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Immer weniger Wasser im Rhein: Probleme für Tankschiffe

Die Trockenheit lässt die Rheinpegel sinken. Das enthüllt gefährliche und unschöne Hinterlassenschaften, macht aber auch jetzt sogar der Mineralölwirtschaft zu schaffen.

Donnerstag, 18.10.2018, 18:52 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 18.10.2018, 18:39 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 18.10.2018, 18:52 Uhr
Aufgrund von Niedrigwasser ragen am Rhein bei Karlsruhe Buhnen aus dem Wasser.
Aufgrund von Niedrigwasser ragen am Rhein bei Karlsruhe Buhnen aus dem Wasser. Foto: Uli Deck

Düsseldorf (dpa/lnw) - Der Rhein bringt durch sein Niedrigwasser die ersten Tankstellen in Nordrhein-Westfalen in Schwierigkeiten und beschäftigt die Kampfmittelräumer. Der Fluss wird nach Einschätzung des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Duisburg in den nächsten Tagen immer weniger Wasser führen und sich weiter in sein Bett zurückziehen.

Im Laufe der Woche werden demnach die Wasserstände zwischen Bonn und Emmerich überall Rekordtiefstwerte erreicht haben, kündigte der Hydrologe Jan Böhme an: «Die Pegel des Rheins in Nordrhein-Westfalen sind oder werden in der laufenden Woche unter die bisher niedrigsten gemessenen Pegelstände fallen.»

In Emmerich wurde demnach am Donnerstag ein neuer Rekordtiefstwert von 19 Zentimetern erreicht, der nach Berechnungenin den nächsten zwei bis vier Tagen um weitere 10 Zentimeter weiter fallen wird. Die Fahrrinnentiefe des Rheins betrug in Emmerich am Donnerstag aber noch 2,15 Meter.

Tankschiffe können wegen des Niedrigstands teilweise nur noch mit einem Drittel der gewöhnlichen Ladung fahren, wie der Mineralölwirtschaftsverband feststellte. Nach Verbandsangaben kam es am Dienstag und Mittwoch vereinzelt für wenige Stunden zu Lieferengpässen. Vereinzelt bekamen Tankstellen keine Kraftstoff-Lieferung.

Ähnliche Probleme könnte es in den nächsten Tagen auch wieder geben. «Es fahren insgesamt mehr Schiffe. Wir bemühen uns um Alternativen. Aber die Kapazitäten bei Zügen sind auch begrenzt», sagte Sprecher Alexander von Gersdorff der Deutschen Presse-Agentur.

Das Niedrigwasser enthüllt die unschönen Seiten des Rheins: alte Kriegsmunition zum Beispiel. Die wird nach Angaben der Bezirksregierung durch die Strömung rheinabwärts getrieben und ans Ufer geschwemmt. Bei Niedrigwasser wie jetzt würden jetzt häufiger Kampfmittel gefunden, teilte eine Sprecherin mit. Wie jetzt bei Köln: Da wurde am Donnerstag eine amerikanische Fliegerbombe im Rhein kontrolliert gesprengt.

Die Kölner nutzen die Gunst des niedrigen Wasserstands zu einer Groß-Reinemachaktion für den Rhein: Nachdem in den vergangenen Tagen schon Mitglieder eines Kölner Yachtclubs den Rhein von Müll befreit hatten, machten sich am Donnerstag auch Feuerwehr und Abfallwirtschaftsbetrieb daran zu schaffen. Sie holten Fahrräder, Metallschrott und Sperrmüll aus dem Rhein, wie die Stadt mitteilte. Weitere Sammel-Aktionen sind demnach in den nächsten Tagen geplant.

Nach Einschätzung des NABU NRW sind die Auswirkungen des sehr niedrigen Wasserstandes für die wenigsten Pflanzen- und Tierarten bedrohlich. Naturnahe oder naturnah renaturierte Flüsse mit verbundenen Fluss-, Ufer- und Auenbereichen böten den dort lebenden Tier- und Pflanzenarten Spielräume, solche Extremereignisse für die Arten ohne großen Schaden zu überstehen. Weil durch den Klimawandel häufiger mit solchen Ereignissen zu rechnen sei, sollte die Landesregierung Renaturierungsprojekte stetig vorantreiben.

Der NABU NRW warnte zugleich davor, die Fahrrinne des Rheins weiter zu vertiefen. Der Rhein habe sich in den vergangenen 100 Jahren etwa zwei Meter in seine Sohle eingeschnitten, da die Flussufer befestigt und damit die seitliche Entwicklung des Rheins unterbunden worden sei. Dies habe zur zunehmenden Entkopplung von Fluss und Flussaue und dem Verlust potenzieller Auenlebensräume geführt, betonte der Umweltverband am Donnerstag. Durch eine weitere Vertiefung würde zudem der Grundwasserstrom an den Flussufern geändert, was zu negativen Auswirkungen auf die Landwirtschaft führen könnte.

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