Pferdesport
Vielseitigkeitsreiterin Hoy tritt aus Olympia-Kader zurück

Warendorf -

Über Jahrzehnte prägte Bettina Hoy die deutsche Vielseitigkeitsreiterei mit. Jetzt hat die 55-Jährige entschieden, nicht mehr bei Championaten und Olympia starten. Sie konzentriert sich nun auf ihre Arbeit als Bondscoach in den Niederlanden.

Mittwoch, 28.03.2018, 14:03 Uhr

Die Vielseitigkeitsreiterin Bettina Hoy.
Die Vielseitigkeitsreiterin Bettina Hoy. Foto: Friso Gentsch

Die deutsche Vielseitigkeitsreiterei verliert eine ihrer prägendsten Figuren. Nach „reiflicher Überlegung“ hat Bettina Hoy entschieden, aus dem deutschen Olympia-Kader zurückgetreten. Damit wird die 55-Jährige nicht mehr bei Championaten und Olympischen Spielen starten. „Für mich stand immer fest, dass ich dann gehe, wenn ich noch zur Weltspitze gehöre“, teilte sie am Mittwoch mit. „Und nach der Teilnahme an drei Olympischen Spielen, fünf Welt- und zehn Europameisterschaften ist dieser Zeitpunkt nun gekommen.“

Für sie und ihre Pferde sei 2017 „ein großartiges Jahr“ gewesen. Die Team-Weltmeisterin von 2006 und Einzel-Europameisterin von 1997 war im vergangenen Sommer in Luhmühlen zum vierten Mal deutsche Meisterin geworden und beendete die Saison in der Weltrangliste unter den Top Zehn. Bei der EM hatte sie Pech, als sie beim Geländeritt stürzte. Nach der Dressur hatte sie noch geführt.

Hoy konzentriert sich nun auf ihre Aufgabe als Bondscoach der niederländischen Vielseitigkeitsreiter. „Die Arbeit für diesen fantastischen Verband macht mir riesigen Spaß, und sowohl der Verband als auch die niederländischen Reiter verdienen jetzt meine volle Aufmerksamkeit“, sagte sie. Im deutschen Verband hatte es Diskussionen über ihre Doppelrolle als deutsches Kadermitglied und als Trainerin der Niederländer gegeben.

Geboren in Rheine

Die in Rheine geborene Hoy zählte über drei Jahrzehnte immer wieder zur Weltspitze und war eine der prominentesten deutschen Vielseitigkeitsreiterinnen. Bereits 1984 hatte sie unter ihrem Geburtsnamen Overesch in Los Angeles an den Olympischen Spielen teilgenommen und holte Bronze mit dem Team.

Zur tragischen Figur wurde sie bei Olympia in Athen, als sie im abschließenden Springen versehentlich zu früh über die Startlinie ritt und Strafpunkte wegen Zeitüberschreitung kassierte. Dadurch verlor sie Gold im Einzel und mit der Mannschaft.

Training in Warendorf

Hoy hatte jahrelang mit ihrem damaligen Ehemann, dem australischen Weltklasse-Reiter Andrew Hoy, in Großbritannien gelebt. Seit ihrer Rückkehr nach Deutschland trainiert sie in Warendorf, am Sitz der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN).

Ein Tag mit Bettina Hoy in Warendorf

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  • Die Deutschlandfarben zieren den Eingangsbereich: Auf dem Gelände des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR) in Warendorf wird der olympische Geist großgeschrieben. Überall sind Bilder zu sehen, die an Erfolge der deutschen Reiter erinnern.

    Foto: Sven Rapreger
  • Das silberne Lorbeerblatt ist die höchste Auszeichnung für deutsche Spitzensportler. In den Gebäuden des DOKR gibt es davon gleich mehrere zu bestaunen.

    Foto: Sven Rapreger
  • Im Foyer finden sich lebensgroße Pferdefiguren, die künstlerisch gestaltet wurden. Auf diesem Exemplar haben zahlreiche bekannte und erfolgreiche Reiter unterschrieben. Das Bild dahinter zeigt die Dressurreiter, die 2016 in Rio de Janeiro die olympische Goldmedaille erritten haben.

    Foto: Sven Rapreger
  • Bettina Hoy hat aktuell vier Pferde auf der Anlage des DOKR untergebracht. Hier trainiert sie ihre beiden Erfolgspferde "Desigenr" und "Seigneur Medicott" (Foto) sowie mehrere junge Nachwuchspferde.

    Foto: Sven Rapreger
  • Bettina Hoy lebt diesen Sport mit Leib und Seele: Liebevoll kümmert sie sich um ihre Pferde, hier "Designer" (links) und "Seigneur Medicott" (rechts).

    Foto: Sven Rapreger
  • Aktuell tut sich viel in der Karriere der erfolgreichen Vielseitigkeitsreiterin: Seit Januar 2017 steht fest, dass Hoy das Trainign der niederländischen Vielseitigkeits-Mannschaft übernimmt. Für Lehrgänge und Seminare jettet sie rund um die Welt.

    Foto: Sven Rapreger
  • "Wenn ich mich morgens auf das erste Pferd setze, geht es mir gut", sagt die Rheinenserin. Keine Frage: Der Sport macht Bettina Hoy aus.

    Foto: Sven Rapreger
  • Die olympischen Ringe im Hintergrund: In der Reithalle auf dem Gelände des DOKR trainiert Bettina Hoy ihre Pferde. Keine Frage, hier weht ein Hauch olympischer Luft, zahlreiche international erfolgreiche Sportler kommen hier im Trainingszentrum Tag für Tag zusammen.

    Foto: Sven Rapreger
  • Das Deutsche Olympiade-Komitee in Warendorf: ein Leistungszentrum für Reiter und Pferde. Hier werden junge Nachwuchssportler ausgebildet, es finden Seminare und Lehrgänge statt. Zusätzlich beherbergt die Reitanlage regelmäßig Reitturniere und die traditionellen Bundeschampionate für junge Pferde. Kein Zweifel: Hier ist das Pferdezentrum Deutschlands.

    Foto: Sven Rapreger
  • Doe olympischen Ringe am Vordereingang des traditionsreichen Gebäudes erinnern an den olympischen Geist, der die Anlage prägt. Eins steht außer Frage: Die Olympionikin Bettina Hoy hat hier einen adäquaten Ort für die Unterbringung und das Training ihrer Vierbeiner gefunden.

    Foto: Sven Rapreger

Trotz ihrer Tätigkeit als Bondscoach und als Trainerin von anderen Reitern will sie weiter auf Drei- und Vier-Sterne-Turnieren starten. „Sportlich gesehen habe ich aber auch noch den Traum, einen Grand Prix zu reiten, und da die Dressur immer meine besondere Stärke war, werde ich das jetzt intensiver angehen“, sagte sie.

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