Urteile
Gefilmter Überfall auf Juwelier: Bis sechseinhalb Jahre Haft

Ein Juweliergeschäft wird überfallen. Die Täter werden gefilmt, auch die Polizei ist schon vor Ort. Jetzt haben die Richter die Urteile gesprochen.

Dienstag, 13.02.2018, 15:02 Uhr

Das Justizzentrum Bochum.
Das Justizzentrum Bochum. Foto: Bernd Thissen

Bochum (dpa/lnw) - Erst wurden sie gefilmt, dann war auch schon die Polizei vor Ort: Nach einem Überfall auf ein Juweliergeschäft in Recklinghausen sind fünf Männer aus Serbien am Dienstag zu Haftstrafen von bis zu sechseinhalb Jahren verurteilt worden. Der Raubzug vom 1. Juni 2017 war damals von einem Mitarbeiter eines gegenüberliegenden Telefongeschäfts mit einem Handy gefilmt worden. Die Datei war kurz darauf im Internet aufgetaucht.

Richter Michael Rehaag sprach bei der Urteilsverkündung des Bochumer Landgerichts von einer «generalstabsmäßigen Planung». Von einer Spontantat könne keine Rede sein. «Die Angeklagten sind einzig und allein nach Deutschland eingereist, um hier Straftaten zu begehen», so Rehaag.

Die fünf 21 bis 33 Jahre alten Männer waren direkt nach der Tat festgenommen worden. Die Polizei hatte ein mobiles Einsatzkommando vor Ort, das einen der Angeklagten rund um die Uhr beschattet hatte. Der Mann steht in Verdacht, im März 2017 bereits ein Juweliergeschäft in Österreich überfallen zu haben. Auch dort war er schon überwacht worden.

Bei der Tat in Recklinghausen waren drei der Angeklagten in das Juweliergeschäft gestürmt. Einer von ihnen hatte den Juwelier und dessen Mitarbeiter mit einer echt aussehenden Softair-Pistole bedroht und außerdem Tränengas versprüht. «Dass es keine erheblichen Verletzungen gegeben hat, ist einzig und allein dem Umstand zu verdanken, dass sich alle blitzschnell umgedreht haben», hieß es um Urteil.

Der Inhaber des Recklinghäuser Juweliergeschäfts hatte sich damals selbst an der Verfolgung der Täter beteiligt. Er war nach dem Überfall aus seinem Ladenlokal gestürmt und hatte sich eine Tasche mit Schmuck und Uhren zurückgeholt. Auch der Rest hatte später sichergestellt werden können. Der Gesamtwert der Beute soll sich auf knapp 380 000 Euro belaufen haben.

Die drei Männer, die den Laden gestürmt hatten, bekamen sechs Jahre Haft wegen besonders schweren Raubs. Der mutmaßliche Fahrer des Fluchtwagens wurde zu fünf Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt, der mutmaßliche Chef zu sechseinhalb Jahren. «Die Justiz darf keinen Anreiz für derartige Taten setzen», sagte Rehaag zu der Höhe der verhängten Strafen.

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