Fields-Medaille
30-jähriger Mathe-Professor bekommt renommierten Preis

Rio de Janeiro/Bonn - Der Bonner Mathematiker Peter Scholze (30) ist als zweiter Deutscher mit der Fields-Medaille geehrt worden. Der Preis ist vom Prestige her vergleichbar mit dem Nobelpreis und eine der renommiertesten Auszeichnungen des Fachgebietes. Die Internationale Mathematische Union verlieh dem gebürtigen Dresdner Scholze die Fields-Medaille am Mittwoch in Rio de Janeiro bei ihrem Kongress. Der Preis wird alle vier Jahre an bis zu vier herausragende Mathematiker unter 40 Jahren vergeben.

Mittwoch, 01.08.2018, 15:42 Uhr

Peter Scholze ist zu sehen.
Peter Scholze ist zu sehen. Foto: Soeren Stache

Neben Scholze bekamen dieses Mal Akshay Venkatesh (Princeton University und Stanford University , USA), Alessio Figalli (ETH Zürich, Schweiz) und Caucher Birkar (Cambridge University, Großbritannien) die goldene Medaille, die mit einem Preisgeld von knapp 10 000 Euro (15 000 Kanadische Dollar) verbunden ist.

Scholze forscht zur sogenannten arithmetischen Geometrie und schafft Verbindungen zwischen verschiedenen Gebieten der Mathematik. Seine Forschung gilt als bahnbrechend. Nach der Schule in Ostberlin wechselte der gebürtige Dresdner an die Bonner Universität. Dort wurde er mit 24 Jahren der damals jüngste Professor Deutschlands. Der bisher einzige deutsche Träger der Fields-Medaille ist Gerd Faltings .

Ein weitere hochrangige Mathematik-Auszeichnung ist der Abelpreis, der ohne Altersbeschränkung und jährlich verliehen wird.

 

Zur Person

Peter Scholze (30) wurde in Dresden geboren und besuchte in Berlin das Heinrich-Hertz-Gymnasium. Nach dem Abitur 2007 wechselte er zum Mathe-Studium an die Uni Bonn, wo er 2012 im Alter von nur 24 Jahren Professor wurde. Seit Anfang Juli ist er auch Direktor am Max-Planck-Institut für Mathematik in Bonn. Scholze forscht auf dem Gebiet der arithmetischen Geometrie und hat dort jahrzehntelang offene Probleme gelöst. Sein Privatleben hält Scholze aus der Öffentlichkeit heraus.

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Ausgezeichneter Mathematiker sieht kein „spezielles Talent“ bei sich

Interview: Marco Krefting/dpa

Die Fields-Medaille ist für den Bonner Mathematik-Professor Peter Scholze die jüngste Ehre in einer ganzen Reihe von Auszeichnungen. Im Interview der Deutschen Presse-Agentur erklärt er, warum es ihm eigentlich um etwas anderes geht.

Sind Preise der Maßstab, um zu bemessen, wie gut ein Land in einer Disziplin aufgestellt ist? Frankreich beispielsweise hat deutlich mehr Fields-Medaillengewinner als Deutschland.

Natürlich sind die Preise immer nur eine sehr indirekte Reflexion von dem, was wirklich da ist. Aber im Großen und Ganzen spiegeln die schon die Realität wider. Frankreich hat eine sehr starke Tradition der reinen Mathematik. Die haben auch ein ganz anderes Wissenschaftssystem, man kriegt früher permanente Stellen. Es gibt auch viel mehr reine Forschungsstellen, wo es auch ein paar Leute gibt, die ihr ganzes Leben der Forschung verschreiben.

Wünschen Sie sich das auch für Deutschland oder für sich persönlich?

Ich bin mit meiner Stelle sehr glücklich, ich will auch lehren. Ich glaube auch nicht, dass man das System auf den Kopf stellen könnte.

Sie haben schon zig Preise bekommen - was zählt da die Fields-Medaille? Ist das der vielzitierte Nobelpreis der Mathematik?

Wie einen Nobelpreis würde ich es nicht sehen, weil das Set-up anders ist. Die Fields-Medaille ist ja nur für junge Leute und soll gerade auch ein Ansporn sein. Aber es ist schon der bekannteste Preis für Mathematiker und für mich schon eine herausragende Ehre.

Gemessen daran: Haben Sie noch Ziele? Oder werden Sie so mit Lob überschüttet, dass Sie nicht mehr wissen, wohin das führen soll?

Ich versuche, das gar nicht so sehr an mich rankommen zu lassen. Es gibt einfach die Fragestellungen in der Mathematik, die mich interessieren und an denen ich arbeiten will. Damit haben die Preise ja nichts zu tun.

Ist das dann sogar etwas, das Sie eher von der eigentlichen Arbeit abhält, wenn Sie zum Beispiel zu Preisverleihungen oder irgendwelchen Amtsübernahmen müssen?

Naja, teilweise kann das schon manchmal nerven (lacht).

In Laudationen werden Sie als Überflieger, Ausnahmetalent, Genie bezeichnet. Welche Superlative können Sie nicht mehr hören?

Ich brauche die Superlative nicht.

Sehen Sie sich denn selbst als Crack, der aus der Masse heraussticht?

An sich habe ich gar nicht das Gefühl, dass ich ein spezielles Talent besitze.

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