Geplanter Erlass des NRW-Schulministeriums
Medienkunde wird Pflicht an Schulen

Münster/Düsseldorf -

Das nordrhein-westfälische Schulministerium will Medienkunde verpflichtend in den Unterricht integrieren. Die Landes-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) bereitet derzeit einen entsprechenden Erlass vor. Medienkunde ist dabei nicht als spezielles Fach vorgesehen, sondern soll fächerübergreifend in den Unterricht einfließen werden, heißt es. 

Mittwoch, 28.02.2018, 19:02 Uhr

Medienkompetenz soll verpflichtend in den Schulalltag integriert werden.
Medienkompetenz soll verpflichtend in den Schulalltag integriert werden. Foto: dpa

Als Grundlage dient der bereits vorhandene Medienkompetenzrahmen, erklärt Ministeriumssprecher Daniel Kölle. Bisher ist die Vermittlung von Medienkunde nicht verbindlich im Lehrplan vorgesehen.

Das Ministerium will die Schulen auffordern, bis zum Jahr 2021 Konzepte dafür zu erstellen. „Lehrer sollen Inhalte digital vermitteln können und Schüler befähigen, damit sicher umzugehen“, sagt Kölle. Dafür müsse der gesamte Lehrplan überarbeitet werden. Zunächst richte sich der Erlass an die weiterführenden Schulen, später sollen auch Grundschulen eingebunden werden. Wann der neue Erlass, der eine Idee der Kultusministerkonferenz aus dem Jahr 2016 ist, kommt, stehe bisher noch nicht fest, erklärte der Ministeriumssprecher.

Heutige Schlüsselkompetenzen

Der Verband Bildung und Erziehung NRW (VBE) weist darauf hin, dass für so ein Konzept zunächst andere Maßnahmen erforderlich sind. „Wenn bis 2021 die Schulen gefordert sind, Konzepte zu liefern, dann sind vorher die Schulträger und das Land gefordert, die ausreichende Ausstattung und Infrastruktur zu stellen.

Medienkompetenz als eine der entscheidenden Schlüsselkompetenzen unserer Zeit gehört priorisiert. Die Frage ist allerdings, ob dafür ausreichend Ressourcen zur Verfügung gestellt werden können“, erklärt Stefan Behlau, Landesvorsitzender der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung.

Kein eigenes Fach

Noch seien die regionalen Unterschiede der Ausstattung zu unterschiedlich, so Behlau weiter. Während einige Schulen gut ausgestattet mit Smart­boards und ­I-Pads arbeiten, können an anderen Schulen weder Lehrer noch Schüler auf ein gut funktionierendes Netz zugreifen. „Das ist auch eine Frage der Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit. Hier muss dringend nachgebessert werden“, erklärt Behlau.

Der VBE begrüßt den Vorschlag, kein eigenes Fach für Medienkompetenz einzurichten. Schule könne nicht für jede gesellschaftliche Herausforderung ein eigenes Fach bieten. Medienkompetenz zu vermitteln, sei eine Querschnittsaufgabe. Seitens der Lehrer gebe es eine große Bereitschaft, sich mit den digitalen Themen auseinanderzusetzen.

Interview

Drei Fragen an Tobias Schmid, Direktor der Landesmedienanstalt für NRW in Düsseldorf:

Schüler in NRW sollen verpflichtend Medienkunde lernen. Was halten Sie davon?

Schmidt: Ich halte das für richtig, gerade weil unsere Beobachtungen zeigen, dass sich Kinder inzwischen selbstständig im Netz bewegen.

Worauf sollte bei der Vermittlung von Medienkompetenz geachtet werden?

Schmid: Es ist extrem wichtig, den Kindern und Jugendlichen beizubringen, dass im Netz neben den Chancen eben auch erhebliche Risiken liegen.

Kann die Landesmedienanstalt Hilfe leisten bei der Weiterqualifizierung der Lehrer?

Schmid: Ja klar, auch das gibt es jetzt schon. Es gibt darüber bereits einen Austausch mit der Staatskanzlei. Die Vermittlung von Medienkompetenz ist eine unserer Kernaufgaben.pn

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