 

So sieht es in dem geräumten Gefängnis aus

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  • Einblick in ein leeres Gefängnis.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Das über 160 Jahre alte Gefängnis steht eigentlich unter Denkmalschutz.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Jetzt wird trotzdem über einen Abriss nachgedacht.

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  • Sehen Sie im Folgenden Einblicke in das geräumte Gefängnis.

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