Braunkohle-Abbau
Baumhäuser im Hambacher Forst geräumt

Nach der Räumung des letzten Baumhauses im Hambacher Forst bereitet sich RWE auf die Rodung vor. Mit einem Graben wird das Gelände abgegrenzt. Wer den Wald danach ohne Erlaubnis betritt, begeht Hausfriedensbruch.

Dienstag, 02.10.2018, 18:41 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 02.10.2018, 17:46 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 02.10.2018, 18:41 Uhr
Ein Baum im Hambacher Forst steht an der Abbruchkante des Tagebau.
Polizisten gehen am Hambacher Forst vor einem Braunkohlebagger des Tagebaus Hambach vorbei. Foto: David Young/dpa

Kerpen (dpa/lnw) - Die Polizei hat nach eigenen Angaben am Dienstag das letzte Baumhaus von Kohle- und Rodungsgegnern im Hambacher Forst geräumt. Jetzt bereitet der Energiekonzern RWE die heftig umstrittene Rodung des Gebietes vor.

Das Waldstück am Braunkohletagebau bei Aachen werde mit einem Graben sowie Seil und Flatterband umfriedet, sagte ein RWE-Sprecher am Dienstag. Die Arbeiten dazu hätten bereits begonnen. «Wir werden es nicht dulden, dass Leute (...) da eindringen und den Wald wieder besetzen», sagte er. RWE werde das mit Hilfe der Polizei durchsetzen.

Urteil aus Münster steht noch aus

RWE ist Eigentümer des gut 100 Hektar großen Waldstückes, das zur Fortsetzung des Tagebaus gerodet werden soll, und hat seit langem die dafür nötigen Genehmigungen.

Eigentlich hätte RWE schon ab dem 1. Oktober mit dem Abholzen beginnen können. Aber wegen einer noch ausstehenden Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Münster zur Rechtmäßigkeit der Rodungen hatte der Konzern eine Stillhaltezusage bis längstens 14. Oktober abgegeben. Gegen die Rodung gibt es massiven Widerstand.

Das NRW-Bauministerium hatte den zuständigen Kommunen die Weisung erteilt, die knapp 80 Baumhäuser am Braunkohletagebau Hambach aus Sicherheitsgründen zu räumen. Die Polizei hatte die Kommunen knapp drei Wochen lang mit einem Großaufgebot an Kräften bei der Umsetzung unterstützt.

Räumung im Hambacher Forst

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  • Mehrere Demonstranten stehen mit Transparenten und Schildern auf der Aktion „Trecker gegen Braunkohle“ von der Organisation „Campact“ vor dem Bundeswirtschaftsministerium in Berlin. Die Aktivisten protestieren vor der heutigen Sitzung der Kohlekommission gegen die Abholzung durch RWE im Hambacher Forst und fordern den sofortigen Kohleausstieg.

    Foto: Fabian Sommer
  • Mehrere Traktoren der Aktion „Trecker gegen Braunkohle“ von der Organisation „Campact“.

    Foto: Fabian Sommer
  • Polizisten stehen Aktivisten im Hambacher Forst gegenüber.

    Foto: Arnulf Stoffel
  • Eine Umweltaktivisten hängt unter einem Baumhaus am Seil.

    Foto: Oliver Berg
  • Hinter einem Protestkamp steht eine Braunhohlebagger.

    Foto: Oliver Berg
  • Polizisten begleiten nach der Räumung eines Baumhauses eine Aktivistin (2.v.r) aus einem Hubwagen.

    Foto: Oliver Berg
  • Ein Bagger gräbt im Hambacher Forst an einer Stelle, an der zuvor ein Baumhaus von Aktivisten geräumt und abgerissen wurde.

    Foto: Marcel Kusch
  • Teilnehmer einer Demonstration stehen im Hambacher Forst einer Reihe von Polizisten gegenüber. Mehrere tausend Menschen protestieren gegen die Rodung des Waldes.

    Foto: Henning Kaiser
  • Demonstrationen von mehreren tausend Braunkohlegegnern haben die weitere Räumung des Hambacher Forstes am Wochenende nicht stoppen können.

    Foto: Henning Kaiser
  • Teilnehmer einer Demonstration gegen die Rodung des Hambacher Forsts versuchen über einen Wall in den Wald zu kommen und werden von der Polizei gehalten.

    Foto: Christophe Gateau
  • Ein Teilnehmer einer Demonstration gegen die Rodung des Waldes wird von der Polizei am Hambacher Forst festgehalten, nachdem er versucht hat eine Polizeikette durchzubrechen.

    Foto: Henning Kaiser
  • Teilnehmer einer Demonstration tragen Baumsetzlinge die sie auf dem gerodeten Teil des Forstes anpflanzen wollen. Die Demonstranten konnten nur über Äcker und Wege am Rande des Waldes laufen.

    Foto: Henning Kaiser
  • Polizisten stehen nachts im Hambacher Forst.

    Foto: Christophe Gateau
  • Ein Bagger fährt durch den Hambacher Forst.

    Foto: Christophe Gateau
  • Teilnehmer einer Demonstration gegen die Räumung und die geplante Rodung des Hambacher Forstes, die vorbei an den Polizeiketten in den Hambacher Forst gekommen sind, halten in der Nähe des Baumhausdorfes «Oaktown» eine Kundgebung ab. Eine Demonstrantin zeigt ein Schild mit den Worten «Hambi bleibt!».

    Foto: Henning Kaiser
  • Polizisten verhindern das Eindringen von Demonstranten in das „Gefahrengebiet Hambacher Forst“, in dem die Räumung von Baumhäusern der Braunkohlegegner fortgesetzt wird.

    Foto: Jana Bauch
  • Feuerwehrleute sind an einer Hütte im Hambacher Forst im Einsatz. In der Hütte soll sich noch mindestens eine Person seit über 24 Stunden verschanzt haben.

    Foto: Christophe Gateau
  • Polizisten auf Pferden verhindern das Eindringen von Demonstranten.

    Foto: Henning Kaiser
  • Polizei und Demonstranten.

    Foto: Henning Kaiser
  • Aktivisten hängen an einer Anlage auf dem Gelände des Braunkohlekraftwerks Niederaußem. Mit ihrer Aktion wollen sie den Protest im Hambacher Forst unterstützen.

    Foto: Henning Kaiser
  • Ein Polizist steht im Hambacher Forst vor einem von Aktivisten gebauten Haus. Eine Nebelgranate ist vorher von Aktivisten geschmissen worden.

    Foto: Marcel Kusch
  • Ein dreibeiniger Hochsitz vor einem Baumhaus.

    Foto: Jana Bauch
  • Über Polizisten, die vor dem Hambacher Forst stehen, fliegt ein Motorgleitschirm.

    Foto: Jana Bauch
  • Eine Polizistin steht im Wald an einer Absperrung.

    Foto: Oliver Berg
  • Ein Räumpanzer der Polizei steht im Hambacher Forst.

    Foto: Marius Becker
  • Ein Umwelt Aktivist steht mit erhobener Faust im Wald.

    Foto: Oliver Berg
  • Eine Umweltaktivistin sitzt mit fixierten Händen auf einem Baumstamm.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Ein Umweltaktivist sitzt auf einem Hochsitz im Hambacher Forst.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Behörden wollen am Donnerstag mit Räumungen im Hambacher Forst beginnen.

    Foto: Marius Becker
  • Umweltaktivisten haben Barrikaden gebaut, um die Polizei aufzuhalten.

    Foto: Christophe Gateau
  • Die Aktivisten versuchen die Rodung des Hambacher Forsts durch den Energiekonzern RWE zu verhindern.

    Foto: Oliver Berg
  • Ein Räumfahrzeug entfernt eine Barrikade.

    Foto: Henning Kaiser
  • Aktivisten sitzen im Hambacher Forst auf einem Tripod und dahinter auf einem Pfahl.

    Foto: Henning Kaiser
  • Streit um Braunkohle: Polizeifahrzeuge stehen am Donnerstag in der Nähe von Morschenich am Tagebau Hambach.

    Foto: Henning Kaiser
  • Der Energiekonzern RWE will im Herbst mehr als die Hälfte des noch verbliebenen Waldstücks roden, um weiter Braunkohle baggern zu können.

    Foto: Christophe Gateau
  • Für die Polizei hat einer der größten Einsätze in der jüngeren NRW-Geschichte begonnen. Wasserwerfer und schweres Räumgerät sind im Einsatz.

    Foto: Oliver Berg
  • Mitarbeiter der zuständigen Stadt Kerpen informierten die Baumbesetzer per Lautsprecher über den Räumungsbeschluss und forderten sie auf, die Baumhäuser innerhalb von 30 Minuten zu verlassen. „Wenn sie dann nicht freiwillig runterkommen, dann werden wir mit Hilfe der Polizei die Baumhäuser räumen“, sagte ein Stadtsprecher.

    Foto: Marius Becker
  • Die Waldbesetzer kündigen gewaltlosen Widerstand an.

    Foto: Christophe Gateau

Rodungsbeginn noch offen

Wann die Rodung beginnt, wollte der RWE-Sprecher nicht sagen. Die Umfriedung ist nach einem früheren Gerichtsurteil Voraussetzung dafür, dass ein widerrechtliches Eindringen als Hausfriedensbruch geahndet werden kann. Die NRW-Grünen planen am nächsten Sonntag einen kleinen Parteitag in einem Zelt an der Abbaukante des Tagebaus. Außerdem werden am Samstag Tausende zu Protestaktionen in der Region erwartet.

Die Polizei wird wohl auch nach dem Abschluss der Baumhaus-Räumungen im Hambacher Forst weiter vor Ort sein. «Dass es dann weiter eine Polizeipräsenz geben wird, diese Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch», sagte eine Polizeisprecherin am Dienstag. Man könne nicht davon ausgehen, dass mit Abschluss der Räumung absolute Ruhe herrsche. Die Zahl der Einsatzkräfte werde dann aber so weit wie möglich reduziert.

Kohlekommission diskutiert noch

Die nordrhein-westfälischen Grünen sehen trotz der Arbeiten noch Chancen, den Hambacher Wald zu retten und auf weitere Umsiedlungen für den Tagebau Garzweiler II zu verzichten. Zwar habe der Energiekonzern RWE die Rechtsgrundlage für die Rodungen und für den Kohleabbau, sagte Grünen-Landtagsfraktionschefin Monika Düker am Dienstag in Düsseldorf. «Es ist aber kein Zwang, das durchzusetzen.»

In einem Antrag für die Landtagssitzungen in der kommenden Woche fordert die Fraktion die Landesregierung auf, Einfluss auf RWE zu nehmen, mindestens bis zum Abschluss der Diskussionen in der Kohlekommission auf eine Rodung des Hambacher Walds zu verzichten.

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