Datenschutz bremst Lehrer aus
Private Rechner für dienstliche Aufgaben?

Düsseldorf -

Abgehängt. Lehrer dürfen ihre privaten PCs, Laptops oder Tablets nur noch unter strengen Sicherheitsvorkehrungen nutzen. Vorher müssen sie eine elfseitige Erklärung unterzeichnen, in der sie sich verpflichten, ihre Geräte stets auf dem aktuellen Stand zu halten und für den Schutz persönlicher Schülerdaten zu sorgen, damit niemand sonst Aufzeichnungen, Bewertungen oder umfang­reiche Fördergutachten einsehen kann.

Mittwoch, 28.03.2018, 19:38 Uhr

Eine Lehrerin gibt am Computer Schulnoten in ein Zeugnis ein: In NRW dürfen Lehrer ihre privaten Rechner künftig nur noch mit hohen recht­lichen Auflagen nutzen.
Eine Lehrerin gibt am Computer Schulnoten in ein Zeugnis ein: In NRW dürfen Lehrer ihre privaten Rechner künftig nur noch mit hohen recht­lichen Auflagen nutzen. Foto: dpa

Mit einem entsprechenden Erlass hat das Schul­ministerium Datenschutz-Standards festgelegt: Die Schulleitungen müssen die Nutzung privater Geräte genehmigen, wenn die Lehrer die Verpflichtung eingehen. Ungünstigerweise hat Ministerin Yvonne Gebauer kurz zuvor die für Lehrer und Schüler gedachte Online-Plattform „Logineo“ wegen massiver Sicherheitsmängel zurück in die Werkstatt geschickt. Sie steht damit nicht als Ersatz zur Verfügung.

Aus Elternsicht ist der Fall absolut klar. „Das sind hoch sensible Daten, die müssen besonders geschützt werden“, bekräftigt Ulrich Meier, Vorstandsmitglied der Lan deselternkonferenz. Das werde durch Berichte, wie über soziale Netzwerke persön­liche Daten abgegriffen werden, bestätigt. Stringenteste Lösung sei, Lehrern – wie in vielen Firmen – Dienstrechner zu kaufen.

Sicherheitsrisiken

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) rät ihren Mitgliedern davon ab, die Genehmigung zu beantragen, weil sie nicht sicherstellen könnten, alles richtig zu machen. „Dienst­liche Rechner, und der Arbeitgeber garantiert die Daten­sicherheit und die Updates“, fordert der Vize-Vorsitzende Sebastian Krebs . „Das ist die Lösung, alles andere ist mit heißer Nadel gestrickt.“ Er betont, vor einer Genehmigung müsse die Schulleitungen sich eigentlich vom Zustand des privaten Rechners überzeugen. Das verletze die Privatsphäre der Lehrkräfte, die ihren Privat- zum Dienstcomputer machten.

Die Landesdatenschutz­beauftragte Helga Block hat bereits festgehalten, dass die vielfältigen Sicherheitsrisiken in der Datenverarbeitung ­sowie die Details der Geräte die Schulleiter überfordere. „Mangels Prüfgrundlage dürfte daher die derzeitige Nutzung solcher Geräte nicht genehmigt werden“, erklärt Block.

Zentrale Plattform als Lösung?

„Man kommt aus diesem Dilemma nicht raus“, seufzt Krebs. Alternativ könne eine zentrale Plattform die Lösung bringen, auf die man sich von jedem Gerät über eine abgeschirmte Leitung einloggen kann. Bei Online-Banking und mobilen Arbeitsplätzen klappe das ja.

Aber wer soll Laptops für bis zu 200 000 Lehrkräfte ­bezahlen? Direkt nach den Osterferien will das Schul­ministerium alle Beteiligten zum Thema IT-Ausstattung für Lehrer einladen, kündigt ein Sprecher an. „Zeitnah“ werde dann entschieden, „in welchem Umfang das Land als Dienstherr Endgeräte zu finanzieren hat“.

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