Räumung des Hambacher Forstes
„Sonst verbrennen sie wie lebendige Fackeln“

Düsseldorf -

Mit der am Donnerstag begonnenen Räumung der 51 von Braunkohlegegnern errichteten Baumhäuser im Hambacher Forst ergreift die Landesregierung die Initiative, ohne auf eine Entscheidung des Energiekonzerns RWE über die Rodung zu warten. Sie nutzt einen juristischen Winkelzug: Viele Jahre stuften die kommunalen Behörden die Baumhäuser nicht als bauliche Anlagen ein. 

Donnerstag, 13.09.2018, 19:54 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 13.09.2018, 19:40 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 13.09.2018, 19:54 Uhr
Jan Heinisch
Jan Heinisch Foto: WN

Mit einer am Vortag ergangenen Weisung ändert das Bauministerium die Bewertung: Die Baumhäuser würden als Wohnungen genutzt und seien genehmigungsbedürftig. Zudem verstießen sie gegen Brandschutzvorschriften und müssten – analog zur Praxis bei Hochhäusern - geräumt werden.

„Wenn sie als Bauaufsichtsbehörde eine Gefahrenlage erkennen, müssen sie handeln“, begründet Bau-Staatssekretär Jan Heinisch (CDU) die Maßnahme. Die gelte unabhängig von der RWE-Entscheidung in jedem Wald des Landes. „Keiner kann auf seinen Schutz von Leib und Leben verzichten.“ Dass die Umweltaktivisten sich mit Feuerlöschern ausgestattet haben, ändere die Lage nicht. Überall im Wald könne ein Feuer ausbrechen, sagt Heinisch: „Dann brennt der Wald, und dann verbrennen die Menschen da oben wie lebendige Fackeln in ihren Baumhäusern.“

Schutz der Aktivisten als Motiv halten die Umweltschützer für vorgeschoben. Grünen-Landeschefin Mona Neubaur sprach von einem „fadenscheinigen Vorwand“ und „einer unverantwortlichen Provokation“. Auch in der schwarz-gelben Koalition sorgt das offenbar nur zwischen Bau- und Innenressort abgesprochene Vorgehen für Irritation.

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