Notfälle
TÜV-Bahnexperte: Nach Böschungsbrand nicht zu Beton greifen

Über die Ursache des Brandes bei Siegburg an einer ICE-Trasse wird noch gerätselt. Werden Bahnböschungen in trockenen Zeiten zur Gefahr für Siedlungen? Ein TÜV-Experte mahnt: Nicht alles in Beton gießen.

Donnerstag, 09.08.2018, 06:22 Uhr

Flammen schlagen aus den Dachstühlen brennender Häuser an der Bahnstrecke in Siegburg.
Flammen schlagen aus den Dachstühlen brennender Häuser an der Bahnstrecke in Siegburg. Foto: Oliver Berg

Köln (dpa/lnw) - Siedlungen an Bahntrassen als Folge auf den verheerenden Böschungsbrand bei Siegburg künftig verstärkt mit Beton-Schutzwänden abzusichern, wäre nach Experten-Ansicht falsch. «Man muss erst einmal herausbekommen, was wirklich die Brandursache war. Aber grundsätzlich sagt schon der gesunde Menschenverstand, dass man nun nicht an Straßen oder Bahntrassen alle Böschungen einbetonieren kann.» Das betont Dirk Peuschel, Bahnexperte des TÜV Rheinland in Köln. Aus technischer Sicht sehe er keine Notwendigkeit, eilig Maßnahmen zu ergreifen, «weil die Brandursache wahrscheinlich außerhalb des Bahnbetriebs herrührt.»

Am Dienstag hatte eine Böschung an der ICE-Strecke Köln-Frankfurt bei Siegburg Feuer gefangen, das schnell auf die dahinterliegende Siedlung übergegriffen hatte. Nach Angaben der Stadt wurden 32 Menschen verletzt und mehrere Gebäude zerstört. Zwischen der Bahntrasse und den Häusern habe es einen Höhenunterschied von etwa sieben Metern gegeben. «Da warme Luft nach oben steigt, hatte das Feuer mit der steilen Böschungswand physikalisch eine gute Vorlage», erläuterte Peuschel. Auch wenn der Brandauslöser noch unklar sei, mahnte er: «Mit Blick auf die Gefahren in großer Trockenheit müsste die Sensibilität der Bevölkerung möglicherweise noch geschärft werden.»

Zu Spekulationen über den Funkenflug eines Zuges als Brandursache betonte der TÜV-Bahntechniker: «Bei einem ICE auf dieser Strecke halte ich das für sehr unwahrscheinlich.» Die Technik der Hochgeschwindigkeitszüge sei so ausgestattet, dass auch bei großer Reibung etwa an der Bremse ein Funkenflug äußerst unwahrscheinlich sei. «Es müsste ein technischer Defekt an dem Fahrzeug vorliegen, wenn es tatsächlich einen Funkenflug gegeben haben sollte. Das müsste dann aufzuklären sein.» Nach derzeitigem Kenntnisstand sei davon allerdings nicht auszugehen.

«Wenn sich Rahmenbedingungen durch Extremwetter-Phänomene wie lange Trockenphasen ändern, muss man nachdenken, ob auch bei den Maßnahmen zur Gefahrenbegrenzung etwas geändert werden sollte.» Das Bahn-Management werde solche Prüfungen als Folge auf den Siegburger Brand sicherlich angehen, meinte Peuschel.

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