Interview
Reul: „Katholikentag – jetzt erst Recht“

Münster -

Absolute Sicherheit könne es nicht geben, für Verbesserungen ist immer Luft, meint NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU). Über Konsequenzen aus der Amokfahrt eines 48-Jährigen in Münster sprach Innenminister Herbert Reul am Sonntag im Interview mit unserer Zeitung.

Sonntag, 08.04.2018, 18:04 Uhr

NRW-Innenminister Herbert Reul
NRW-Innenminister Herbert Reul Foto: imago/Rüdiger Wölk

Herr Reul , was ging Ihnen am Samstag durch den Kopf, als Sie von dem Anschlag erfahren haben?

Reul: Auch ich dachte natürlich zuerst an Terror. Und hatte Tausend Fragen. Deshalb war ich froh, als ich dann im Innenministerium die ersten Fakten erfuhr, die schon sehr früh in eine andere Richtung deuteten.

Den Täter kannte die Polizei bereits, auch seine psychischen Probleme. Hätte man ihn anders im Blick behalten müssen?

Reul: Das glaube ich nicht. Aber für eine fundierte Bewertung ist es viel zu früh, erst muss man alle Fakten kennen. Nach meinem Wissen lagen keine Delikte vor, die auf eine Gewalttätigkeit hingewiesen haben. Und es gibt viele psychisch labile oder gestörte Menschen. Aber sie können nicht prognostizieren, dass jemand absichtlich mit dem Auto in eine Menschenmenge fährt.

Nach der Amokfahrt in Münster

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  • Blumen werden am Tatort niedergelegt, Kerzen angezündet: Ein Mann war am 07.04. mit einem Kleintransporter vor der Gaststätte «Großer Kiepenkerl» in der Altstadt in eine Gruppe von Menschen gerast und hat zwei von ihnen getötet.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, läuft am Sonntagvormittag zum Tatort.

    Foto: Oliver Werner
  • Foto: dpa
  • Der Täter steuerte nach vorliegenden Informationen den Platz, der dann zum Tatort wurde, über  die Straßenachse Bogenstraße/Spiekerhof an. Normalerweise ist eine Zufahrt von dieser Seite aber nicht möglich, da Poller die Zufahrt versperren.

    Erreichbar ist der Platz am Kiepenkerl sowie die benachbarte Straße „Wegesende“ nur über eine kleine Stichstraße, die zwischen der  Apostelkirche und dem Eiscafé Macellum verläuft. Diese Stichstraße ist derzeit wegen Bauarbeiten aber gesperrt. Ersatzweise wurde der Platz am Kiepenkerldenkmal nach Süden, also zum Spiekerhof hin geöffnet.

    Foto: dpa
  • Ein Moment absoluter Stille.

    Foto: Oliver Werner
  • Schweigend legen Horst Seehofer, Armin Laschet, NRW-Innenminister Reul und Oberbürgermeister Lewe Blumen am Tatort nieder.

    Foto: dpa
  • Nationale und internationale Medien sind versammelt, um die Stellungnahmen der Politiker aufzunehmen.

    Foto: Oliver Werner
  • Die Minister tragen sich ins Kondolenzbuch ein.

    Foto: Oliver Werner
  • Die Ermittlungen der Polizei nach der Amokfahrt in Münster dauern an. Das Tatfahrzeug wurde inzwischen entfernt. Am Tatort werden weiter Spuren gesichert. Foto: Oliver Werner
  • Die Ermittlungen der Polizei nach der Amokfahrt in Münster dauern an. Das Tatfahrzeug wurde inzwischen entfernt. Am Tatort werden weiter Spuren gesichert. Foto: Oliver Werner
  • Die Ermittlungen der Polizei nach der Amokfahrt in Münster dauern an. Das Tatfahrzeug wurde inzwischen entfernt. Am Tatort werden weiter Spuren gesichert. Foto: Oliver Werner
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  • Ein Moment absoluter Stille. Schweigend legen Horst Seehofer, Armin Laschet, NRW-Innenminister Reul und Oberbürgermeister Lewe Blumen am Tatort nieder.

    Foto: dpa
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  • Auf fast allen Fußballplätzen in Münster fand am Sonntag eine Schweigeminute im Gedenken an die Opfer der Amokfahrt vom Samstag statt. Mehrere Mannschaften, wie etwa Westfalenligist 1. FC Gievenbeck, trugen einen Trauerflor. auf dem Bild sind die Kicker von Westfalia Kinderhaus vor der Partie gegen den TuS Recke am Anstoßkreis zu sehen. 

    Foto: Thomas Rellmann
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  • Maria Dickmann: Ich habe heute die Stille in der Lamber-tikirche gesucht und Kerzen aufgestellt.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Hermann-Josef Danicki: Man darf nicht immer im Bewusst-sein haben, woher wohl das nächste Auto kommt.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Johanna Markmann: Ich bin das erste Mal seit Samstag in der Stadt. Es ist ein mulmiges Gefühl.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Ali Zandi: Wenn ich mit dem Taxi dort vorbeifahre, werde ich immer daran denken.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Gemischte Gefühle hat Dr. Rainer Zirbeck bei seiner Kaffeepause vor einem Café am Drubbel.

    Foto: Gabriele Hillmoth

Wenn solche Täter die Methoden der Terroristen kopieren, was heißt das für die Polizeiarbeit?

Reul: Das ist eigentlich ja nicht neu, dass Einzeltäter, die selbst kein besonderes Anliegen verfolgen, sich an Straftaten orientieren, die durch die Medien gegangen sind. Diese Nachahmer wird es immer geben. Wir müssen dafür sorgen, dass solche Taten am Besten gar nicht stattfinden. Und wir müssen damit so umgehen, dass eine Tat nicht zur Nachahmung reizt. Das darf keine Heldenveranstaltung werden.

In wenigen Wochen findet der Katholikentag in Münster statt. Müssen die Sicherheitsvorkehrungen dafür nicht verschärft werden?

Reul: Wir haben am Samstag darüber geredet. Die Sicherheitsvorkehrungen sind schon sehr sorgfältig getroffen. Ich kann das noch nicht abschließend bewerten. Aber mein Eindruck ist, dass alles sehr gut durchdacht ist. Trotzdem werden die aktuellen Ereignisse natürlich in die Lagebewertung einfließen.

Nach Amokfahrt in Münster: Seehofer und Laschet gedenken der Opfer

Was sagen Sie denen, die nach der Amokfahrt nun zweifeln, ob sie nach Münster zum Katholikentag kommen?

Reul: Jetzt erst Recht! Das wäre der größte Fehler, wenn wir denen, die Recht brechen und Menschen umbringen, die Plätze und unser schönes Land überlassen würden. Dies auf keinen Fall! Ich wünsche mir einen Katholikentag voller friedlicher Menschen, die ernsthaft diskutieren und beten. Münster ist der ideale Ort dafür.

Werden Sie jetzt auch für andere Städte prüfen, ob Sicherheitsvorkehrungen erhöht werden müssen und beispielsweise versenkbare Poller überall eingesetzt werden?

Reul: Ich glaube, dass so konkrete Vorgaben keinen Sinn machen. Nach der Tat haben wir uns gefragt: Warum gerade dieser Platz? Es gibt viele solcher Plätze, wo Menschen fröhlich draußen sitzen. Sie können aber nicht die ganze Stadt verpollern. Die Entscheidung kann den Verantwortlichen vor Ort leider niemand abnehmen. Sie kann nur dezentral beantwortet werden. Wir sollten in Düsseldorf überhaupt nicht den Eindruck erwecken, wir wüssten, wo welcher Poller stehen muss.

Kann man überhaupt mehr Sicherheit schaffen?

Reul: Man kann immer noch etwas mehr erreichen, aber es wird nie 100-prozentige Sicherheit geben.

Tote und Verletzte nach Anschlag am Kiepenkerl

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  • Kleinlaster fährt in Menschenmenge Foto: privat
  • Kleinlaster fährt in Menschenmenge Foto: Oliver Werner
  • Menschen stehen vor den Gaststätten Kiepenkerl, kurz nachdem ein Fahrzeug in das Straßencafe gefahren war. Foto: Stefan R./dpa
  • Kleinlaster fährt in Menschenmenge Foto: Oliver Werner
  • Polizisten stehen an der Ecke Theißingstraße/Zumbroockstraße. In Münster sind am Samstag mehrere Menschen gestorben, als ein Auto in eine Menschenmenge fuhr. Foto: Ina Fassbender/dpa
  • Foto: David Young/dpa
  • Kleinlaster fährt in Menschenmenge Foto: Oliver Werner
  • Kleinlaster fährt in Menschenmenge Foto: Oliver Werner
  • Foto: Bernd Thissen/dpa
  • Kleinlaster fährt in Menschenmenge Foto: Oliver Werner
  • Kleinlaster fährt in Menschenmenge Foto: Oliver Werner
  • Kleinlaster fährt in Menschenmenge Foto: Oliver Werner
  • Am Abend nach der Bluttat in Münster versammelten sich Menschen am Aasee und entzündeten Kerzen. Foto: Friso Gentsch/dpa
  • Kleinlaster fährt in Menschenmenge Foto: Oliver Werner
  • Kleinlaster fährt in Menschenmenge Foto: Oliver Werner
  • Foto: Bernd Thissen/dpa
  • Kleinlaster fährt in Menschenmenge Foto: Oliver Werner
  • Kleinlaster fährt in Menschenmenge Foto: Oliver Werner
  • Kleinlaster fährt in Menschenmenge Foto: Oliver Werner
  • Kleinlaster fährt in Menschenmenge Foto: Oliver Werner
  • Kleinlaster fährt in Menschenmenge Foto: Oliver Werner
  • Vor dem Polizeipräsidium am Friesenring sammelten sich am Nachmittag die Einsatzkräfte.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Vor dem Polizeipräsidium am Friesenring sammelten sich am Nachmittag die Einsatzkräfte.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Vor dem Polizeipräsidium am Friesenring sammelten sich am Nachmittag die Einsatzkräfte.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Steinfurter Straße

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Oliver Werner, Gunnar A. Pier, dpa
  • Vor dem Polizeipräsidium am Friesenring sammelten sich am Nachmittag die Einsatzkräfte.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Vor dem Polizeipräsidium am Friesenring sammelten sich am Nachmittag die Einsatzkräfte.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Vor dem Polizeipräsidium am Friesenring sammelten sich am Nachmittag die Einsatzkräfte.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Steinfurter Straße

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Polizisten haben den Prinzipalmarkt in Höhe Stadthausturm / WN-Geschäftsstelle gesperrt. Im Hintergrund die Lambertikirche.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Polizisten haben den Prinzipalmarkt in Höhe Stadthausturm / WN-Geschäftsstelle gesperrt. Im Hintergrund die Lambertikirche.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Polizisten haben den Prinzipalmarkt in Höhe Stadthausturm / WN-Geschäftsstelle gesperrt. Im Hintergrund die Lambertikirche.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Polizisten haben den Prinzipalmarkt in Höhe Stadthausturm / WN-Geschäftsstelle gesperrt. Im Hintergrund die Lambertikirche.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Polizisten haben den Prinzipalmarkt in Höhe Stadthausturm / WN-Geschäftsstelle gesperrt. 

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Sperrung vor dem Rathaus, Blick aus Richtung Domplatz.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Polizisten haben den Prinzipalmarkt in Höhe Stadthausturm / WN-Geschäftsstelle gesperrt. Im Hintergrund die Lambertikirche.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Sperrung vor dem Rathaus, Blick aus Richtung Domplatz.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Absperrung vor dem Dom.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Sperrung vor dem LWL-Landesmuseum.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Sperrung vor dem LWL-Landesmuseum / Blick Richtung Rothenburg.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Sperrung vor dem LWL-Landesmuseum / Blick Richtung Rothenburg.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Sperrung vor dem LWL-Landesmuseum / Blick Richtung Rothenburg.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Sperrung vor dem LWL-Landesmuseum / Blick Richtung Rothenburg.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Björn Meyer
  • Foto: Thorsten Neuhaus
  • Foto: Thorsten Neuhaus
  • Foto: Thorsten Neuhaus
  • Foto: Thorsten Neuhaus
  • Foto: Thorsten Neuhaus
  • Foto: Thorsten Neuhaus
  • Foto: Thorsten Neuhaus
  • Am Samstagabend hatten Münsteraner ein Treffen am Aasee anberaumt, um an den Aaseekugeln für alle Betroffenen des Anschlags Kerzen zu entzünden.

    Foto: Anne Koslowski
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