Polizei
Wie ein Streit mit Polizisten in kiloweise Kartoffeln mündet

Ein Mal beleidigen? Macht eine Tasse Kaffee und 300 Kilogramm Kartoffel. Diese Rechnung haben zumindest Dortmunder Polizisten und Twitter-User «Kartoffelotto» aufgemacht und sich einen herzhaften Streit mit Happyend über die Kurznachrichten-Plattform geliefert.

Donnerstag, 18.10.2018, 14:52 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 18.10.2018, 14:45 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 18.10.2018, 14:52 Uhr
Eine Frau blickt auf den Twitter Account von Kartoffelotto.
Eine Frau blickt auf den Twitter Account von Kartoffelotto. Foto: Oliver Berg

Dortmund (dpa/lnw) - Einem absurden Streit zwischen einem Twitter-User und der Polizei Dortmund sollen nun 300 Kilo Kartoffeln ein Ende setzen. Auslöser für den Zwist, in den sich inzwischen auch TV-Entertainer Jan Böhmermann eingeklinkt hat, war ein aus Sicht der Polizei herabwürdigender Tweet des Users «Kartoffelotto» vor etwa drei Wochen. Am Dienstag soll der Streit dann in einem klärenden Gespräch beigelegt werden, sagte eine Polizeisprecherin am Donnerstag - und mit einer Spende von insgesamt 300 Kilo Erdäpfeln an gemeinnützige Einrichtungen, zu der «Kartoffelotto», die Polizei und Böhmermann in gleichen Teilen beitragen wollen.

«Ihr seid ein absolut lachhafter Haufen», hatte «Kartoffelotto» Ende September an die Adresse der Dortmunder Polizei getwittert. Der Fußball-Fan ärgerte sich darüber, dass das Spiel seines Clubs Borussia Dortmund von erhöhtem Polizeiaufgebot begleitet wurde, während die Polizei dafür kritisiert wurde, Tage zuvor bei einer Neonazi-Demo in der Stadt nicht eingeschritten zu sein. «Heute sind dann wieder Kapazitäten frei?», stänkerte er.

Die Polizei drohte daraufhin mit Anzeige und leitete formal Ermittlungen ein. «Die Social Media Kanäle sind kein rechtsfreier Raum. Als lachhafter Haufen möchten auch wir nicht bezeichnet werden», sagte die Polizeisprecherin dazu.

Das Vorgehen der Polizei sorgte bei Twitter jedoch für Wirbel, erst recht als sich Jan Böhmermann, selbst aktiver Twitter-Nutzer mit mehr als 2 Millionen Followern, auf «Kartoffelottos» Seite schlug. Eine Einladung der Polizei zum klärenden Gespräch bei einem Kaffee sollte die Wogen glätten. Doch Anfang der Woche berichtete «Kartoffelotto» bei Twitter, er habe eine Vorladung wegen Verdachts der Beleidigung erhalten. «Wat willste dazu noch sagen...», ärgerte er sich. Die Solidarität bei Twitter war groß. Mehrere Medien hatten berichtet.

Am Mittwochabend stellte die Polizei schließlich noch einmal ihre Sicht der Dinge klar: Die Polizei verzichte auf einen Strafantrag und bekräftigte statt Vorladung die Einladung zum Gespräch. «Kartoffelotto» stimmte zu, nicht ohne eine bizarre Pointe zu setzen: In Anspielung auf seinen Namen bot er an, 100 Kilo Kartoffeln für einen gemeinnützigen Zweck zu spenden. Sein Vorschlag: «Wenn ihr auch 100 gebt (nur dann), gibt Kollege @janboehm auch noch 100 (ernsthaft!) macht 300 (!). Deal?» Polizei und Böhmermann willigten ein. Letzterer fügte hinzu: Aber nur wenn «danach der Quatsch zu Ende ist bitte».

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